Suchen

Technik kurz erklärt

Die Entwicklung des Kaffeefilters

| Autor/ Redakteur: Bernhard Richter / Katharina Juschkat

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Der Kaffeefilter.

Firmen zum Thema

Der Kaffeefilter wird auch heute noch zum Kaffeebrühen verwendet, auch wenn vollautomatische Kaffeemaschinen immer beliebter werden.
Der Kaffeefilter wird auch heute noch zum Kaffeebrühen verwendet, auch wenn vollautomatische Kaffeemaschinen immer beliebter werden.
( Elke Wetzig/wikimedia.org / CC BY-SA 3.0)

Ursprünglich wurde Kaffee zubereitet, indem man die frisch gemahlenen Kaffeebohnen zusammen mit Wasser in einem Behältnis aufkochte. Die türkische Art der Zubereitung – Mokka genannt – hatte allerdings einen entscheidenden Nachteil: Den Kaffeesatz, der am Boden der Tasse zurückblieb. Deswegen wurde früher üblicherweise der frische Kaffee dekantiert oder nach dem Brühen durch ein Sieb gegossen. Oder aber, ganz nach türkisch-arabischer Tradition, einfach bis zum Kaffeesatz abgetrunken.

Elektrischer Pump-Perkolator von AEG um 1930.
Elektrischer Pump-Perkolator von AEG um 1930.
(Bild: AEG coffee machine. / AEG coffee machine. / Christos Vittoratos / CC BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0)

Dennoch wollten die Menschen ihren teuer im Kolonialwarenladen erstandenen Kaffee bis zum letzten Schluck genießen können. Verschiedene Techniken und Filtrierungsvarianten waren mehr oder weniger erfolgreich. Gut funktionierte z.B. in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts der sogenannte Perkolator – eine frühe Form der Vakuumzubereitung von Kaffee. Leider war diese Form der Zubereitung nicht jedem vergönnt – denn schließlich kostete ein elektrischer Pump-Perkolator gut ein halbes Jahresgehalt eines einfachen Arbeiters. Es musste einen kostengünstigeren Weg geben.

Vom Löschpapier zum Kaffeefilter

Die damals auch weit gebräuchliche Kaffeesocke lieferte jedenfalls keine befriedigenden Ergebnisse, da sich durch den langen Verbleib des Kaffeepulvers im Wasser zu viele Bitterstoffe lösten. Im Jahre 1908 hat die findige und sparsame Hausfrau Melitta Bentz genug von schlechtem Kaffee und sie zweckentfremdet kurzerhand das Löschpapier aus den Schulheften ihrer Söhne. Das Papier wurde von der Dresdnerin in eine mit Nägeln perforierte, geleerte Konservendose gelegt.

In ihrem Freundeskreis stieß diese recht simple Technik auf Begeisterung und so wurde aus der versierten Frau eine patente: Das kaiserliche Patentamt erteilte ihr am 20.Juni 1908 das Patent auf ihren Rundfilter mit vorgefertigtem Filterpapier. Im Dezember wurde das Unternehmen mit 73 Pfennigen Eigenkapital ins Handelsregister eingetragen. Heute macht die Melitta Unternehmensgruppe Bentz KG etwa ​1,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 75 Bildern

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45220606)

Über den Autor

Bernhard Richter

Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht