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Technik kurz erklärt Die Entwicklung der Telefonzelle

| Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Die Telefonzelle

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Links im Bild ist ein Kartentelefon zu sehen. 1988 in Bonn.
Links im Bild ist ein Kartentelefon zu sehen. 1988 in Bonn.
(Bild: Bundesarchiv_B_145_Bild-F079049-0027,_Bonn,_Kaufhof / Bundesarchiv_B_145_Bild-F079049-0027,_Bonn,_Kaufhof / CC BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0)

Die erste Telefonzelle der Welt, ein sogenanntes "Fernsprechkiosk" wurde am 12. Januar 1881 am Potsdamer Platz in Berlin aufgestellt. Um sie zu benutzen, musste man Papiertickets, Telefonbillet genannt, kaufen, die ein paar Minuten Sprechzeit erlaubten. Im Jahr 1899 wurde das System durch ein Münztelefon ersetzt. Die Entwicklung der Telefonzelle hängt natürlich auch stark mit der Entwicklung des Telefons zusammen.

Ab den 1920er Jahren gehörten Telefonhäuschen mit Münzfernsprechern zum vertrauten Bild öffentlicher Plätze und Straßen. Ihre Gestaltung und Farbgebung wurde ab 1932 reichsweit normiert. Zunächst waren Blau und Gelb, ab 1934 Rot vorgeschrieben; ab 1946 wurde auf das in Westdeutschland 1951 vorgeschriebene einheitliche Gelb umgestellt. Das Häuschen bestand aus robustem Stahlblech und die Türe konnte links- oder rechtsangeschlagen montiert werden.

Zwei Groschen zum Hallo-Sagen

1984 kostete ein Gespräch 20 Pfenninge, später dann 30 Pfennige - diese Preiserhöhung die allenthalben auf Empörung stoß, konnte aber dennoch nicht dafür sorgen, dass sich die öffentlichen Fernsprecher lohnten. Die Betriebskosten der rund 130.000 Telefonzellen überstiegen die Einnahmen von etwa 250 Millionen DM bei weitem. Die Deutsche Bundespost musste dieses Minus allerdings ertragen und dafür sorgen, dass sich eine Kommunikationsmöglichkeit immer in "Laufweite" befand - sprich im Umkreis von 2,5 km. Das sah der Versorgungsauftrag vor, dem das Unternehmen unterlag. Immerhin waren zu dem Zeitpunkt noch rund 2,3 Million Haushalte in Deutschland ohne eigenen Telefonanschluss.

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Kartensammelwahn

Ende der 1980er, Anfang der 1990er führte die Telekom ihr Kartenmodell ein - Guthaben auf Prepaid-Karten ermöglichten eine unkomplizierte Kommunikation und die Deutsche Post erhoffte sich eine erhöhte Telefonierbereitschaft und - verständlicherweise - weniger Vandalismus durch augfgebrochene oder ausgeraubte Telefonzellen.

Und das Konzept schien aufzugehen: 1986 wurden 1,5 Millionen Karten verkauft, im folgenden Jahr schon sechs Millionen. Und natürlich entdeckten auch Sammler die Karten für sich.Viele Sammler nehmen in ihre Sammlung nicht nur ein einziges Exemplar einer Karte auf, sondern suchen Varianten mit verschiedenen Kontrollnummerntypen, Druckdaten oder Chips. Neben verschiedensten Motiven gab es auch Exemplare aus Papier, Metall, Glas oder Holz. Im November 1998 wurde die 500-millionste Karte verkauft. Kurz danach verbreiteten sich die Mobiltelefone und der Umsatz der Telefonkarten ging massiv zurück.

Telefonhäuschen TelH78 aus Zeiten der Deutschen Bundespost.
Telefonhäuschen TelH78 aus Zeiten der Deutschen Bundespost.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Ende naht

Wegen des immensen Anwachsens der Mobiltelefonnutzung um die Jahrtausendwende ging auch die Nutzung von Fernsprechern massiv zurück. Die Telekom - jetzt privatisiert - baute immer mehr Telefonzellen zurück oder tauscht die geschlossenen gegen so genannte "Basistelefone". 1994 war der Zenit mit 165.000 Telefonzellen in ganz Deutschland erreicht. Noch 2007 gab es etwwa 110.000 - Anfang 2019 waren es nur noch etwa 17.000. Diese öffentlichen Telefone stehen vor allem an Bahnhöfen oder an Flugplätzen.

Das letzte gelbe Telefonhäuschen aus Zeiten der Deutschen Bundespost stand bis Oktober 2018 in Bayern im Wallfahrtsort St. Bartholomä am südwestlichen Ufer des Königssees.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht