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Technik kurz erklärt Die Entwicklung der Telefonwählscheibe

| Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Die Telefonwählscheibe

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Der Fernsprechtischapparat FeTAp 615 - ein Musterbeispiel für Wiederverwertbarkeit und Reparierbarkeit. Sicherlich vielen Lesern von Besuchen bei den Großeltern bekannt.
Der Fernsprechtischapparat FeTAp 615 - ein Musterbeispiel für Wiederverwertbarkeit und Reparierbarkeit. Sicherlich vielen Lesern von Besuchen bei den Großeltern bekannt.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Wieder einmal hat dieses Meisterwerk der Konstruktionstechnik viel mit der Entwicklung des Telefons zu tun, die Sie hier lesen können:

Und um eine der praktischsten Anwendungen des Telefons, die beinah nur noch in der Erinnerung existiert, geht es hier:

Geschichte des Rufnummern-Wählens

Wenn man es genau nimmt, dann ist die Wählscheibe des Telefons nur der sichtbare Bedienteil eines sogenannten Nummernschalters. Dieser war nötig um bei alten Telefonen, die mit dem veralteten Impulswahlverfahren arbeiteten, die Rufnummer einzugeben. Die amtliche Bezeichnung der Bundespost für Wählscheibe war übrigens Fingerlochscheibe.

Die ersten Fernsprechapparate in den damals üblichen Fernsprechkiosken hatten keine technische Möglichkeit manuell eine Anschlussnummer einzugeben - stattdessen musste der Nutzer "das Fräulein vom Amt wecken". Dies geschah durch das kräftige Drehen eines Kurbelinduktors (ähnlich dem am Feldfernsprecher FF OB/ZB der Bundeswehr). So wurde eine mündliche Verbindung zur Vermittlungsstelle aufgebaut, wo dann der Verbindungswunsch mitgeteilt wurde. Die tatsächliche Draht-Verbindung wurde dann von der Vermittlungskraft per Steckverbindung hergestellt.

Nummernschalter (Innenansicht) Bauart NrS 38 M von der Fa. Merk Telefonbau aus dem Jahre 1959
Nummernschalter (Innenansicht) Bauart NrS 38 M von der Fa. Merk Telefonbau aus dem Jahre 1959
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Auf der drehbaren Telefonwählscheibe sind die Ziffern kreisförmig angeordnet, so dass ein Fingerrad mit einem Finger gegen Federspannung gedreht werden kann. Ausgehend von der Position jeder Ziffer und durch Drehen bis zur festen Fingeranschlagstellung entspricht der Winkel, um den die Wählscheibe gedreht wird, der gewünschten Ziffer. Kompakttelefone mit dem Zifferblatt im Handapparat hatten alle Löcher im Zifferblatt in gleichem Abstand und einen federbelasteten Fingeranschlag mit begrenztem Hub.

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Wenn der Fingeranschlag losgelassen wird, kehrt das Rad, angetrieben durch die Feder, mit einer Geschwindigkeit, die durch eine Fliehkraftreglervorrichtung reguliert wird, in seine Ausgangsposition zurück. Während dieser Rücklaufdrehung unterbricht die Wählscheibe den elektrischen Gleichstrom der Telefonleitung die spezifische Anzahl von Malen, die jeder Ziffer zugeordnet sind, und erzeugt dadurch elektrische Impulse, die die Telefonzentrale in die gewählte Ziffer dekodiert. Jede der zehn Ziffern wird in Sequenzen kodiert, die der Anzahl der Impulse entsprechen, weshalb das Verfahren manchmal als dekadisches Wählen bezeichnet wird.

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Erste Patente

Das erste Patent für eine Drehscheibe wurde Almon Brown Strowger am 29. November 1892 erteilt, aber die allgemein bekannte Form mit Löchern im Fingerrad wurde erst etwa 1904 eingeführt.

Der eigentliche, meist in Deutschland verwendete Nummernschalter mit Leitungsadern für die Sprechverbindung zur Übertragung der gewählten Nummer, wurde von Siemens & Halske entwickelt und am 29. April 1913 als Patent angemeldet.

Übergang zum Tastentelefon

Ab den 1970er Jahren wurde der Nummerschalter nach und nach durch das Mehrfrequenzwahlverfahren über Tasten verdrängt. Das lag einerseits an der Tatsache, dass die Nummernschalter ein Verschleißteil waren und regelmäßig getauscht werden mussten und andererseits auch teuer in der Herstellung. Mit dem Übergang zur digitalen Vermittlung wurden die elektromagnetischen Systeme durch einfachere, schnellere und verlässliche elektronische Systeme ersetzt.

Die ersten Telefone mit Tastatur ahmten das Verhalten der Nummernschalter elektronisch nach um mit den Vermittlungen kompatibel zu sein. Kurioserweise kam es in der Übergangszeit oftmals dazu, dass zwei eigentlich digitale Geräte mit einander kommunizierten - beide aber ein elektromagnetisches Verhalten simulierten.

Dank dieser Abwärtskompatibilität können die meisten Vermittlungen dank analoger Adapter viele alte Wählscheibentelefone noch heute bedienen.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht