Studie zur Produkt- und Markenpiraterie in China Die chinesische Regierung profitiert von der Produktpiraterie
In keinem anderen Land der Welt sind so viele Produkt- und Markenpiraten tätig wie in China. Aus welchen Gründen ist die Fälschungsindustrie dort so stark? Warum bleibt das Vorgehen chinesischer Gerichte weitestgehend erfolglos? Und welche Strategien können deutsche Unternehmen anwenden, um Schäden durch Plagiate zu reduzieren? Mit diesen Fragen hat sich eine Studie beschäftigt.
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Eigentlich könnte alles gut sein: China hat mit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 die internationalen Regeln des Urheber-, Marken- und Patentrechts übernommen und weist eine hochmoderne Gesetzgebung zur Bekämpfung der Produkt- und Markenpiraterie auf.
Dennoch könne chinesisches Recht heute nur unzureichend durchgesetzt werden, so die Studie „Probleme der Rechtsdurchsetzung des Urheber-, Marken-, und Patentrechts in China und deren Auswirkungen auf die Marktstrategie deutscher Unternehmen“ der Hochschule Darmstadt. Autoren der Studie sind der Jurist Prof. Dr. Rainer Erd und der Betriebswissenschaftler Prof. Dr. Michael Rebstock. Mitgearbeitet haben Nadine Kilper und Michael Benske.
Danach fehlten in China juristisch ausgebildete Richter und Staatsanwälte, die Justiz sei politisch gesteuert. Ansätze für eine moderne Rechtsprechung, die die neuen gesetzlichen Möglichkeiten nutze, gebe es aber bereits in den großen Städten der Ostküste, Peking und Shanghai.
Korruption erschwert die Bekämpfung der Piraterie-Industrie
Erschwert würde die Bekämpfung der Piraterieindustrie durch eine vielfältige Praxis lokaler Korruption, die besonders in ländlichen Regionen Richter zum Spielball von politischen Kadern und profitorientierten Unternehmern mache. Zudem würden aufgrund tausendjähriger Tradition Plagiate gesellschaftlich nicht als verwerflich, sondern als anerkennenswert betrachtet.
Weiterhin hätte die Piratenindustrie Vorteile für die chinesische Führung. Zum einen ermögliche sie ländlichen Regionen die Erhöhung ihres Lebensstandards. Zum anderen wolle sie die Zustimmung zum politischen System über die Ermöglichung von Massenkonsum der in China sehr begehrten Markenprodukte erhöhen.
Die Studie beschreibt eine große Bandbreite präventiver wirtschaftspolitischer, betriebswirtschaftlicher und technischer Maßnahmen gegen Produkt- und Markenpiraterie. Dazu gehört auch die Aufklärung.
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