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Getlub-Kongress Der Schmierstoff als Konstruktionselement

Bereits zum vierten Mal veranstaltete die Forschungsvereinigung Antriebstechnik (FVA) den Tribologie- und Schmierstoff-Kongress Getlub. Zentrales Thema war die optimierte Schmierung von Antriebssträngen. Wie es um den Schmierstoffmarkt steht und mit welchen Zukunftsthemen sich Hersteller befassen müssen, zeigte Dr. Lutz Lindemann, Mitglied des FVA-Vorstandes, bei seinem Eröffnungsvortrag.

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Die Eröffnungsredner des 4. Getlub-Kongresses des FVA e.V. waren (v.l.n.r.): Thorsten Murr (Shell Global Solutions Deutschland GmbH), Prof. Dr.-Ing. Bernd-Robert Höhn (TU München), Dr. Lutz Lindemann (Fuchs Petrolub AG), Dr. Franz Joachim (FVA) und Bernhard Hagemann (stellv. Geschäftsführer FVA).
Die Eröffnungsredner des 4. Getlub-Kongresses des FVA e.V. waren (v.l.n.r.): Thorsten Murr (Shell Global Solutions Deutschland GmbH), Prof. Dr.-Ing. Bernd-Robert Höhn (TU München), Dr. Lutz Lindemann (Fuchs Petrolub AG), Dr. Franz Joachim (FVA) und Bernhard Hagemann (stellv. Geschäftsführer FVA).
(Bild: FVA / Jügen Mai)

Der vierte Tribologie- und Schmierstoff-Kongress Getlub hat am 9. und 10. März in Würzburg stattgefunden. Fokussiert wurde der Schmierstoff als Konstruktionselement, da er bei der Entwicklung und beim reibungsarmen und schadensfreien Betrieb von Getrieben eine wesentliche Rolle spielt. Mit insgesamt acht Themenschwerpunkten erhielten die 120 Teilnehmern ein breites Spektrum an Vorträgen aus Industrie und Wissenschaft. Darunter waren Beiträge zur Schmierstoffüberwachung/Condition Monitoring, zu Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, zur Schmierstoffentwicklung, unter anderem bei Kunststoffanwendungen, zu speziellen Getriebeanwendungen, bis hin zu Schmierstoffprüfverfahren und -anforderungen, Analyseverfahren und Tribosystemen.

Dabei ging es um neue Materialien, Schadensmechanismen, Verschleißmechanismen, Sensorik und auch um die Berechnung und Simulation. Abgerundet wurde das Programm durch Vorträge über zukünftige Herausforderungen an Schmierstoffe.

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Steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit

Bei einer Marktübersicht zeigt Dr. Lutz Lindemann, Mitglied des Vorstandes der Fuchs Petrolub AG und Mitglied des FVA-Vorstandes, dass der Raum Asien/Pazifik den Schmierstoffmarkt klar dominiert. Chinas Verbrauch ist seit 2008 beispielsweise um 50 % auf knapp 7 Millionen Tonnen angestiegen. Somit bilde China momentan den größten Markt weltweit, betont Lindemann. Der europäische Markt hingegen schrumpft signifikant. Deutschland belegt bei den Top-20-Ländern Platz 7 (Verbrauch liegt bei ca. 1 Milion Tonnen Schmierstoff). Die Entwicklungen auf dem Schmierstoffmarkt hängen vor allem von neuen Randbedingungen ab. Lindemann nennt dabei zukünftige Herausforderungen, denen sich Schmierstoffhersteller stellen müssen:

  • steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit,
  • Umgang mit Rohstoffen und neue Materialien sowie
  • die Entwicklung neuer Technologien.

Ein Problem sei, dass es keine Standards für Nachhaltigkeit gibt. Es müsse ein Regelwerk für die chemische Industrie entworfen werden. Auf der Rohstoffseite müssten Grundöle der Gruppe III mehr fokussiert werden. Auch für Öle der Gruppe IV gebe es Bedarf aber das Angebot sei zu gering. Die Klassifizierung in Gruppe I bis V wurde vom amerikanischen API (American Petroleum Institute) vorgenommen und teilt die Grundöle in verschiedene Qualitäten ein: von Gruppe I für weniger anspruchsvolle Anwendungen bis Gruppe IV und V. Diese Grundöle werden chemisch konstruiert und sollen ein ausgezeichnetes Leistungsvermögen hinsichtlich zahlreicher Schmierungseigenschaften bieten. Bei den neuen Technologien wagt Lindemann einen Blick in Richtung Industrie 4.0. „Die Schmierstoffindustrie ist relativ blind auf diesem Gebiet“, sagt er. Dabei könnten Datenmanagement-Systeme genutzt werden, um Lösungen schneller zu finden. Auf diesem Gebiet verlasse man sich zu sehr auf erfahrungsbasierte Lösungen.

Neue Geschäftsmodelle in Zeiten der Industrie 4.0

Um mit den Themen neue Technologien, neue Materialien, erhöhte Anforderungen an Nachhaltigkeit von Produkten und neuen Geschäftsmodellen im Hinblick auf Industrie 4.0 umgehen zu können, forderte Lindemann schließlich die gesamte Branche dazu auf, mehr in die Grundlagenforschung zu investieren: „Der FVA bietet hierzu mit ihrem Forschungsnetzwerk hervorragende Möglichkeiten im Rahmen der industriellen Gemeinschaftsforschung.“

Die folgenden Sessions zu den Themen Getriebeanwendungen, Tribosysteme, Schmierstoffanforderungen, Schmierstoffüberwachung/Condition Monitoring, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sowie Schmierstoffentwicklungen, boten den Teilnehmern einen detaillierten technischen Einblick. Dabei stand der Wissens- und Erfahrungsaustausch der Branche im Fokus. Und das soll der Getlub-Kongress auch ermöglichen: den direkten Austausch zwischen Ingenieuren und Technikern aus Forschung und Entwicklung, Konstruktion, Betrieb und Service. (sh)

(ID:43926051)

Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Redakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht