Testeinrichtung

Der Jahrhundertsturm aus dem Nichts

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200 M80-Gewindebolzen fixieren Gehäusesegmente des Prüfstands

Damit der mächtige Prüfstand seine gewaltigen Kräfte kontrolliert auf die Prüflinge aufbringen kann, sind seine unteren Gehäusesegmente mit rund zweihundert M80-Gewindebolzen und einer Vorspannkraft von mehreren Meganewton auf ihren Sockeln fixiert worden. Die Sockel, in denen die Schrauben stecken, sind Bestandteil eines 3000 Tonnen schweren Fundaments, das vom Rest des offen und leicht anmutenden Gebäudes entkoppelt ist, um keine störenden Wechselwirkungen mit dem Gebäude selbst zu erzeugen.

Kleinere Prüfstand mit 130 Tonnen schwerem Prüfkopf

Der kleinere der beiden neuen SKF Prüfstände wirkt zwar weniger monumental, aber auch er hat es in sich: Sein Eigengewicht beträgt rund 300 Tonnen. In seinem 130-Tonnen-Prüfkopf stecken vier Axial- und zwei Radialzylinder, die mit Hilfe von Außen- und Innenringadaptern auf verschiedenste Großlager-Designs einwirken können. Seine Prüflinge können beispielsweise aus Anwendungsbereichen wie dem Schiff- und Bergbau, der Papierbranche oder auch der Zement- und Stahlindustrie stammen.

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Diese Anlage entwickelt Kräfte von gut einem halben Dutzend Meganewton. „Das ist etwa so viel wie ein einzelnes Triebwerk der Saturn V-Mondrakete“, so Göbel. Sie erreicht Rotationsgeschwindigkeiten von über 200 min-1.

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An diesem Prüfstand kann das zu testende Lager neben den extremen Lasten auch extremen Schmierbedingungen ausgesetzt werden. Dazu wurde das System auf Öltemperaturen ausgelegt, die etwa doppelt so hoch wie „normal übliche“ sind. Aus diesem Temperaturspektrum wiederum können enorme tribologische Strapazen für den Prüfling resultieren: Laut Faustregel halbiert sich die Viskosität des Schmieröls bei jeder Steigerung der Temperatur um 10 °C. „So können wir die tribologischen Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Schmierungsbedingungen und verschiedenen Lager-Designs bzw. -Materialien besser verstehen“, sagt Göbel.

Beide Prüfstände noch in der Testphase

Erkenntnisse darüber, wo genau unter welchen Bedingungen welche dynamischen Effekte im Lager auftreten, gewinnen die SKF-Experten mit einem ganzen Arsenal an Sensoren, über die die Vorrichtung zur Aufnahme des Prüflings verfügt. Sie erfassen nicht nur lokale Temperaturen und deren Trends, sondern beispielsweise auch Schwingungen und Kräfte sowie die Position kritischer Komponenten.

75067506Bevor die beiden Prüfstände ihre Arbeit aufnehmen können, braucht es noch einige Monate. „Wir befinden uns in der Testphase“, sagt Göbel. Derzeit arbeiten die SKF-Ingenieure beispielsweise an der Validierung der massiven Hardware und der Kalibrierung der sensiblen Messtechnik. „Sobald die Prüfstände ihren Betrieb aufgenommen haben. werden die Tests rund um die Uhr, sieben Tage die Woche laufen, je nach Applikation und Großlager“, so der Manager. (jv)

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