Kleben Den optimalen Wartungszeitpunkt finden

Redakteur: Juliana Pfeiffer

Auf seiner Hausmesse hat der Klebetechnikspezialist SCA ganzheitliche Servicekonzepte für die Automobilindustrie vorgestellt: von Erstversuchen für neue Materialien oder Klebetechnologien über die Inbetriebnahme von Applikationsanlagen bis hin zu verschleißorientierten Instandhaltungsstrategien.

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Mit einer durchdachten Parametrierung lässt sich der Verschleiß von Klebe- und Dosierkomponenten minimieren.
Mit einer durchdachten Parametrierung lässt sich der Verschleiß von Klebe- und Dosierkomponenten minimieren.
(Bild: SCA)

Aktuelle Servicekonzepte sowie künftige Chancen durch Industrie 4.0 präsentierte der Klebetechnikspezialist SCA rund 50 Besuchern aus der Automobilindustrie: „Wir haben umfassende Dienstleistungen für den gesamten Lebenszyklus einer Dosieranlage im Programm“, betonte Service-Manager Rudolf Rübenacker. „Das beginnt bei den Erstversuchen in unserem Innovation-Center, wo wir mit unseren Kunden zusammen neue Applikationen testen. Dabei kann es sich um neue Kleb- oder Dichtstoffe genauso handeln wie um eine neue Düse oder einfach ein komplexeres Bauteil.“ Ist die optimale Kombination gefunden, legt SCA die Anlage individuell auf die jeweilige Anwendung aus, nimmt sie in Betrieb, schult die Mitarbeiter und programmiert das System für die unterschiedlichsten Rahmenbedingungen.

Regelmäßige Wartung statt Crash-Strategie

Doch das sollte erst der Anfang eines ganzheitlichen Servicekonzepts sein, finden nicht nur die Experten von SCA: „Viele Anwender belassen es dann dabei: Sie fahren die Anlage bis zu einem größeren Störfall, den sie allein nicht mehr beheben können, statt sie regelmäßig warten zu lassen“, sagt André Mewes, Geschäftsführer des Systemhauses Mewes Robotics, der mit SCA in vielen Projekten zusammengearbeitet hat und die Hausmesse „Service Solutions“ besuchte. „Oft übersehen die Kunden, dass zum Beispiel die Mechanik über Gebühr leidet, wenn man das System elektronisch ausreizt“, erklärt Mewes. Soll heißen: Viele kleine Störungen werden in der Praxis der Einfachheit halber durch Veränderungen der Systemparameter „behoben“, weil es schnell und einfach scheint. „Doch irgendwann ist es dann zu spät, und der Ärger ist auf allen Seiten programmiert“, ist Mewes‘ Erfahrung.

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Die Vorlage nimmt SCA-Service-Sales-Manager Jan Friedmann gern auf: „Wir sind sehr bestrebt, unsere Kunden von den Vorteilen einer vorbeugenden Wartung zu überzeugen.“ Bei dieser gehe das Unternehmen in vier Schritten vor:

  • 1. Regelmäßige Inspektion der Anlage anhand einer Checkliste
  • 2. Analyse des Gesamtsystems, um die sinnvollsten Wartungszeiträume festzulegen
  • 3. Entwicklung einer Wartungsmatrix
  • 4. Wartung mit definierten Wartungs-Kits

„Mit dieser strukturierten Vorgehensweise erfinden wir das Rad natürlich nicht neu“, gibt Friedmann zu. „Aber so können wir die Lebenszykluskosten so gering wie möglich halten.“

Verschleiß minimieren

In die gleiche Richtung, nämlich Kostensenkung, geht ein weiterer Ansatz von SCA: die verschleißminimierende Parametrierung. „Das ist aus unserer Sicht ein wichtiges Thema, weil sich in der Automobilindustrie die Anforderungen an die Applikation häufig ändern“, meint Rübenacker. In der Praxis werde bei der „neuen“ Parametrierung jedoch die Abnutzung des Systems nicht ausreichend berücksichtigt. Dabei könnten zum Beispiel durch die Wahl einer anderen Düsengeometrie oder durch Anpassen des Vordruckes vielfach enorme Druckreduzierungen erreicht werden, die den Verschleiß der Komponenten reduzieren.

„Es macht schon einen Unterschied, ob der Rollengewindetrieb 800 000 oder 1,5 Millionen Zyklen durchhält“, betont Rübenacker. „Wenn man durch die Optimierung einen Crash verhindert, der zwei oder drei Stunden Anlagenstillstand bedeutet, dann ist dieser Vorteil mehr als nennenswert!“ Im Innovation-Center konnten sich die Besucher davon überzeugen, dass eine beispielhaft applizierte Klebstoffraupe trotz veränderter Parameter exakt reproduzierbar ist. „Die Qualität bleibt also erhalten, aber die Kosten sinken“, resümierte der SCA-Manager.

Ausfälle und Stillstand vermeiden

Das sei nur ein Beispiel von vielen, wie man mit kleinen Maßnahmen viel erreichen könne, um Ausfälle und Stillstand zu vermeiden. „Wir nehmen die Programmierung von vornherein so vor, dass der Verschleiß minimal bleibt“, versicherte Rudolf Rübenacker. Seiner Erkenntnis nach würden derzeit jedoch 80 % der Anlagen im Karosseriebau, in Lackierereien, im Powertrain oder der Endmontage nicht mit den optimalen Parametern betrieben. Rübenacker sieht hier ein hohes Einsparpotenzial für die Automobilindustrie: „Wir bieten entsprechende Trainings an, in denen wir deutlich machen, wie Programmierung und Verschleiß zusammenhängen.“

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