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Fahrständersystem schlägt Bettfräse CNC-Fertigung von Aufliegern für Schwertransporte

Redakteur: M.A. Bernhard Richter

Für die Bearbeitung von Schweißbaugruppen suchte ein Hersteller von Spezialtransport-Aufliegern für den Schwerlast-Güterverkehr nach einem Ersatz für seine alte Bettfräse. Ein Fahrständersystem könnte die Lösung sein.

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Transport eines zur Gasreinigung eingesetzten Wirblers mit 105 t Gewicht auf einem CombiMAX von Faymonville
Transport eines zur Gasreinigung eingesetzten Wirblers mit 105 t Gewicht auf einem CombiMAX von Faymonville
(Bild: famyonville / Benoit Mahaux)

„Wir sind Hersteller von Aufliegern für Schwer- und Spezialtransporte“, sagt Andy Schauss stolz. Er ist Leiter der CNC-Fertigung im Stammwerk der Faymonville AG in Büllingen (Belgien). Das in sechster Generation von der Gründerfamilie geführte Unternehmen hat sich auf diesen Nischenbereich spezialisiert und gehört, nach eigener Aussage, zur Spitzengruppe mit weltweitem Vertrieb. Im Segment selbstfahrender Systeme werden dabei sogar Lasten bis zu 15.000 t bewegt.

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Faymonville bietet aus einem modularen Baukastensystem heraus kundenspezifische Lösungen an, da die jeweiligen Bedürfnisse sehr variieren können. Zu letzteren gehört aufgrund der weltweiten Präsenz des Unternehmens auch die Berücksichtigung der auf den jeweiligen Märkten geltenden Vorschriften. Diese Vielfalt – jährlich entstehen mehrere 1000 Auflieger – stellt an die Fertigung hohe Anforderungen. Auch deshalb, weil es sich um Schweißkonstruktionen aus zahlreichen kleineren und größeren Teilen handelt, die bearbeitet werden müssen.

Hohe Flexibilität beim Aufliegerbau

„Viele unserer Aufträge sind zeitkritisch, weshalb wir uns bei der Versorgung mit Dreh- und Frästeilen keine Abhängigkeiten leisten können“, ergänzt Schauss. Für Kunden seien Neuheiten selbstverständlich und sie erwarteten darüber hinaus günstige Preise, kurze Lieferzeiten, Pünktlichkeit bei der Auslieferung sowie beste Qualität. Deshalb fertige man nahezu alle Stahlbaukomponenten im eigenen Haus. Der Wettbewerb bedinge einen hohen Zeitdruck. Von seiner Abteilung, in der aktuell acht Fräsbearbeitungszentren sowie neun Drehzentren im Einsatz stehen, werde daher starke Flexibilität gefordert. Dies betreffe die Abmessungen der Werkstücke als auch den Mix aus Bauteilen, weshalb man aus Kostengründen kaum Halbfertigteile am Lager halten könne. Trotz Modularisierung sowie der Verwendung von Gleichteilen könne man nur selten Serien von mehr als vielleicht einem Dutzend bis maximal 100 – 200 Stück fertigen. Schnelle Umrüstbarkeit und Eignung zur Herstellung von Großteilen ebenso wie Kleinteilen stünden daher im Vordergrund. Hinzu komme als weitere Herausforderung die teils schwierige Zerspanbarkeit der zu bearbeitenden Werkstoffe, bei denen es sich vielfach um zähe Feinkornbaustähle mit Festigkeiten bis zu 1100 N/mm² handelt. Als eine der Bettfräsmaschinen Mitte 2016 das Ende ihrer Lebensdauer erreichte, wurde geeigneter Ersatz gesucht.

Von der Bettfräse zum Fahrständermodell

„Da wir große Bettfräsmaschinen mit aufgesetztem oder integriertem Drehtisch im Programm haben, fragte Faymonville zunächst eine solche Maschine bei uns an“, erinnert sich Michael Schäfer, Vertriebsleiter bei MTE Deutschland GmbH in Montabaur. Nach Analyse der betrieblichen Gegebenheiten sowie der Anforderungen an das Bearbeitungszentrum wurde dem Kunden vorgeschlagen, statt einer Bettfräsmaschine eine Fahrständerfräse der FBF-S-Baureihe anzuschaffen. Da es sich beim größeren Teil der Werkstücke um kleine Teile handelte, die oft auch in kleineren Serien anfielen, bot diese Anlage die Möglichkeit einer Rechts-Links Pendelbearbeitung. Hierdurch lässt sich auf einer Seite in der Nebenzeit rüsten, während auf der anderen Seite in der Hauptzeit Jobs abgearbeitet werden. Alternativ erhält man nach dem Herausnehmen der Trennwand einen Arbeitsraum von 5 m x 2 m x 1,3 m, in den große Teile passen. Darüber hinaus bietet die FBF-S dank ihres modularen Konzepts eine Reihe Optionen, die den Bedürfnissen von Faymonville entgegenkommen. Dazu gehört ein aufgesetzter Drehtisch mit Nullpunktspannsystem, so dass Werkstücke extern auf Paletten vorgerüstet werden können. Der Austausch erfolgt mit dem Kran innerhalb von Minuten.

Pluspunkte bei Beratung und Service

„Die Beratung und das durchdachte Konzept gaben den Ausschlag, MTE in die engere Wahl zu nehmen“, verrät A. Schauss. Ein weiterer entscheidender Punkt waren dann Fragen des angebotenen Serviceumfangs bzw. der Maschinenverfügbarkeit im Falle eines Ausfalles. Anbieter, die keinen Service in der Nähe bieten konnten, wurden aussortiert. MTE überzeugte auch hier durch seine gut ausgestattete eigene Werkstatt in Montabaur, also in vergleichsweise geringer Entfernung. An diesem Servicestützpunkt werden nicht nur Ersatzteile vorgehalten, hier befindet sich auch eine Instandhaltungswerkstatt, in der u.a. Fräsköpfe überholt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, innerhalb von 24 Stunden leihweise einen Austausch-Fräskopf zu erhalten, so dass die Fertigung weiterlaufen kann. Einen wirtschaftlichen Vorteil bietet auch das Werkzeugwechselkonzept mit einem Doppelgreifer. Dieser hält das neue Werkzeug schon bereit, so dass der Austausch schnell erfolgen kann, und das bei vertikaler als auch bei horizontaler Spindelposition. Da das Werkzeugmagazin mit 60 Plätzen mit dem Fahrständer mitfährt, ergeben sich kurze Span-zu-Span-Zeiten. Nach Prüfung aller Aspekte wurde noch ein Anwender besucht, der seit längerer Zeit zwei MTE-Fräszentren betreibt, um sich über die dortigen Erfahrungen zu informieren. Dies gab letztlich den Ausschlag für die Entscheidung zugunsten von MTE.

Maschinenkonzept mit Besonderheiten

„Auf der Grundlage der vom Kunden vorgegebenen Anforderungen haben wir dann gemeinsam ein passendes Maschinenkonzept mit einigen Besonderheiten zusammengestellt“, bilanziert M. Schäfer. Das Bearbeitungszentrum hat einen 32-KW-Fräskopf mit SK 50-Schnittstelle und einem dreistufigen, ölgekühlten Getriebe, so dass wahlweise Drehmomente bis zu 1940 Nm oder Drehzahlen bis 4000 min-1 erreicht werden. Die Maschine verfügt über eine Volleinhausung mit Doppeltüren vorne sowie zusätzlich einer mitfahrenden Bedienerkabine hinten, so dass der Werker jederzeit vollen Einblick in den Prozess hat. Dies erleichtert das Einfahren neuer Jobs, vor allem bei der horizontalen Bearbeitung großer Werkstücke. Auf der Vorderseite befindet sich ein verschiebbares Bedienpult, so dass der Werker auf einer Seite der Trennwand einrüsten kann, während der Job auf der anderen Seite weiterläuft. Das abgesenkte Fundament verleiht der Anlage eine hervorragende Stabilität und vor allem auch Vibrationsbeständigkeit, was bei der Bearbeitung von großflächigen und zugleich filigranen Schweißkonstruktionen von Vorteil ist. Die Absenkung ermöglicht zudem die Unterbringung von Späneförderer und KSS-Pumpe unter Flur, so dass der Werker direkten Zugang zum Maschinentisch hat, ohne ständig Treppen steigen zu müssen. Zudem erleichtert dies sowohl das Spänemanagement als auch die KSS-Pflege. Für letzteres verfügt die Anlage über eine Komplettanlage mit Vor- und Feinfilterung, Ölskimmer sowie automatischer Belüftung bei Stillstand, um bakterieller Zersetzung vorzubeugen.

Erwartungen erfüllt

„Die neue MTE wurde vor einem Jahr in Betrieb genommen und konnte schon kurze Zeit später in Produktion gehen“, erinnert sich Schauss. Auch dank der im Werk bekannten Heidenhain-Steuerung waren die betreffenden Mitarbeiter nach einer Woche für den Produktionseinsatz geschult. Auch die Unterstützung durch den Service habe sich als gut erwiesen, viele Fragen konnten durch telefonische Beratung geklärt werden. Auch bei den Ausfällen habe es sich um Kleinigkeiten bzw. „Kinderkrankheiten“ wie z.B. Sensorausfälle oder die Nachjustierung von Parametern gehandelt. In solchen Fällen war der benötigte Servicetechniker schnell vor Ort. Auch von der Leistung her konnte die MTE-Fräse überzeugen: Die Zeitvorteile bei der Bearbeitung lagen je nach Teilekategorie bis 40 %, und damit sei das Potenzial der Maschine noch nicht ausgereizt. „Wir sind mit der von MTE gelieferten Anlage zufrieden und würden uns wieder für diesen Anbieter entscheiden“, fasst Andy Schauss seine Erfahrungen überzeugt zusammen.

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