Suchen

PLM Cava Vision erobert Luftfahrt

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Technia Transcat hat gemeinsam mit deutschen Automobilherstellern die Software-Lösung Cava Vision entwickelt. Diese vereinfacht den Design-Prozess indem sie internationale Vorgaben und Standards bereitstellt. Mittlerweile hat sich Cava Vision in der Automobilindustrie als Standard etabliert. Jetzt sollen die Lüfte erobert werden: die britische Marshall Aerospace and Defense Group ist das erste Unternehmen, welches die Software zur Modifizierung von Flugzeugen einsetzt.

Firmen zum Thema

Die Marshall Aerospace and Defense Group verwendet CAVA Vision zur Modifizierung von Flugzeugen – und ebnet der Software damit den Weg in eine neue Branche.
Die Marshall Aerospace and Defense Group verwendet CAVA Vision zur Modifizierung von Flugzeugen – und ebnet der Software damit den Weg in eine neue Branche.
(Bild: Marshall Aerospace and Defense Group)

In einem aktuellen Projekt von Marshall geht es darum, eine perfekt zugeschnittene Luftfahrlösung für einen Kunden zu entwickeln. Um diese Lösung testen und zertifizieren zu können, werden mehrere Antennen und Sensoren zu Kommunikationszwecken und zum Erkennen von möglichen Gefahrenpotentialen an die Außenseite des Flugzeugs montiert.

Um sicherzugehen, dass keinerlei Behinderungen im Sicht- und Messbereich der Sensoren vorhanden sind, wurden multiple Modelle erstellt. Die Erstellung solcher ‚Obscuration Plots’ ist eine sehr zeitintensive und fehleranfällige Aufgabe. Bei einem durchschnittlichen Flugzeug müssten mindestens 1000 individuelle Reflektionslinien zur Darstellung der Silhouette angebracht werden. Dabei würden der Aufbau, die Ausrichtung und Veränderung der Sensoren von Hand vorgenommen werden. Ein solcher Prozess wäre darum sehr anfällig für menschliche Fehler. Die kleinste Abweichung oder Ungenauigkeit würde die Ergebnisse verfälschen. Denn verändert man die Position oder fügt einen weiteren Sensor hinzu, bedeutet dies, dass der gesamte Testablauf wiederholt werden muss.

Bildergalerie

Gesetzeskonformität der Fahrzeugarchitektur während der Konstruktionsphase

So machte sich Marshall auf die Suche nach einer Lösung, die schnelleres und vor allem noch akkurateres Arbeiten ermöglicht. Schließlich stieß man auf Technia Transcat und das Produkt Cava, welches in Großbritannien vom Vertriebspartner Intrinsys vertrieben wird.

Cava, das für Catia Automotive Extensions Vehicle Architecture steht, wurde von Technia Transcat in Zusammenarbeit mit führenden deutschen Automobilherstellern entwickelt um die Gesetzeskonformität der Fahrzeugarchitektur schon während der Konstruktionsphase sicher zu stellen.

Das Gesamtpaket Cava All beinhaltet neben fünf weiteren Anwendungen auch Cava Vision. Diese Anwendung war Marshall bei seiner Recherche besonders ins Auge gefallen. Ursprünglich wurde sie dafür entwickelt, prozessbegleitend schon ab der Entwurfsphase zu gewährleisten, dass alle relevanten internationalen Vorschriften und Standards hinsichtlich des direkten und indirekten Blickfelds des Fahrers eingehalten werden. Zwar war Cava Vision eindeutig auf den Automobilsektor zugeschnitten, doch Wayne Parker, CAE Group Manager bei Marshall, identifizierte deutliche Parallelen zu jener Software-Lösung, die Marshall sich vorstellte. So ist zum Beispiel das Blickfeld des Fahrers bei der Automobil-Version von Cava vergleichbar mit dem Feld, dass man bei Marshall mit einem Sensor erfassen wollte. Daraufhin setzte sich Parker mit Technia Transcat über Intrinsys in Verbindung um herauszufinden, ob sich die Anwendung nicht für Marshalls Zwecke adaptieren ließe.

Prozesse für besondere Anforderungen modifiziert

Technia Transcat, ein international agierendes Unternehmen mit Sitz im Baden-Württembergischen Karlsruhe, gilt als Spezialist für PLM-Lösungen, der ein effizientes Produktmanagement ermöglicht. Das eigens entwickelte Produkt Cava hat sich jetzt schon seit vielen Jahren als Standard im Automobilbereich etabliert. Als man von Intrinsys über der Anfrage Marshalls informiert wurde, war man begeistert – und begierig darauf, die Herausforderung anzunehmen. In einer der ersten Unterhaltungen der drei zukünftigen Projektpartner, gab Wolfgang Klemm, Projektmanager bei TechniaTranscat zu bedenken, dass es nicht einfach werden würde, Cava Vision an die Anforderungen von Marshall anzupassen. Allerdings war man überzeugt, dass es absolut möglich ist. Und so begann Technia Transcat mit der Arbeit. Nach einigen Analysen gelang es den Software-Spezialisten, die Prozesse von Cava Vision nahezu optimal für die besonderen Anforderungen im Bereich der Flugzeugmodifikation zu modifizieren.

Mehrere Personen arbeiten gleichzeitig am selben Obscuration Plot

Nach ausführlichen Tests und enger Zusammenarbeit wurde Cava Vision schließlich im März 2015 bei Marshall implementiert und wird seitdem erfolgreich eingesetzt. „Bei einem unserer letzten Projekte haben wir dank Cava Vision allein im ersten Jahr, im Vergleich zu herkömmlichen Methoden, annährend tausend Design-Stunden einsparen können“, erklärt Wayne Parker. „Das ist unglaublich viel Zeit, die wir darauf verwenden konnten, unseren Kunden noch besser, effizienter und schneller zu betreuen. Anpassungen im Entwurf, die ursprünglich bedeuteten, dass der gesamte Testablauf neu gestartet werden musste, können nun innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten vorgenommen werden. Und das ist nicht der einzige Vorteil: dank der Software können mehrere Personen gleichzeitig am selben Obscuration Plot arbeiten und die Genauigkeit ist dabei deutlich höher als vorher. Seit wir Cava nutzen, gibt es keine Abweichungen mehr bei den Ergebnissen und der Faktor Mensch als Fehlerquelle ist nahezu unbedeutend.“

Cava erleichtert Arbeitsalltag enorm

„Eine Schwierigkeit, die allen Ingenieur-Unternehmen gemein ist, sind die knappen Zeitfenster und Deadlines, mit denen wir arbeiten müssen“, gibt Parker zu. „Cava Vision erlaubt es uns aufgrund der enormen Effizienz, auch sehr knappen zeitlichen Vorgaben mühelos gerecht zu werden. Zeit- und kostenoptimiert zu arbeiten macht Marshall noch wettbewerbsfähiger. Dank der Bemühungen meines Teams, sowie von Technia Transcat und Intrinsys haben wir jetzt eine Software, die genau das macht, was wir von ihr wollen – und somit unseren Arbeitsalltag enorm erleichtert. Cava ist eine große Unterstützung“, fasst Parker zusammen.

Bei Technia Transcat freut man sich natürlich über eine so positive Resonanz. „Cava war bei der Einführung auf dem Automobilmarkt ein Erfolg. Dass wir diese Software nun erfolgreich an die Ansprüche eines Luftfahrtunternehmens anpassen konnten zeigt, wie vielfältig einsetzbar eine solche Lösung ist. Und natürlich auch, dass unsere jahrelange Erfahrung und unser Fachwissen es uns erlauben, sie individuell einzusetzen“, bilanziert Klemm.

Marshall war das erste Luftfahrtunternehmen, das den Vorstoß gemacht und Cava Vision eingeführt hat. Nun ist es ein Leichtes für andere Unternehmen, es ihnen gleich zu tun. Dieses Projekt hat somit einen ganz neuen Sektor für die Softwarelösung eröffnet. „Nachdem wir die Straßen erobert haben, machen wir uns jetzt an die Eroberung die Lüfte“, scherzt Klemm. Und wer weiß – vielleicht folgen bald auch die Meere. (jup)

(ID:44991476)