Planetengetriebe Badische Planetengetriebe für den Weltmarkt

Redakteur: Stefanie Michel

Neugart fertigt im badischen Kippenheim hochpräzise Getriebe für den weltweiten Einsatz. Im Gespräch berichten die Geschäftsführer Thomas Herr und Bernd Neugart, was den Getriebe-Hersteller gerade deshalb auszeichnet.

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Immer vorn dabei: Bernd Neugart und Thomas Herr (v.l.) gehören mit ihrem Unternehmen Neugart zu den Innovationsführern im Bereich der spielarmen Planetengetriebe. (Bild: Ralph Weber / Neugart)
Immer vorn dabei: Bernd Neugart und Thomas Herr (v.l.) gehören mit ihrem Unternehmen Neugart zu den Innovationsführern im Bereich der spielarmen Planetengetriebe. (Bild: Ralph Weber / Neugart)

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Industrie und oft regional verwurzelt; eigentlich unscheinbar. Eines dieser Unternehmen, der Getriebehersteller Neugart aus dem badischen Kippenheim, zeigt, wie man sich trotzdem – oder gerade deshalb? – zu einem der Innovationsführer entwickeln kann.

Aus einem Unternehmen hervorgegangen, das Zahnräder für die schwarzwälder Uhrenindustrie produzierte, ließ sich Neugart 1943 in Kippenheim nieder. Der Verzahnung blieb man immer treu, allerdings wurden zunächst Büffetuhren, Trockenrasier und Ölstandsanzeiger für Öltanks hergestellt. Erst in den 1970er Jahren spielten die Getriebe eine immer größere Rolle: mit zunehmender Automatisierung wurden mehr und mehr komplett montierte Getriebe nachgefragt - möglichst schnell lieferbar.

Verzahnte Teile werden alle in Kippenheim produziert

Mit Thomas Herr und Bernd Neugart lenkt nun die dritte Generation die Geschicke des Unternehmens. Die beiden Geschäftsführer richteten Neugart neu aus: zum einen wurde eine durchgängige Produktpalette entwickelt, zum anderen stellte sich das Unternehmen zunehmend internationaler auf. Doch trotz Niederlassungen in Europa, USA, China und weiteren asiatischen Ländern, kommen alle verzahnten Teile immer aus Kippenheim. Für Bernd Neugart gibt es dafür verschiedene Gründe: Einerseits sollen die Qualität weltweit gleich und die Montageprozesse adaptierbar sein. Andererseits spielt der Knowhow-Schutz eine große Rolle; Plagiate sind bereits auf dem Markt.

Die hohe Fertigungstiefe kommt dem Unternehmen deshalb zugute. Bis auf Wälzlager, Dichtungen, Schrauben und Schmierstoffe, so Bernd Neugart, könne man alle Teile im Getriebe selbst herstellen. Und das ist in Kippenheim bestens möglich, da hier gut ausgebildete Fachkräfte verfügbar seien.

Für Handlingaufgaben viele Economy-Getriebe im Einsatz

Doch wie ist der Erfolg erklärbar? "Wir haben sehr früh mit Präzisionsgetrieben angefangen und waren einer der ersten, die die Bedeutung der Economy-Getriebe in der Automatisierung einfacher Handlingaufgaben erkannt haben," berichtet Thomas Herr. Heute kommen bei Handhabungsgeräten mehrheitlich die Economy Getriebebaureihen zum Einsatz. Präzisions- bzw. spielarme Getriebe werden aus Kostengründen nur noch dort eingesetzt, wo tatsächlich höchste Präzision gefordert ist.

Präzise Planetengetriebe oder Economy-Baureihen – beide Varianten umfasst das breite Programm an Standardgetrieben bei Neugart. Hier kann sich der Kunde in über 80 Prozent der Fälle das richtige Getriebe auswählen, denn selbst im Standard sind bereits viele Abstufungen möglich. Das ist auch die Stärke des Unternehmens, wie Bernd Neugart erklärt: "Die Stärke der Firma – so wie sie jetzt ausgerichtet ist – liegt in der Bekanntheit unseres Standardgetriebe-Programms, weil wir dies auch in den letzten zehn Jahren stark forciert haben."

Teil 2: Wenn Standardgetriebe nicht passt, dann kundenspezifisch

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