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Chemisches Recycling von Kunststoff Aus Kunststoffabfall wird in Minuten wieder Erdöl

| Redakteur: Peter Königsreuther

Der geschlossene Kreislauf: Igus investiert nach eigenen Angaben in das chemische Recyceln von Kunststoffen. Ein Pionier auf diesem Gebiet wird dabei unterstützt, um dem Plastikmüllproblem in Zukunft Herr zu werden.

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Das Kreislaufprinzip des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen, in das Igus jetzt fast 5 Mio. Euro investiert. In Großbritannien sollen die ersten effizienten Anlagen für diesen Prozess noch in dem Jahr entstehen. Polymerabfälle aus Mischbeständen würden angeliefert, aus ihnen wird wieder Öl gemacht und das Öl kann zu einem ählichen Preis wie fossiles Erdöl wieder verkauft werden, um einen neuen Lebenszyklus zu beginnen. Wenn DAS keine Kreislaufwirtschaft im besten Sinne ist...
Das Kreislaufprinzip des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen, in das Igus jetzt fast 5 Mio. Euro investiert. In Großbritannien sollen die ersten effizienten Anlagen für diesen Prozess noch in dem Jahr entstehen. Polymerabfälle aus Mischbeständen würden angeliefert, aus ihnen wird wieder Öl gemacht und das Öl kann zu einem ählichen Preis wie fossiles Erdöl wieder verkauft werden, um einen neuen Lebenszyklus zu beginnen. Wenn DAS keine Kreislaufwirtschaft im besten Sinne ist...
(Bild: Igus )

Erneuerbar, nachhaltig und Müll reduzierend soll das Ziel sein. Das steckt auch hinter der Wortkombination Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie (kurz: Cat-HTR). Mit diesem Prozess, betont Igus, lassen sich Kunststoffabfälle innerhalb von 20 min recyceln. Das so gewonnene Erdöl läßt sich dann wieder für die Herstellung von neuen Polymerprodukten nutzen, heißt es weiter. Um die Circular Economy von Kunststoffen zu unterstützen, hat Igus jetzt 4,7 Mio. Euro in ein Unternehmen investiert, welches die erste kommerzielle Cat-HTR-Anlage in Betrieb nehmen will.

Milliardenwerte landen einfach nur im Meer

Jedes Jahr werden rund acht Mio. Tonnen Plastik in die Weltmeere verklappt, gibt Igus zu bedenken. Zeitgleich liege der Wert dieser verloren Ressourcen bei 80 Mrd. US-Dollar. Das Problem sei jedoch bisher, dass ein Großteil der Polymerwertstoffe einfach verbrannt werde und nur 14 % recycelt würden. Breit angelegtes, effizientes Kunststoffrecycling ist deshalb auch bei Igus ein wichtiges Thema, heißt es. Beim klassischen Recycling von Kunststoff – also Sortieren, Schreddern, Neugranulieren und wieder zu Produkten verarbeiten – ging Igus mit dem neuen chainge-Programm seit Oktober letzten Jahres schon einen mutigen Schritt in die richtige Richtung: Das Unternehmen nimmt „e-chains“, also Energieketten herstellerunabhängig nach dem einsatztechnischen Ende einer Maschine zurück, heißt es dazu, regranuliert den Kunststoff und verarbeitet ihn wieder zu neuen Produkten. „Mit dem Igus-chainge-Programm haben wir mit dem Kunststoffrecycling erfolgreich angefangen. Das ist für Hochleistungs-Kunststoffe der beste Weg“, ist sich Frank Blase, Geschäftsführer der Igus GmbH, sicher.

Gemeinsam wollen Steve Mahon, Geschäftsführer von Mura Technology (links), Oliver Borek, Geschäftsführer Mura Europa GmbH (rechts), und Frank Blase, Geschäftsführer der Igus GmbH (Mitte), Kunststoffe so recyceln, dass ihnen ein neuer Lebenszyklus gegeben werden kann. Besonders pfiffig ist dabei das chemische Recyclen, das mit relativ geringem Ressourceneinsatz aus Kunststoffen in Minuten wieder Erdöl macht.
Gemeinsam wollen Steve Mahon, Geschäftsführer von Mura Technology (links), Oliver Borek, Geschäftsführer Mura Europa GmbH (rechts), und Frank Blase, Geschäftsführer der Igus GmbH (Mitte), Kunststoffe so recyceln, dass ihnen ein neuer Lebenszyklus gegeben werden kann. Besonders pfiffig ist dabei das chemische Recyclen, das mit relativ geringem Ressourceneinsatz aus Kunststoffen in Minuten wieder Erdöl macht.
(Bild: Igus )

Mit Wasser, Druck und Energie

Weltweit bleiben aber immer Mischabfälle übrig, sagt der Geschäftsführer. Und bei nicht-technischen Kunststoffen schlage das mit 100 bis 1000 mal größeren Mengen zu Buche. „In diesem Fall bietet das ‚chemische Recycling‘ neue Lösungen“, erklärt Blase. Mitte des letzten Jahres ist er in einem Artikel der FAZ auf die Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie aufmerksam geworden, heißt es, und hat daraufhin mit dem deutschen Erfinder Prof. Thomas Maschmeyer in Sydney Kontakt aufgenommen. Sieben Monate später, nach intensiven Recherchen, investiert Igus jetzt vier Mio. Britische Pfund (4,7 Mio. Euro) in das Unternehmen Mura Technology Ltd. und damit auch in den Bau der ersten Cat-HTR-Anlage, lässt Blase wissen.

Die patentierte Catalytic Hydrothermal Reactor wurde 2007 entwickelt und über 10 Jahre in einer Pilotanlage in Australien getestet. Mit Cat-HTR lassen sich klassisch nicht-recycelbare Kunststoffabfälle innerhalb von 20 min wieder in Erdöl umwandeln und das ressourcenschonender als im Vergleich zur Gewinnung fossiler Erdöle, betont der Igus-Entscheider. Nur Wasser, hohe Temperaturen und Druck würden für das Trennen und Neuverbinden der Moleküle genügen. Eine Anlage allein könne in einem Jahr 20.000 t Kunststoff verarbeiten und damit 28.180 t CO2 einsparen. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch von 5983 Autos oder dem jährlichen Energiebedarf von 4914 Haushalten, heißt es weiter.

Und so funktioniert das Ganze: Video

Pflanzlicher Rohstoff aus der Urzeit wird „unsterblich“

Die erste kommerzielle Cat-HTR-Anlage ist momentan in Wilton, Großbritannien, in Planung. Der Bau startet in diesem Jahr. Abfallunternehmen liefern dann den zu recycelnden Rohstoff, um ihre Recyclingziele zu erreichen. Das gewonnene Öl kann der Kunde zu einem ähnlichen Preis beziehen, wie fossiles Erdöl, erklärt Igus zum Geschäftsmodell. Insgesamt vier Catalytic Hydrothermal Reaktoren sollen in Wilton entstehen, um jährlich über 80.000 t Kunststoffabfall verarbeiten zu können. Im nächsten Schritt plane Mura weltweit Lizenzen zu vergeben und entsprechende Anlagen zu bauen. „Wir engagieren uns dafür, die Welt der Kunststoffe mit technischen Lösungen in die Balance zu bringen“, so Blase zu diesem Mut machenden Schritt von Igus.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Maschinenmarkt.de.

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