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Autonome Baumaschinen Als die Dampfwalze zum Roboter wurde

| Redakteur: M.A. Bernhard Richter

Fahrerlose Bagger, digital gesteuerte Kräne und Kipper mit flüsterleisem Motor: So kann die Zukunft auf der vernetzten Baustelle von morgen aussehen.

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Die Schwergewichte der Branche werden zum Vorreiter eines Technologiewandels, der in der Automobilbranche bereits Einzug gehalten hat.
Die Schwergewichte der Branche werden zum Vorreiter eines Technologiewandels, der in der Automobilbranche bereits Einzug gehalten hat.
(Bild: ©anko_ter - stock.adobe.com)

Saubere, leisere und effizientere Maschinen – das sehen viele Baumaschinenhersteller als die Zukunft. Und am liebsten elektrifiziert. Tatsächlich rüsten immer mehr Unternehmen gerade bei kleineren Baumaschinen im unteren Leistungsbereich mit elektrischen Antrieben auf. Auch hybride Fahrzeuge werden zunehmend interessant in der Anschaffung. So sind Systeme gefragt, die leichte Tätigkeiten unterstützen und bei geforderter Höchstleistung wiederum den Verbrennungsmotor einschalten.

In Stampfern, Mini-Baggern und Radladern steckt oft bereits ein elektrischer oder elektrisch-hydraulischer Antrieb. Unbeliebter Baulärm lässt sich so effektiv vermeiden. Ein Elektrolader, zum Beispiel, kann – dank fortschrittlicher Akkutechnologie – bereits fünf bis sechs Stunden unter Volllast arbeiten. Ein verstärkter Einsatz von Elektroantrieben kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Autonom agierende Baumaschinen

Lösungen zu autonomem Fahren bei Baumaschinen gibt es in bestimmten Bereichen des Bergbaus und in anderen abgeschlossenen Bereichen. Insbesondere in Steinbrüchen bietet sich der Einsatz an, da von der Abbauregion bis zur Weiterverarbeitung immer dieselben Wege gefahren werden. Zukünftig soll es auch Bagger geben, die unter anderem autonom Baugruben ausheben können. Obwohl es bereits viele vielversprechende Ansätze gibt, sind autonom fahrende Maschinen unter den Sicherheitsaspekten komplexer Baustellen derzeit noch nicht vollständig zu realisieren. Aus diesem Grund sind aktuelle Entwicklungen von führenden Herstellern auf der ganzen Welt das große Trendthema auf der Bauma 2019.

Bis es auf typischen Baustellen im bewohnten Gebieten, beispielsweise im Straßenbau, vollautomatische, fahrerlose Fahrzeuge gibt, dürften allerdings noch ein paar Jahre vergehen, sagt Jörg Unger, Geschäftsführer des Baumaschinenanbieters Bomag-Fayat. Einig sind sich die Experten allerdings, dass es bei Maschinen einen Trend zu mehr Energieeinsparung, Digitalisierung, Vernetzung, Automation und Leichtbau gibt und weiterhin geben wird. Die autonom arbeitende Baumaschine im Alltagseinsatz auf einer Baustelle mit Arbeitern ist dann der letzte Schritt in einer Entwicklung, die längst eingesetzt hat.

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Schon heute gibt es praktisch keine „dumme“ größere Baumaschine mehr. Die meisten Fahrzeuge können ihre Position durch GPS bestimmen, sind untereinander vernetzt oder melden, wenn Reparaturen fällig sind. Drohnen fliegen bereits heute über ausgewählte Baustellen und ermitteln den besten Standort für einen Kran oder den Bauablauf.

Weniger Emissionen – saubere Luft

Ein nach wie vor weites Feld für technische Neuerungen und Verbesserungen in der Bauwirtschaft sind das Vermeiden oder Reduzieren von Emissionen aller Art. Beispielsweise entstehen beim Kaltfräsen alter Fahrbahndecken bedeutende Mengen an Feinstaub – eine Gesundheitsgefahr für Baustellenpersonal, Anwohner und Passanten. Um die Feinstaubmengen zu senken, entwickelte beispielsweise die Bomag GmbH aus Boppard/Deutschland die Ion Dust Shield Technologie. Das System ist in einem Kasten direkt am Förderband der Fräse installiert. Eine Absaugung zieht die Staubpartikel durch ein elektrisches Feld. Sie laden sich positiv auf und werden vom negativ geladenen Gehäuse angezogen. Dabei verklumpt der Feinstaub dauerhaft zu ungefährlicheren gröberen Partikeln und kann mit dem Fräsgut abtransportiert werden.

Nicht nur bei Staub, auch und gerade bei Abgasen und Lärm ist die Baumaschinenbranche aufgerufen, Emissionen zu vermeiden. Die Emissionsgesetzgebung für Motoren für mobile Maschinen und Geräte erfolgt in der EU durch die Richtlinie 97/68/EG und ihre Revisionen.

Die aktuell gültige Grenzwertgesetzgebung führt schon jetzt zu einer deutlichen Senkung der Gesamtmasse der Fein- staubemissionen. Durch die dynamische Erneuerung des Baumaschinenbestandes ist der Anteil von Dieselpartikel- emissionen durch Baumaschinen deutlich gesunken und wird in den kommenden Jahren weiter sinken, sagt eine Studie der Forschungsvereinigung Bau- und Baustoffmaschinen e.V. zum Thema. Auch wenn die Verursacheranalyse bei Feinstaub sehr aufwendig und von Unsicherheiten geprägt ist, so ist zu erkennen, dass mobile Maschinen nur einen vergleichsweise geringen Anteil an der abgasbedingten Partikelgesamtmasse emittieren.

Nichtsdestotrotz werden Baumaschinen – alleine schon durch den kontinuierlichen, altersbedingten Austausch immer autonomer und vernetzter, sie werden auch zunehmend emissionsärmer und leiser. Auf die lange Sicht aber kommt uns das allen zu Gute: Baustellen sind schneller fertig, dank intelligenter Planung und Umsetzung und leiser und sauberer dank moderner Antriebstechnik.

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