Pneumatikzylinder Zylinder für extreme Anwendungen
Wenn für Pneumatikzylinder extreme Eigenschaften erzielt werden müssen, sind Sonderanfertigungen gefragt, die weit über die üblichen Veränderungen am Gehäuse hinausgehen.
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Zählt beim Einsatz eines Zylinders in einer Verpackungsmaschine unter Umständen einzig und allein der möglichst lange Produktlebenszyklus, stehen bei der Anwendung in einer Abfüllanlage schnelle Taktzeiten, ein geringes Eigengewicht und die Resistenz gegen chemische Reinigungsmittel im Vordergrund. Im Fahrzeugbau wiederum sind ein kleiner, kompakter Bau, hohe Kraft und gute Isolierung die Kriterien mit höchster Priorität. „Wichtig ist, dass der Anbieter, der die Sonderanfertigung konstruieren und herstellen soll, im ersten Beratungsgespräch alle relevanten Parameter der geplanten Anwendung abfragt“, erläutert Christian Walter, Ingenieur in der Konstruktionsabteilung von Kolben-Seeger. Dazu zählen unter anderem Druck, Kräfte, Aufgabe, räumliche Gegebenheiten, Arbeitsumgebung und erforderliche Taktzahlen. „Ein guter Berater wird auf der Grundlage dieser Daten überprüfen, inwiefern die Anforderungen von einem Standardzylinder abgedeckt werden können bzw. inwiefern ein Standardzylinder als Basis für die Sonderanfertigung verwendet werden kann, um die Entwicklungskosten für den Kunden möglichst gering zu halten“, berichtet Jürgen Meinhardt, Betriebsleiter des Sonderzylinderbereichs bei Kolben-Seeger. Denn auch bei Sonderanfertigungen muss in der großen Mehrheit der Fälle das Rad nicht neu erfunden werden: In der Regel können 90 Prozent eines bestehenden Zylinders verwendet werden, Abweichungen von den Standardprodukten betreffen hauptsächlich Gehäuseteile wie Befestigung oder Befestigungsnuten. Allerdings gibt es auch einige Bereiche, in denen nicht auf der Basis von bewährten Standardprodukten entwickelt werden kann. „In einem solchen Fall ist es wichtig, dass der beauftragte Konstrukteur umfassende Erfahrungen im Bereich Zylinderbau für besondere Anforderungen nachweisen kann“, betont Walter.
Für extreme Eigenschaften konstruiert
Ein Beispiel für eine Anwendung mit extremen Eigenschaften war die Entwicklung eines pneumatischen Zylinders für eine Schweißmaschine, die in der Automobilindustrie zum Schweißen von M16-Muttern eingesetzt wird. Die notwendige Kraft ist mit 25.000 N bei 10 bar Druck extrem hoch und konnte nur über einen sehr großen Kolbendurchmesser von 180 mm realisiert werden. Der Zylinder arbeitet mit einem Hub von 100 mm bei sechs Hüben pro Minute. Wegen des hohen Drucks konnte der Zylinder in der Schweißmaschine nicht mit herkömmlichen O-Ringen abgedichtet werden. „Statt dessen entschieden wir uns bei dieser Anwendung, einen Gleitring-Dichtsatz zur Abdichtung und Führung des Kolbens einzusetzen“, beschreibt Walter. Die Montage dieser Dichtung ist zwar sehr aufwendig und zeitintensiv, doch der Aufwand lohnt sich: Durch sie entsteht eine unlösbare Verbindung zwischen Dichtung und Zylinder, die eine hohe Belastbarkeit und einen langen Produktlebenszyklus gewährleistet.
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