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Getriebe ZF entwickelt Rennsportgetriebe ohne Drehmoment-Wandler

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

ZF hat das Automatgetriebe 8HP weiterentwickelt und präsentiert mit dem Rennsportgetriebe 8P45R ein noch dynamischeres, leichteres und damit für Motorsport-Einsätze geeignetes Getriebe.

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Das neu entwickelte Rennsportgetriebe 8P45R ermöglicht Rennsport ohne Kompromisse
Das neu entwickelte Rennsportgetriebe 8P45R ermöglicht Rennsport ohne Kompromisse
(Bild: ZF)

Galt ein Automatgetriebe bislang im Rennsport eher als ungewöhnliche Konstruktion, so hat ZF den Weg für diese neue Lösung in der Saison 2014 geebnet. Das Automatgetriebe 8HP erleichtert den Teilnehmern im BMW M235i Racing Cup die Arbeit deutlich und ermöglicht den Rennfahrern, sich optimal auf ihr Umfeld und auf die Strecke zu konzentrieren. Technische Schäden infolge etwaiger Schaltfehler sind ebenso ausgeschlossen wie fatale Blockierer und fahrdynamisch störende Schläge auf die Antriebsachse.

Das bisherige Automatgetriebe basierte auf einer Standard-Konstruktion aus der Großserie und einer veränderten Software. Nun sieht ZF gute Chancen für ein reinrassiges Rennsport-Planetengetriebe. Die Zielsetzung der Neukonstruktion: Übersetzungen, Schaltpunkte und Schaltgeschwindigkeiten sollen die hohen Anforderungen im Rennsport ohne Kompromisse erfüllen, ebenso legte ZF Wert auf ein geringeres Gewicht. Durch den Verzicht auf den Wandler sowie weitere Reduktionsmaßnahmen sparten die Konstrukteure etwa 15 % an Gewicht ein. Auch die interne Verlustleistung wurde reduziert.

Getriebe besitzt keinen Wandler

Die Konstrukteure haben das grundsätzliche Aufbau- sowie Montageschema – bestehend aus vier Planetenradsätzen und fünf Schaltelementen – des bisherigen Getriebetyps 8HP beibehalten. Neu ist unter anderem, dass das Getriebe keinen Wandler mehr besitzt. Der Anfahrvorgang wird über interne Schaltelemente realisiert. Ein Schwingungstilger am Getriebeeingang verhindert Schädigungen durch die Motordrehunförmigkeiten.

Die Gangabstufungen wurden feiner ausgelegt und die Drehzahlsprünge verringert. Das vormalige Getriebe 8HP ist im Rennbetrieb meist nur bis zum sechsten Gang genutzt worden. In der neuen Kraftübertragung sind alle acht Schaltstufen sinnvoll auf den Einsatzbereich verteilt.

Vorbild für andere Getriebe im Rennsport

In der Saison 2015 durchlief das neue Getriebe die Testprogramme und Prüfstandsläufe, Ende Oktober bestand das Getriebe im Rahmen der VLN problemlos seine Feuertaufe auf der Nordschleife des Nürburgrings in einem speziell ausgerüsteten BMW M235i Racing. Dirk Adorf, Chefinstruktor im Rahmen des BMW Motorsport Juniorprogramms, ist von der Weiterentwicklung überzeugt: „Nach meinen ersten Erfahrungen mit dem neuen Getriebe bin ich fasziniert, was die Ingenieure von ZF zu leisten imstande sind. Ich bin selbst Kfz-Techniker und hätte es niemals für möglich gehalten, dass man ein Automatik-Getriebe ohne Drehmoment-Wandler bauen kann, das dermaßen schnelle Schaltvorgänge ermöglicht und mit dem man gleichzeitig noch so problemlos anfahren kann. Die Kupplungen sind unglaublich fein abgestimmt. Ich bin mir sicher, dass dieses System ein Vorbild für andere Getriebe im Rennsport und sogar für die Serienentwicklung sein wird.“

ZF plant, die Kraftübertragung ab dem zweiten Quartal 2016 im Markt anzubieten. Zunächst wird das Getriebe 8P45R exklusiv für den BMW M235i Racing verfügbar sein. In der Zukunft ist aber auch ein Einsatz in den Sportwagen anderer Hersteller angedacht. (jup)

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