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Schüttgutweichen

Wie ein Auslandsauftrag einen Weichenhersteller ins Schwitzen brachte

| Redakteur: Bernhard Richter

Ein millionenschwerer Großauftrag aus Indien stellt einen Schüttgutweichenhersteller vor eine schier überwältigende Aufgabe: 700 Weichen – und jede ein Unikat.

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Die fertig montierten Weichen mit den Pneumatik-Zylindern von Mader, die für die richtige und zuverlässige Schaltstellung der Weichen sorgen.
Die fertig montierten Weichen mit den Pneumatik-Zylindern von Mader, die für die richtige und zuverlässige Schaltstellung der Weichen sorgen.
( Bild: Mader )

Ob Milchpulver, Kunststoffgranulat oder Tierfutter – sehr wahrscheinlich passiert Schüttgut zu irgendeiner Zeit im Verarbeitungsprozess auch eine Weiche der Marke DMN Westinghouse. Die in der oberschwäbischen Gemeinde Altshausen produzierten Komponenten für die Schüttgutindustrie werden laut Unternehmen mit dem Anspruch „Spitzenqualität aus Deutschland“ hergestellt. Dass dieser Qualitätsanspruch keine blanke Theorie ist, hat sich bis nach Indien herumgesprochen.

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Weiche für Weiche geplant

„Eigens für den Indien-Auftrag haben wir einen ‚Battleroom‘ eingerichtet, in dem wir Weiche für Weiche geplant haben – denn selbst unser ERP-System war der Auftragslage kaum gewachsen“, berichtet Claus Groner, Geschäftsführer der DMN-Tochtergesellschaft Gesra Gerätebau GmbH. Um die vereinbarten Liefertermine halten zu können – bei Verzug hätten hohe Vertragsstrafen gedroht – musste das Unternehmen in Vorleistung gehen. „Ohne die Belegschaft, die im Zwei- und Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet hat, wäre der Auftrag nicht zu bewältigen gewesen“, gibt Groner zu. Dank seiner klaren Lieferantenpolitik konnte Groner auch auf deren Kooperation setzen: „Ich will Lieferanten, die uns auf Augenhöhe begegnen, bei denen wir nicht nur eine Nummer von vielen im Auftragsbuch sind“, betont Claus Groner.

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Dass die Pneumatik-Zylinder von Mader, die in den Schüttgutweichen für die richtige Schaltstellung der Weiche sorgen, in den Planungen keinen großen Raum einnahmen, ist für Groner ein gutes Zeichen: „Was die Zylinder von Mader betrifft, lief alles so, wie ich es mir vorstelle. Die Technik und Qualität passt, der Preis ist absolut wettbewerbsfähig und Mader ist ein Lieferant, auf den man sich immer verlassen kann“, lobt der Geschäftsführer. Seit 2006 beliefert der Druckluft- und Pneumatikspezialist aus Leinfelden bei Stuttgart das Altshausener Unternehmen mit verschiedenen Pneumatik-Komponenten, seit 2014 auch mit Pneumatik-Zylindern.

Das zusätzliche Volumen durch den Indien-Auftrag konnte Mader ohne Probleme umsetzen. „Wir haben uns komplett auf den Zeitplan von Gesra eingestellt und ein Pufferlager eingerichtet, um die Zylinder pünktlich zu den vereinbarten Zeiten ausliefern zu können“, berichtet Jochen Zwicker, Leiter Produktbereich Pneumatik bei Mader. Für den Indien-Auftrag lieferte Mader KDI-Zylinder nach ISO 15552 in verschiedenen Durchmessern von 100 bis 160 Millimeter mit Sonderhüben von 115 bis 200 Millimeter und die passenden Komponenten. „Mit dem KDI haben wir einen Zylinder im Programm, der sich aufgrund des reinigungsfreundlichen Designs mit glatten Konturen und reduzierten Vertiefungen perfekt für den Einsatz im Schüttgutbereich eignet. Zudem sind die Zylinder für ATEX-Bereiche zugelassen“, erklärt Zwicker.

Weichenstellung für die Zukunft

„Anders als die Großen in unserer Branche, die Anlagen und Komplettsysteme für die Prozessindustrie liefern, haben wir uns bei DMN Westinghouse auf die Entwicklung und Produktion von Schüttgut-Komponenten spezialisiert“, sagt Claus Groner. Bei Gesra selbst liege der Fokus auf Schüttgutweichen in unterschiedlichsten Varianten. Hohe Fertigungstiefe und der enge Kontakt zu den hauptsächlich regionalen Lieferanten sieht Groner als einen Qualitätsvorteil. Nur so kann DMN Westinghouse auch Produktionszeiten für Weichen realisieren, die bei Bedarf in sechs statt der marktüblichen zwölf Wochen vom Band laufen. Dennoch durchläuft jede Weiche einen 100-Prozent-Test:„Angenommen die Weiche in einem mit Milchpulver befüllten Silo fällt aus.

Das würde nicht nur die komplette Produktion lahmlegen, aus Hygienegründen ist auch die komplette Charge verloren. Das verursacht schnell Kosten in zweistelliger Millionenhöhe.“ In Zukunft werden die Weichen sogar noch intelligent. „Gerade weil die Weiche ein so kritisches Bauteil ist, denken wir in viele Richtungen weiter. Sei es an Energieeffizienz, präventive Instandhaltung, Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Bauteilen und die Verknüpfung mit intelligenter Sensorik.“ Mader wird dann wohl auch wieder mit an Bord sein.

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