Kerben sind Schwachstellen, an denen ein Bauteil nicht selten versagt. Durch eine Formgebung nach dem Vorbild der Natur können Kerben so formoptimiert werden, dass sie weniger hohe Spannungskonzentrationen bewirken.
Kerben sind Schwachstellen. Mit einer Formgebung nach dem Vorbild der Natur können sie aber so optimiert werden, dass sie weniger hohe Spannungskonzentrationen bewirken.
(Bild: KIT)
Mit der Methode der Zugdreiecke (siehe „Die Körpersprache der Bauteile“ Mattheck, 2017) haben wir ein einfaches Denkwerkzeug bereitgestellt, das es erlaubt, eine Formoptimierung von Kerben ohne Computer vorzunehmen. Ausgehend vom unteren 45°-Winkel kleben wir ein Zugdreieck in die scharfe Ecke (Abb. 1). Damit entsteht zwar weiter oben eine neue Kerbe, diese ist aber schon stumpfer und damit weniger gefährlich. Diese Kerbe überbrücken wir wieder symmetrisch, immer von der Mitte des unteren Zugdreieckes ausgehend und so weiter. Meist reichen zwei bis drei Zugdreiecke. Die verbleibenden stumpfen Ecken werden mit Kreisradien ausgerundet, wobei die Ausrundung der letzten Ecke in vielen Fällen aus praktischen Gründen nicht erforderlich ist.
Der Verzicht auf die letzte Verrundung hinterlässt eine „scharfe Ecke“ am Fuße der Zugdreieckskontur, die bei so manchem alten Hasen in der Industrie zunächst ein Stirnrunzeln hervorruft.
Nach unserem heutigen Wissenstand gibt es fertigungsbedingt jedoch keine ideal scharfen Ecken und wir zeigen hier mittels Finite-Element-Analysen, welchen positiven Effekt bereits die kleine Ausrundung der Ecke durch das Werkzeug hat. Ohne Verrundung am Übergang in die Schulter stellt der scharfe Knick am Ende der Zugdreieckskerbe theoretisch eine Singularität dar. Je feiner die Vernetzung ist, umso höhere Spannungsspitzen werden dort lokal errechnet, im restlichen Modell bleiben die Spannungen gleich (Abb. 2). In den Abbildungen sind jeweils die Von-Mises-Spannungen dargestellt.
Ideal scharfe Ecken sind fertigungsbedingt nicht zu erreichen
Die Höhe der Spannungen in einem FEM-Netz mit scharfer Ecke hat also mit der Realität wenig zu tun, da man ideal scharfe Ecken nicht fertigen kann. Wir betrachten nun den Einfluss kleiner fertigungsbedingter Ausrundungen der „scharfen Ecke“ am Ende der Zugdreieckskontur. Rundet man im Modell aus Abb. 1 die Ecke am unteren Zugdreieck mit einem kleinen Radius (Re) aus, wird der seitliche Bauraum geringfügig größer, bei Re/d=0,02 um ca. 4 % und bei Re/d=0,05 um ca. 10 %. Dabei ergeben sich reduzierte Spannungsspitzen (Abb. 3).
Aus sehr kleinen Bauräumen (Abb. 4, grüne Kurve, B/d=0,1) mit winzigen Endverrundungen resultieren hohe Spannungen, die bei einem Verhältnis Re/B unterhalb von ca. 0,13 die Spannungen der Viertelkreiskerbe gleichen Bauraumes übersteigen. Mit zunehmender Größe der Endverrundung sinkt die Spannung auf ein Minimum, um dann wieder leicht anzusteigen.
Bei etwas größerem Bauraum (Abb. 4, orange Kurve, B/d=0,2) ist das qualitativ gleiche Verhalten zu beobachten, wobei die Spannungen der Zugdreiecke die der entsprechenden Viertelkreiskerbe erst bei einem Verhältnis Re/B kleiner als ca. 0,06 überschreiten.
Bei noch größerem Bauraum (Abb. 4, graue Kurve, B/d=0,4) steigt die Spannung mit größer werdender End- verrundung leicht an, bleibt im untersuchten Bereich aber immer kleiner als die Spannung der entsprechenden Viertelkreiskerbe.
Abb. 5 zeigt exemplarisch zwei Randkonturen von Zugdreieckskerben (B/d=0,1) und deren Spannungen. Bei der kleinen Endverrundung (Re/B=0,3) befindet sich das Spannungsmaximum direkt an der Endverrundung. Bei größerer Endverrundung (Re/B=0,5) wandert es nach oben zum dünnen Schaft hin. Der Grund dafür ist, dass, um das Vergrößern des Endverrundungsradius zu kompensieren, die anderen Verrundungsradien der Zugdreiecke kleiner werden müssen. Damit bleibt der seitliche Kerbbauraum insgesamt gleich.
Einfluss der Belastung und Geometrie auf die Kerbspannungen
Nicht zuletzt haben auch die Art der Belastung sowie die Modellquerschnittsgeometrie Einfluss auf die Höhe der Kerbspannungen, wie in Abb. 6 dargestellt ist. Balkenschultern weisen höhere Kerbspannungen als Wellenschultern auf und Zug führt bei gleicher Geometrie zu höheren Kerbspannungen als Biegebelastung. Mit dem Balken unter Zug wurde also der schlimmste Fall mit den höchsten Kerbspannungen untersucht, die zuvor gemachten Aussagen bezüglich der Verrundungen am Zugdreieck gelten qualitativ für die anderen Fälle ebenfalls.
Kerbspannungen mit Zugdreiecken Herr werden
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sehr kleine Kerbbauräume generell kritisch zu sehen sind. Denn deren Kerbformzahl kann durch Formoptimierung zwar gesenkt werden, ist immer noch deutlich höher als 1. Wenn man nur kleine Zugdreiecke nimmt, bauen die natürlich die Kerbspannungen nicht genug ab. Im Extremfall ist es eine scharfe Ecke. Dies entspricht Zugdreiecken der Länge Null.
Ab einer hinreichenden Größe der Zugdreiecke bringt deren weitere Vergrößerung nicht mehr viel, da die Kerbformzahl dann nahe dem Wert 1 ist und prinzipiell nicht kleiner als 1 werden kann. Auch große Viertelkreiskerben bauen Kerbspannungen besser ab als kleine Viertelkreiskerben. Sie brauchen seitlich aber fast immer mehr Platz als Zugdreiecke und sind sie seitlich so klein wie Zugdreiecke, haben sie höhere Kerbspannungen.
Zugdreiecke in relativ kleinen Bauräumen erfordern hinreichend große Endverrundungen, entweder bereits im Entwurf oder fertigungsbedingt (z.B. Schneidenverrundung des Werkzeugs). Mit größeren Bauräumen, welche die Kerbformzahl näher an den Wert 1 bringen, wird dies weniger kritisch. Die Methode der Zugdreiecke ist mittlerweile in der Industrie weit verbreitet und auch Bestandteil einer Norm (DIN ISO 18459).
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
* Dr. Iwiza Tesari und Prof. Dr. Claus Mattheck, Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Institut für Angewandte Materialien, Werkstoff- und Biomechanik (IAM-WBM)