Digitaler Produktpass VDMA fordert den Einbezug der Industrie

Redakteur: Dipl.-Ing. Dorothee Quitter

Das EU-Parlament hat einen "Digitalen Produktpass" vorgeschlagen. Er soll zukünftig alle wichtigen Umwelt- und Materialdaten eines Produkts entlang des gesamten Lebenszyklus umfassen. Der VDMA sorgt sich um Unternehmens-Know-how und eine bürokratische Mehrbelastung.

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(Bild: ipopba - stock.adobe.com)

Der Digitale Produktpass (DPP) soll zukünftig Informationen über die Herkunft, die Zusammensetzung, die Reparatur- und Demontagemöglichkeiten sowie über die fachgerechte Entsorgung eines Produktes liefern. Der VDMA befürchtet beim aktuellen Vorschlag eine Offenlegung von internen Unternehmensdaten und Technologie-Knowhow. Das könnte Unternehmen an Innovationen hindern und im Wettbewerb benachteiligen, heißt es.

Hintergrund des Digitalen Produktpasses

Das Vorhaben des Digitalen Produktpasses entstammt dem "European Green Deal" und dem "Circular Economy Action Plan" der Europäischen Union. In beiden Strategiepapieren wird ein digitaler Produktpass als wesentliches Instrument für eine klimafreundliche und ressourceneffiziente Wirtschaft genannt. Ein konkreter Gesetzgebungsvorschlag der EU-Kommission ist für Ende des Jahres geplant. Auch auf nationaler Ebene wird der DPP diskutiert und ist insbesondere in der umweltpolitischen Digitalagenda des Bundesumweltministeriums als zentrale Maßnahme genannt.

Dialog mit der Industrie

Der VDMA befürchtet weiterhin eine bürokratische Mehrbelastung insbesondere für kleinere und mittelständische Unternehmen. Der Verband fordert daher, dass der Zweck eines Digitalen Produktpasses von den politischen Entscheidungsträgern gemeinsam mit der Industrie in einem „Bottom-up“-Ansatz definiert werden muss. Darüber hinaus sollte der DPP in kleineren Anwendungsfeldern erprobt werden.

Geeignete Klima- und Umweltparameter bestimmen

Von zentraler Bedeutung ist die Bestimmung der geeigneten Klima- und Umweltparameter. Hier möchte sich der VDMA auf notwendige Informationen beschränken, um gläserne Produkte zu vermeiden und den Aufwand in einem angemessenen Rahmen zu halten. Branchenlösungen sollten möglich sein, um Unterschiede bei Produkten und Informationsbedarf berücksichtigen zu können. Als Voraussetzung sieht der Verband eine digitale Infrastruktur und einfach anwendbare digitale Lösungen – in den Unternehmen, aber auch bei den Kommunikationsdienstleistern und Behörden.

Sinnvolle Ausgestaltung kann Mehrwert bringen

Nach Ansicht des VDMA kann der Digitale Produktpass bei richtiger Ausgestaltung den Anforderungen des Marktes nach mehr Transparenz gerecht werden.

Wird ein Instrument geschaffen, das im Sinne der Klimaneutralität und der Kreislaufwirtschaft zentrale Informationen weitergibt, und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle und Service-Leistungen ermöglicht, die Rückschlüsse und Lerneffekte für die Industrie erlauben, kann ein großer Mehrwert für den Maschinen- und Anlagenbau entstehen

Dr. Sarah Brückner, Leiterin der VDMA-Abteilung Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit

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