Konstruktionsleiter-Forum SPOTLIGHT 2025 Unternehmen brauchen starke Security-Maßnahmen

Von Jan Vollmuth 3 min Lesedauer

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Vor einigen Jahren wurde das Automatisierungsunternehmen Pilz Opfer eines Hackerangriffs. Wie das Unternehmen den Hackerangriff gemeistert hat und welche Lehren daraus gezogen wurden, das steht im Mittelpunkt eines Vortrags auf dem Konstruktionsleiter-Forum SPOTLIGHT 2025 am 14. Oktober 2025 in Würzburg.

Die grundlegenden Anforderungen des CRA sind sinnvoll, denn schwache Security-Maßnahmen können die Existenz von Unternehmen gefährden oder sogar noch größere Schäden erzeugen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die grundlegenden Anforderungen des CRA sind sinnvoll, denn schwache Security-Maßnahmen können die Existenz von Unternehmen gefährden oder sogar noch größere Schäden erzeugen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Im Oktober 2019 wurde das Automatisierungsunternehmen Pilz Ziel eines gezielten Hackerangriffs, von dem weltweit Server- und Kommunikationssysteme betroffen waren. Das Unternehmen hätte sich „freikaufen“ kaufen können, entschied sich jedoch, nicht auf die Forderungen der Erpresser einzugehen. Stattdessen nahm Pilz Schritt für Schritt die IT-Infrastruktur wieder in Betrieb.

Existenz des Unternehmens war bedroht

In seinem Impulsvortrag „Bedeutung von Security für die Industrie“ auf dem Konstruktionsleiter-Forum SPOTLIGHT 2025 beschreibt Matthias Holzäpfel, Product Development, Vice President bei Pilz unter anderem, wie das Unternehmen den Cyberangriff gemeistert hat und welche Lehren daraus gezogen wurden. Auf Basis dieser Erfahrungen geht Matthias Holzäpfel in seinem Vortrag insbesondere auf den Security-Development-Lifecycle-Prozess gemäß der IEC 62443-4-1 ein, also die Umsetzung der Anforderungen aus dem CRA, und wie diese mit der Maschinenverordnung in Verbindung stehen.

Matthias Holzäpfel, Product Development, Vice President, Pilz GmbH & Co. KG(Bild:  Pilz GmbH & Co KG)
Matthias Holzäpfel, Product Development, Vice President, Pilz GmbH & Co. KG
(Bild: Pilz GmbH & Co KG)

Herr Holzäpfel, welche spezifischen Herausforderungen hat Pilz während des Cyberangriffs im Jahr 2019 bewältigen müssen, und wie haben diese Erfahrungen den Umgang mit digitalen Bedrohungen im Ingenieurwesen verändert?

Beim Wiederaufbau unserer IT- und OT-Infrastruktur haben wir gelernt, zunächst komplett ohne digitale Werkzeuge zu arbeiten. Also, alles analog und aus unserem Erfahrungsschatz heraus. Dank „Agiler Methoden“ konnten wir uns gut organisieren und uns abstimmen. Uns war bewusst, dass die Existenz des Unternehmens gefährdet ist. Das hat uns zusammengeschweißt und bis heute die Awareness für digitale Bedrohungen bei uns selbst und bei unseren Kunden gestärkt. Der offene Umgang mit so einer Cyber Attacke ist und war sehr wertvoll und trägt dazu bei, dass andere Unternehmen von unseren Erfahrungen lernen können.

Inwiefern helfen diese Erfahrungen bei der Umsetzung der Sicherheitsziele des Cyber Resilience Acts (CRA)?

Die grundlegenden Anforderungen des CRA sind ohne Zweifel sinnvoll, denn schwache Security-Maßnahmen können die Existenz von Unternehmen gefährden und sogar noch größere Schäden erzeugen (z. B. bei kritischer Infrastruktur). Dennoch halten wir die momentane Auslegung und Umsetzung des CRA für unsere industriellen Produkte in der industriellen Automation an manchen Stellen für zu streng. Das könnte zum Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen werden.

Welche Rolle spielt die Maschinenverordnung (MVO) in Verbindung mit dem Security-Development-Lifecycle-Prozess gemäß IEC 62443-4-1 für Konstrukteure, und wie können diese Richtlinien die Entwicklung sicherer Maschinen und Systeme fördern?

Pilz sieht Security schon immer als Voraussetzung für funktionale Sicherheit. Keine Safety ohne Security. Die neue Maschinenverordnung fordert dies nun ein. Mit „protection against corruption“ werden nun Cybersicherheitsanforderungen in Bezug auf OT (Operational Technology) eine Vorgabe. Konstrukteure können CRA-konforme oder auch spezielle Security Produkte einsetzen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die Normenreihe IEC 62443 bietet sowohl für Komponenten als auch für komplette System eine sehr gute Basis. Daher ist auch der Pilz Produktentwicklungsprozess nach dieser Norm zertifiziert.

Zukunftssicher konstruieren mit MVO und CRA

Konstruktionsleiter-Forum Spotlight

Die Maschinenverordnung (MVO) und der Cyber Resilience Act (CRA) stellen Hersteller und Betreiber von Maschinen und Anlagen sowie Zulieferer von Komponenten und Systemen vor große Herausforderungen. Während die MVO ab 2027 EU-weit rechtsverbindlich wird, tritt die von der CRA geforderte Meldepflicht bestehender Sicherheitslücken und Cyber-Attacken bei vernetzten Komponenten und Systemen schon 2026 in Kraft. Grund genug für Unternehmen, sich frühzeitig auf die erforderlichen und umfangreichen Maßnahmen vorzubereiten.
Das Konstruktionsleiter-Forum SPOTLIGHT , das am 14. Oktober 2025 in Würzburg stattfindet, schärft das Bewusstsein für die Anforderungen sowie deren Konsequenzen, die auf Unternehmen zukommen und zeigt auf, wie sie ihre Entwicklungsabteilungen und Prozesse in Zukunft aufstellen müssen.

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