Hydraulik in mobilen Maschinen ist seit Jahrzehnten ein Erfolgsrezept. Dank Digitalisierung und Elektrifizierung ergeben sich viele neue Möglichkeiten, Hydraulik noch effizienter und leistungsstärker zu machen. Dr. Matthias Schreiber, CEO bei Linde Hydraulics, blickt mit uns auf die Trends der Branche.
Im Juli 2021 wurde Dr. Matthias Schreiber zum Chief Executive Officer (CEO) bei Linde Hydraulics ernannt und ist in dieser Funktion für Forschung & Entwicklung sowie den weltweiten Vertrieb und das Marketing des Unternehmens verantwortlich.
(Bild: Linde Hydraulics)
konstruktionspraxis: Herr Dr. Schreiber, inwieweit haben sich die Anforderungen der Baumaschinen-Branche an Ihre Produkte in den letzten Jahren geändert?
Dr. Matthias Schreiber: Vor allem der Systemgedanke spielt in Fahrzeugen eine zunehmend wichtige Rolle. Es wird nicht mehr nach einzelnen Komponenten entschieden, sondern in Systemen gedacht. Das Zusammenspiel aller Komponenten ist wichtig. In unserem Fall geht es um Pumpen, Ventilblöcke, Motoren und die gesamte Fahrzeugperipherie – all diese Komponenten müssen als System funktionieren. Daher sehen wir einen ganz klaren Trend zu mehr elektronisch gesteuerten und geregelten Komponenten. Früher gab es auch mechanische und hydraulische Verstellungen – heute geht alles in Richtung Elektronik. Wichtig dabei ist eine optimale Abstimmung der Hard- und Software. Im Steuergerät muss es also eine Intelligenz geben, die die Optimierung des Gesamtsystems ermöglicht.
Wie reagieren Sie auf diese Veränderungen?
Schreiber: Wir bieten elektronisch geregelte Pumpen, Motoren und Ventile an. Außerdem haben wir derzeit eine neue Steuergerätebaureihe sowie die passende modulare Software in der Entwicklung. Wichtig ist, dass wir die Applikation in die Maschine schnell und unkompliziert für verschiedene Anwendungen anbieten können. D. h. im Idealfall werden auf Simulationsbasis Parameter vorgegeben und so die Komponenten auf dem Fahrzeug appliziert, ohne zu viel Feldversuche und zu viel Programmierung.
Applikationsprozesse vereinfachen – das ist unser Ziel. Man sollte also weder Schieber und Umsteuerung mechanisch verändern müssen, noch Komponenten aufwändig anpassen oder Softwarecodes schreiben müssen, um eine Funktion darstellen zu können. Im Idealfall bringt man die passenden Komponenten aus einem Baukasten in das Fahrzeug, kombiniert das Steuergerät, stellt die Parameter ein und erhält so eine funktionsfähige Lösung – quasi ein Plug-and-play-System für den OEM.
Welche Ziele möchten Sie damit erreichen?
Schreiber: Hier kann man im Prinzip drei Punkte nennen: Effizienzverbesserung, Komfortgewinn und Automatisierung. Sobald Elektronik ins Spiel kommt, kann man gut ins Fahrzeug eingreifen und diese Ziele realisieren. Das sind jetzt Trends, mit denen wir uns heute schon beschäftigen – die also eher einen kurzfristigen Bereich abdecken.
Welche Trends zeichnen sich eher auf lange Sicht ab?
Schreiber: Im längerfristigen Bereich sehen wir den Trend zu neuen Energiequellen. Batterien im Stapler sind heute schon Standard und das wird auch für etwas größere Fahrzeuge kommen. Der Trend wird sich fortsetzen: Batterien werden günstiger, besser, langlebiger, leistungsdichter – auch wenn der Weg bis zum Feldhäcksler oder Forstvollernter noch ein sehr weiter Weg sein wird.
Wie gehen Sie mit der zunehmenden Elektrifizierung von Baumaschinen um?
Schreiber: Die Elektrifizierung für rotatorische Antriebe – also z. B. den Fahrantrieb eines Gabelstaplers – schreitet zunehmend voran und nimmt auch langsam den Weg in Richtung größere Fahrzeuge.
Bei linearen Antriebsaufgaben wird allerdings auch langfristig die Hydraulik ihre Berechtigung behalten. Insbesondere Hydraulikzylinder, die über eine Hydraulikpumpe und einen Ventilblock das Öl im Fahrzeug für verschiedene Funktionen verteilen, sind in Sachen Leistungsdichte, Kosten und Robustheit kaum zu schlagen. Natürlich kann es sein, dass diese zunehmend auch elektrisch angetrieben werden können. Die wichtige und anderweitig kaum besser umsetzbare Aufgabe der Hydraulik ist es, die Bewegung und Energie flexibel im Fahrzeug zu verteilen.
Mit Dry-Case reduziert Linde Hydraulics Schleppverluste im Motor, was vor allem bei Anwendungen mit hohen Drehzahlen Vorteile bringt.
(Bild: Linde Hydraulics)
2022 haben Sie einen neuen Doppelmotor mit Dry-Case vorgestellt – was steckt dahinter?
Schreiber: Dahinter verbirgt sich ein neues Motorgehäuse, dank dem wir unsere Motoren noch effizienter gestalten können. Die Gehäuse sind normalerweise mit Öl gefüllt. Das bedingt gewisse Schleppverluste. Wir saugen das Öl nun aus dem Gehäuse ab – stellen dabei natürlich sicher, dass genügend Öl für Kühlung und Schmierung vorhanden ist. Somit schaffen wir es die Schleppverluste zu minimieren und so etliche kW an Verlustleistung zu verhindern – insbesondere bei Anwendungen mit hohen Drehzahlen. Die Technik dahinter ist ein USP für uns. Kein Wettbewerber beherrscht diese Technologie.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Für welche Anwendungen eignet sich diese Dry-Case-Technologie besonders?
Schreiber: Anwendungen, bei denen hohe Drehzahlen zu großen Zeitanteilen stattfinden, sind besonders geeignet für unsere Dry-Case-Technologie. Aktuell ist sie z. B. in einem Claas-Telehandler verbaut, der im Einsatz beim Materialumschlag gewisse Geschwindigkeiten (bis zu 40 km/h) erreicht.
Denn bei hohen Drehzahlen und Geschwindigkeiten hat man bei hydraulischen Systemen eigentlich immer höhere Verluste als bei mechanischen Antriebssystemen. Ein Vorteil der Hydraulik ist allerdings, dass man mit ihr aus dem Stand heraus stufenlos mit sehr hohem Drehmoment bis zur vollen Geschwindigkeit losfahren kann. Dank der Dry-Case-Technologie gleichen wir oben genannte Nachteile aus, indem wir die Verluste bei hohen Drehzahlen drastisch reduzieren, während die Vorteile der Hydraulik voll ausgenutzt werden können.
Gibt es Dry-Case derzeit ausschließlich in Kombination mit dem Doppelmotor?
Schreiber: Ja – wir bieten es in Serie in Verbindung mit dem Doppelmotor an. Allerdings denken wir bereits darüber nach, es für andere Komponenten weiter auszubauen, da das Marktinteresse sehr groß ist.
Wie funktioniert der Doppelmotor und welche Vorteile bringt er mit sich?
Schreiber: Der Doppelmotor ist im Prinzip ein Motor, der die Verstellung in der Mitte hat. Doppelmotor heißt, es gibt zwei Axialkolbenmaschinen mit einer mittigen Verstellung, sodass über die Schrägscheibe beide Einheiten identische verstellt werden können. Beide Seiten haben einen Abtrieb, sodass Vorder- und Hinterachse gleichzeitig angetrieben werden können.
So wird kein zusätzliches Dropbox-Getriebe benötigt, um eine gewisse Untersetzung zu erreichen und um den Abtrieb nach vorne und hinten realisieren zu können. Die Technik ist direkt im Antriebsstrang verbaut und man erhält beide Abtriebsrichtungen zu den Kardanwellen zu Vorder- und Hinterachse.
Vielen Dank Herr Dr. Schreiber.
Über Linde Hydraulics
Bei Linde Hydraulics werden weltweit modulare Antriebssysteme aus Hydraulik, Elektrotechnik und Elektronik entwickelt, produziert und vertrieben. Das Produktprogramm umfasst hydraulische Pumpen, Motoren und Ventile, elektronische Steuerungen und Systemlösungen. Das Unternehmen versteht sich als Entwicklungspartner und Lieferant von namhaften Herstellern mobiler Arbeitsmaschinen wie Bau-, Bergbau-, Land-, Forst- und Kommunalmaschinen sowie von Industriemaschinenherstellern.
Das 1904 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Aschaffenburg. Rund 1.400 Mitarbeiter sind an drei Produktionsstandorten in Deutschland, an einem weiteren in China, einem Montagewerk in den USA sowie in den Tochtergesellschaften in Europa, den USA, Südamerika und China beschäftigt. Mit einem dichten Netz von über 80 Vertriebs- und Servicepartnern ist Linde Hydraulics in über 50 Ländern vertreten.
Bis 2012 war das Unternehmen Teil der Linde Material Handling – Hersteller von Gabelstaplern. Seit 2012 ist Weichai Power mit 90 Prozent Haupteigentümer und Linde Hydraulics wurde zum eigenständigen Unternehmen formiert. Die Kion Group AG ist weiterhin mit 10 Prozent an Linde Hydraulics beteiligt.