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Gewindetriebe Traumhochzeit nach langer Beziehung

| Autor: Ute Drescher

Um die Nachfolge zu regeln, hat Kurt Husistein seine Firma Eichenberger an Festo verkauft. Der neue Geschäftsführer Hansruedi Hager erklärt, warum diese Verbindung weit mehr als eine Zweckehe ist.

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Im Frühjahr 2016 hat die Festo-Gruppe Eichenberger übernommen – eine Traumhochzeit aus Sicht aller Beteiligten (v.l.n.r.: Camela und Kurt Husistein mit Geschäftsführer Hansruedi Hager).
Im Frühjahr 2016 hat die Festo-Gruppe Eichenberger übernommen – eine Traumhochzeit aus Sicht aller Beteiligten (v.l.n.r.: Camela und Kurt Husistein mit Geschäftsführer Hansruedi Hager).
(Bild: U. Drescher/konstruktionspraxis)

Herr Hager, wie haben Eichenberger und Festo zusammengefunden?

Die beiden Unternehmen sind schon sehr lange miteinander verbunden, Eichenberger beliefert Festo seit mindestens 25 Jahren. Als Kurt Husistein anfing sich im Zuge der Nachfolgeregelung nach potentiellen Käufern umzuschauen, hatte er konkrete Vorstellungen: Gerne wollte er an ein produzierendes, am liebsten familiengeführtes Unternehmen verkaufen. Für ihn war Festo ein idealer Kandidat.

Und Festo war auf der Suche nach einem Unternehmen, das den strategischen Geschäftsbereich der elektromechanischen Antriebe unterstützt?

Richtig. Festo produziert schon seit über 20 Jahren elektromechanische Antriebe. Unsere Kunden aus dem Maschinenbau sollen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können, Festo liefert die passenden Subsysteme dazu. Unabhängig von der Technologie bieten wir sowohl pneumatische als auch elektromechanische Lösungen an. Mit Eichenberger kann Festo in dem strategischen Geschäftsfeld der elektrischen Automatisierung die Wertschöpfungstiefe deutlich erhöhen. Außerdem ist mit der Übernahme auch die Versorgung mit den dafür notwendigen mechanischen Komponenten gesichert.

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Wird also in Zukunft in allen elektromechanischen Festo-Produkten Eichenberger stecken?

Wir werden gemeinsam neue Produkte entwickeln, wir haben tolle Ideen. Schon in der zweiten Woche nach der Übernahme hatten wir bei Eichenberger Besuch von Festo-Entwicklern, die froh waren, einige dieser Ideen endlich offen diskutieren zu können. Die ersten gemeinsamen Projekte sind inzwischen auch auf gutem Weg.

Wie werden Sie mit den weiteren Kunden umgehen, die Eichenberger bisher auch bedient hat?

Unser erklärtes strategisches Ziel ist es, auch diese Kundenbeziehungen weiter zu pflegen und zu entwickeln. Das hat nicht nur betriebswirtschaftliche Gründe. Von den technischen Herausforderungen, die sich uns hier stellen, können wir lernen und selbst weiterentwickeln. Sie sind oft eine Quelle der Inspiration. Außerdem sehen wir uns diesen Kunden gegenüber in der Verantwortung. Viele Projekte haben drei bis sechs Jahre gemeinsame Entwicklungsarbeit gekostet, ein Wechsel zu einem anderen Lieferanten ist aus Kundensicht gar nicht so einfach möglich. Sie lassen wir nicht alleine. Diese Haltung vertreten übrigens sowohl Eichenberger als auch Festo, das entspricht ihrem Verständnis als familiengeführte Unternehmen.

Werden Sie den Standort Burg in der Schweiz beibehalten?

Ja! Festo bekennt sich ganz klar zum Standort, obwohl das Unternehmen noch zwei weitere Standorte in der Schweiz unterhält: In Biel gibt es ein Produktionswerk und am Standort Lupfig eine Vertriebsgesellschaft, die alle Schweizer Festo-Kunden betreut. Hier in Burg befinden sich sowohl die Produktion als auch der Vertrieb. Das ist neu für Festo, aber spannend. Das Unternehmen hat fest zugesagt, beides weiterzuentwickeln. Allein die Produktionsprozesse sind so komplex, die lassen sich nicht einfach verlegen. Außerdem bilden Mensch und Maschine hier eine Einheit, die man nicht trennen kann. Und die Menschen hier im oberen Wynental sind sehr stark mit der Region verwurzelt.

Wird Festo auch an der Marke Eichenberger festhalten?

Auch diese Frage kann ich definitiv mit ja beantworten, jedenfalls mindestens für die nächsten fünf Jahre. Die Marke Eichenberger ist derart stark, vor allem in Deutschland, die muss weiterbestehen. Was allerdings in Zukunft sein wird, steht in den Sternen.

Welche Herausforderungen sehen Sie als Geschäftsführer von Eichenberger für die kommenden Jahre?

Alleine schon durch die Größe und die globale Präsenz von Festo bietet sich natürlich ein enormes Potential. Es gilt, zusammen mit Festo, eine passende Wachstumsstrategie zu definieren. Daneben gilt es, unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen. Für unsere besonders anspruchsvollen Kunden überlegen wir uns bei jedem Entwicklungsprojekt, wie wir Mehrwert für den Kunden generieren. Die Lösungen müssen clever und wettbewerbsfähig sein.

Vor uns liegen spannende Aufgaben, auf die ich mich persönlich sehr freue!

Vielen Dank, Herr Hager.

* Ute Drescher ist Chefredakteurin der konstruktionspraxis.

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Über den Autor

 Ute Drescher

Ute Drescher

Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht