Leitung Sonderleitungen für schwierige Anwendungsfälle
Die Öl- und Gasindustrie wird nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko immer qualitäts- und umweltbewusster. Hierbei finden vor allem Sonderleitungen von Lapp Muller SAS ihre Anwendung.
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Lapp Muller SAS in Grimaud in Südfrankreich ist auf Kabel- und Leitungen für besonders schwierige Anwendungsfälle spezialisiert. So hat das Unternehmen der Stuttgarter Lapp Gruppe vor kurzem von der italienischen Firma Breda Energia den Zuschlag für ein internationales Projekt in Zusammenarbeit mit der Firma GISMA in Frankreich und der Firma SEACON, USA bekommen. Der Auftrag umfasste die Entwicklung und Fertigung einer Unterwasserleitung (Umbilical), zusammengesetzt aus Hochdruckschläuchen und Steuerleitungen zum sicheren Öffnen und Schließen von Unterwasserventilen für Ölpipelines. Die Leitung wurde in einer einzigen Länge von 900 Metern gefertigt. Sie hat eine Bruchkraft von 9 Tonnen und wiegt in seiner Gesamtheit mehr als 3 Tonnen. Allein die innerbetriebliche Logistik stellte die Mitarbeiter vor erhebliche Herausforderungen, denn das Projekt musste in weniger als drei Monaten abgewickelt sein. Vor Freigabe und der Auslieferung an den Kunden wurde die Leitung von Spezialisten der Firma SEACON eine Woche lang auf sichere Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit geprüft.
Sonderleitungen für Unterwasser-Applikationen
Kein Einzelfall: Das Unternehmen entwickelt und fertigt vor allem Sonderleitungen für Unterwasser-Applikationen, zum Beispiel für die Bereiche Öl & Gas, für die Sicherheits- und Militärtechnik, aber auch für High-Tech-Roboter in der Industrie und in Service-Anwendungen wie zum Beispiel Inspektionsroboter in der Kanalisation. Das Unternehmen Muller wurde 1939 in Paris gegründet und Anfang der 60er Jahre an die französische Riviera verlagert. Seit der Übernahme durch die Câbleries Lapp s.a.r.l. (Forbach/Frankreich) im Jahr 2003 firmiert das Unternehmen unter Lapp Muller SAS. Heute ist das Unternehmen weltweit tätig und nahezu überall gelistet. Zum Beispiel bei 17 der 20 größten, internationalen EPC (Engineering, Procurement & Construction) Firmen (z.B. Saipem, Technip, Total und Fluor) sowie bei den wichtigsten 400 führenden Endkunden im Öl- & Gas-Bereich.
„Lapp Muller ist ein wahrer Schatz an Kompetenz“, erklärt Siegbert Lapp, Vorstand der Lapp Gruppe. Jeden Monat werden rund 250 neue Kabel entwickelt. Es gibt selten eines, das für eine zweite, ähnliche Applikation verwendet wird. Jede Leitung wird genau nach Kundenwunsch und der jeweiligen Anforderung entworfen und produziert. Da alle Prototypen mindestens 10 Jahre archiviert werden, verfügt Lapp Muller mittlerweile über mehr als 70.000 Prototypen.
Sonderleitungen für Seeschlangen vor der portugiesischen Westküste
Mit Sonderleitungen von Lapp Muller wurde zum Beispiel vor der portugiesischen Westküste ein Wellenkraftwerk der schottischen Firma Pelamis Wave Power in Betrieb genommen. Die 180 Meter langen „Seeschlangen“ erzeugen jeweils eine maximale Leistung von 750 KW und können damit rund 500 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen. Eine ganze Wellenfarm aus 30 „Seeschlagen“ erzeugt mehr als 22 MW. Im Detail lieferte Lapp Muller in Zusammenarbeit mit Lapp Systems in Deutschland 210 Kabelbäume mit speziell entwickelten pneumatischen Steuer- und Datenleitungen für die Verbindung zu jedem Motor sowie Datenleitungen für die Sensoren und Messgeräte. Die mechanischen Tests wurden bei Lapp Muller mit Hilfe von Robotern simuliert. Weitere Wellenkraftwerke sind geplant.
Sonderleitungen für ferngesteuerte Tiefseefahrzeuge
Besonders stark ist Lapp Muller im Off-Shore-Bereich mit Sonderleitungen für ferngesteuerte Tiefseefahrzeuge (ROV, remotely operated vehicle). Zum Beispiel Steuerleitungen in Kombination mit Koaxial-Kabeln für die Videoüberwachung, schwimmende ROV-Kontroll-Leitungen oder Kontroll-Leitungen zum Steuern der Bagger auf dem Meeresgrund. Für die französischen Firmen Comex und Comanex, beide führend bei der Entwicklung von bemannten und unbemannten Tiefseeeinsätzen, hat Lapp Muller Versorgungssysteme entwickelt, die in bis zu 1500 Metern Tiefe perfekt funktionieren. So werden in einer druckgeschützten Leitung mit einem Durchmesser von rund 90 mm zusätzlich zum Beatmungssystem bis zu 20 verschiedene Anschluss- und Steuerleitungen und Datenleitungen durchgeführt.
Schwimmende Unterwasser-Antennenkabel für U-Boote
Ähnliche Systeme werden beispielsweise auch für das italienische Unternehmen Saipem entwickelt. Die Firma ist spezialisiert auf die Herstellung und das Installieren von Maschinen, Plattformen und weiteren Produkten für die Erdölgewinnung, dem Legen von Pipelines und dem Bohren nach Gas- und Ölvorkommen. Auch in den nationalen Marinen werden die Sonderleitungen gebraucht. So entwickelte Lapp Muller schwimmende Unterwasser-Antennenkabel für U-Boote. Das Unternehmen produzierte für einen Weltkonzern, der unter anderem Über- und Unterwassertechnologie für die Marine liefert, ein Stahl ummanteltes Unterwasser-Sonarkabel, das einen Druck von bis zu 60 bar standhält sowie eine Kontrollleitung, die bis zu 700 bar widersteht. Für die Unterwasser-Bohranlagen des norwegischen Konzerns Aker Solutions ASA wurden BUS Leitungen entwickelt, die gegen Schlamm, Öl und Salze besonders resistent und gerade mal so dünn wie ein kleiner Finger sind. Andere See-Applikationen sind Unterwasserfahrzeuge wie ferngesteuerte Roboter. Diese können in 7000 m Meerestiefe Löcher bohren, um nach Gasvorkommen zu forschen. Dafür müssen die Kabel einen Druck von 700 bar aushalten.
Fraunhofer IPA erteilt "Clean room"-Zertifikat
Aber auch im „Trocken-Einsatz“ ist Lapp Muller stark. Neben Sonderleitungen für Roboter, insbesondere in der Automobilindustrie, fertigt das Unternehmen auch Kabel, die in der Reinraumtechnik angewandt werden. Zum Beispiel in der Halbleiterfertigung, der Optik- und Lasertechnologie oder der Luft- und Raumfahrttechnik. Diese Leitungen dürfen beim Bewegen keinen Staub und keine Gase entwickeln. Seit kurzem verfügt Lapp über ein derartiges „Clean room“-Zertifikat. Es wurde ausgestellt vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und bewertet die Reinraumtauglichkeit von Werkstoffpaarungen (Partikelemission) und das Ausgasungsverhalten bei bewegten Zuständen wie in Schleppketten.oder Robotern. (jus)
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