Die Heavycon-Click-in-Technologie ermöglicht eine komplett schraubenlose Konfektion von schweren Steckverbindern. Das reduzierte den Montageaufwand gegenüber bekannten Lösungen deutlich.
Schraubenlos montiert: Kontakteinsätze mit Click-in-Technologie sparen Zeit beim Konfektionieren.
(Bild: Phoenix Contact)
Die weltweite Nachfrage nach Industriesteckverbindern steigt seit mehreren Jahren, denn die Anforderungen an die Vernetzung industrieller Anlagen haben sich verändert. Zusätzlich zu den bereits etablierten Trends der Modularisierung und Dezentralisierung aus Maschinen- und Anlagenbau verzeichnet dieser Industriezweig eine steigende Nachfrage an steckbaren Schnittstellen für die datenseitige Vernetzung gemäß Industrie 4.0. In jüngster Zeit bezieht diese Vernetzung zunehmend auch Anwendungen aus Infrastruktur sowie Energieversorgung und -speicherung mit ein. Denn in der Vision einer „All Electric Society“ bildet die Sektorenkopplung die Grundlage für eine smarte Nutzung und Verteilung der elektrischen Energie.
Schnellanschlusstechnik weitergedacht
Bei sehr großen ortsfesten Infrastrukturanlagen findet die Verdrahtung und Kabelkonfektion meist in der Nähe der Anlage statt, weil ein Versand der Anlage nicht möglich ist oder zu hohe Kosten verursachen würde. Auch bei Anlagen in kleinen Stückzahlen und hoher Variantenzahl ist ein Outsourcing oft nicht wirtschaftlich. Dies hat zur Folge, dass Verdrahtungs- und Konfektionsarbeiten auch in Ländern mit hohem Lohnniveau erfolgen und der Einsatz von zeitsparender Technologie wie der Schnellanschlusstechnik wirtschaftlich ist.
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In den letzten zehn Jahren können sich die Anwender von schweren Steckverbindern über ein stetig wachsendes Sortiment an Kontakteinsätzen mit Schnellanschlusstechnik freuen. Führende Anbieter vermarkten diese unter Bezeichnungen wie Push-in, Squich, ES Press, Quick Lock oder Snap In. Solche Kontakteinsätze bieten zwar einen schnellen und oft werkzeuglosen Leiteranschluss an. Jedoch müssen Anwender beim Anschließen des Schutzleiters und bei der Montage des Kontakteinsatzes in das Steckverbindergehäuse immer noch schrauben. Erst die neue Click-in-Technologie von Phoenix Contact ermöglicht eine komplett schraubenlose Konfektion schwerer Steckverbinder von der Verdrahtung bis zur Montage.
Die Click-in-Kontakteinsätze Heavycon von Phoenix Contact lassen sich durch simples Einstecken und automatisches Einrasten in das Gehäuse werkzeuglos montieren. Verglichen mit allen bisher am Markt verfügbaren Kontakteinsätzen, die mit vier Schrauben im Gehäuse befestigt werden, ergibt sich eine Zeitersparnis von mindestens einer Minute pro Kontakteinsatz. Neuerdings erfolgt zusätzlich auch der Anschluss des Schutzleiters durch die Push-in-Direktstecktechnik. Aufgrund der durchgängigen Schnellanschlusstechnik beim Leiteranschluss fällt der Zeitvorteil im Vergleich zu Kontakteinsätzen mit Schraubanschluss viel höher aus.
Abgesehen vom reinen Zeitvorteil bietet die neue Click-in-Technologie verbesserte Optionen für die Automatisierung im Schaltschrankbau. Sowohl die Montage der Click-in-Kontakteinsätze an der Schaltschrankwand als auch die Verdrahtung mit Push-in-Technologie kann ein einarmiger Roboter durchführen. Wer entsprechende schnellanschlussfähige Komponenten innerhalb des Schaltschranks verwendet, zum Beispiel Push-in-Reihenklemmen von Phoenix Contact, kann eine automatisierte Verdrahtung innerhalb des Schaltschranks für alle Pole und Schutzleiter realisieren.
Vision vom schraubenlosen Schaltschrank
Das Verschrauben ist ein bewährtes Montageprinzip, das auch Laien universell einsetzen können. Trotzdem gibt es inzwischen viele industrielle Anwendungsfelder, bei denen Verschraubungen durch andere Verfahren ersetzt werden. Die Beweggründe hierfür sind unterschiedlich. Während beim Flugzeugbau der Wechsel von Schrauben und Nieten zu Klebeverfahren hauptsächlich durch Gewichtsersparnis getrieben ist, versucht man beim Bau von Schienenfahrzeugen, Schrauben durch alternative Techniken zu ersetzen, um auch nach jahrelangem Einfluss von Vibrationen eine wartungsfreie Verbindung zu haben. Bei Produkten in Massenfertigung bedeutet der Einsatz von schraubenlosen Montagetechniken Zeit- und somit Kosteneinsparung in der Produktion. Außerdem lassen sich schraubenlose Montageprozesse in der Regel leichter automatisieren. Da alle diese Beweggründe Gewichtsersparnis, Vibrationssicherheit, Verliersicherheit, Zeitersparnis und Automatisierbarkeit auch auf den Schaltschrankbau anwendbar sind, strebt Phoenix Contact das Ideal vom schraubenlosen Schaltschrank an. Bei allen Neuentwicklungen für Produkte, die im und am Schaltschrank eingesetzt werden, wird überprüft, ob eine schraubenlose Ausführung zumindest als Option realisierbar ist.
Funktionsweise der Click-in-Verrastung
Die kraftschlüssige Verbindung des Kontakteinsatzes mit dem Steckverbindergehäuse basiert auf einem keilförmigen federgeführten Verriegelungselement, das in einen Hinterschnitt der Gehäusewand eingreift. Dieser Hinterschnitt ist in allen Gehäusen der B-Serie Heavycon Evo und Heavycon Sta von Phoenix Contact bereits seit Jahren vorhanden, sodass Anwender die neuen Click-in-Kontakteinsätze auch in bereits vorhandene Gehäuse einbauen können.
Zur Montage müssen Anwender den Click-in-Kontakteinsatz einfach in das Steckverbindergehäuse eindrücken, bis die beiden Verriegelungselemente sichtbar und hörbar im Gehäuse verrasten.
Ein federndes Erdungsblech ist kraftschlüssig mit dem Gehäuse verbunden. Es stellt die vibrationssichere Übertragung des Schutzleiters von einer Seite des Kontakteinsatzes auf die andere Seite sicher. Im Fall von metallischen Steckverbindergehäusen brückt das Gehäuse den Schutzleiter auf beiden Seiten des Kontakteinsatzes. Bei Kunststoffgehäusen der Serie Heavycon Evo übernimmt dies die im Gehäuse integrierte PE Brücke.
Um einen Click-in-Kontakteinsatz aus dem Gehäuse zu demontieren, werden die Verriegelungselemente mit einem Schraubendreher lediglich aufgeschwenkt. Die federnden Erdungsbleche erleichtern dann die Entnahme des Kontakteinsatzes.
Auf der Kabelseite beginnt die werkzeuglose Konfektionierung eines Kabelbaums mit der Verdrahtung des Kontakteinsatzes. Mit Aderendhülsen versehene flexible Leiter lassen sich federleicht von der Anschlussseite in den Kontakteinsatz stecken. Die bewährte Push-in-Anschlusstechnik stellt eine zuverlässige gasdichte Verbindung mit dem Leiter her, die dank Schenkelfeder-Technologie höchste Anforderungen an Schock- und Vibrationssicherheit erfüllt. Der Einbau in das Heavycon-Tüllengehäuse erfolgt sekundenschnell durch Verrastung der Click-in-Elemente. Bei der Kombination mit der Gehäuseserie Heavycon Evo ist auch am Kabelabgang kein Schrauben notwendig. Der Kabelabgang wird bei diesen Tüllengehäusen wahlweise in gerader oder seitlicher Richtung mittels Bajonettverriegelung montiert.
Die Verdrahtung des Kontakteinsatzes an der Schaltschrankwand einschließlich Schutzleiter-Anbindung kann entweder vor oder nach der Montage im Anbaugehäuse erfolgen. Sowohl die Montage des Kontakteinsatzes im Anbaugehäuse als auch die Verdrahtung mit Push-in-Technologie erfolgt werkzeuglos und lässt sich bei Bedarf gut automatisieren.
Adaption auf andere Steckgesicher möglich
Phoenix Contact bietet Kontakteinsätze mit Click-in-Technologie für die B-Serie in 6-, 10-, 16- oder 24-poliger Ausführung an. Eine zukünftige Adaption dieser Technologie auf andere Steckgesichter ist möglich.
Die Kontakteinsätze mit Click-in-Montage und Push-in-Anschlusstechnik sparen Zeit beim Konfektionieren von Kabelbäumen und Schaltschrank-Schnittstellen mit schweren Steckverbindern. So sind Konfektionierung und Verdrahtung komplexer Anlagen selbst bei kleinen Stückzahlen und hoher Varianz wirtschaftlich.
* Dipl.-Ing. (FH) Roberto Gilardoni ist Manager Produktmarketing schwere Steckverbinder bei der Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg.
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Stand: 08.12.2025
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