Sliding Gantry Schaeffler und Siemens: Erfolgreiche Zusammenarbeit bei Computertomographen-Fahrsystemen

Redakteur: Ute Drescher

Weil der Computertomograph erstmals von einem Raum in den anderen fahren kann, ist am Universitätsklinikum des Saarlandes jetzt jederzeit eine Notfalluntersuchung möglich, ohne dass der Klinikalltag ins Stocken gerät.

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(Bild: Schaeffler)

Bei der Behandlung von Schlaganfällen zählt jede Minute. Bei einem akuten ischämischen Schlaganfall, auch weißer Schlaganfall, ist der Blutfluss im Gehirn durch ein Gerinnsel gestört. Die einzige Therapie ist die Thrombolyse mittels eines Medikamentes (Gewebsplasminogen-Aktivator), dass das Gerinnsel auflöst. Die Patienten müssen jedoch vor Therapie eine Computertomographie des Gehirns erhalten, um festzustellen, dass der Schlaganfall wirklich von einem Gerinnsel verursacht wurde und nicht von einer Gehirnblutung.

Am Universitätsklinikum des Saarlandes in Saarbrücken sind die Mediziner, allen voran Prof. Dr. Reith, daher mehr als zufrieden mit einem neuen Fahrsystem für Computertomographen (CT), das eine ganz neue Nutzung ermöglicht. „Das CT kann in zwei Räumen mit zwei ortsfesten Patientenliegen eingesetzt werden, zwischen denen der Scanner verfahren werden kann“, erklärt Dr. Christoph Dickmann von Siemens Healthcare. Während bei einem Computertomographen normalerweise der Patient mit der Liege durch das Gerät fährt, bewegt sich bei dem sogenannten Sliding Gantry CT das Gerät während der Bildgebung über den Patienten, der auf einem fest eingestellten Tisch liegt, z.B. bei einer Operation.

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Prof. Dr. Reith vom Universitätsklinikum des Saarlandes lobt den großen wirtschaftlichen Fortschritt für die Kliniken: „Die Sliding Gantry ermöglicht es in dieser Form das erste Mal, einen einzigen Tomographen abwechselnd in zwei Zimmern einzusetzen. Der Durchsatz lässt sich erhöhen und für Notfälle steht jederzeit ein Schock- oder Interventionsraum mit CT bereit, ohne dass der klinische Alltag ins Stocken gerät.“

Zwei Partner – zwei Kompetenzen

Bei der Entwicklung des Fahrsystems für Computertomographen brachten Schaeffler Lineartechnik und Siemens Healthcare ihre Kernkompetenzen zusammmen: Siemens konzen­trierte sich auf CT-Gerät, Bildgebung und Scannersteuerung und Schaeffler auf die mechantronische Linearsystemlösung beim Fahrsystem. Dazu erklärte Henning Dombek, Leiter Systemlösungen bei Schaeffler Lineartechnik: „Mit der Übertragung der gesamten Lineartechnik an Schaeffler ging auch die Komplexität der dreidimensionalen Raumanpassung der Gantry in den Krankenhäusern in unsere Verantwortung über, wie beispielsweise die Längenvariabilität am Boden und an der Decke, die Anpassung an die Deckenhöhe und an den Bodenaufbau sowie die teleskopierbare Kabelsäule in mehreren Ausführungen.“

Ziel der beiden Entwickler-Teams war ein All-inclusive-Paket für die Sliding Gantry, das die Logistik für Siemens und für den Projektleiter möglichst einfach machen sollte. Siemens entschied sich dafür, die an individuelle Endkundenverhältnisse angepasste Lineartechnik und Kabelführungen bei Schaeffler in Homburg komplett aufbauen und testen zu lassen. Anschließend wurde das Fahrsystem verpackt und zu Siemens Healthcare nach Forchheim versandt.

Spagat zwischen Serie und Stückzahl 1

Innerhalb nur eines Jahres entwickelten die Ingenieure von Schaeffler und Siemens gemeinsam die Sliding Gantry. Die Besonderheit bei diesem Projekt bestand darin, dass jedes CT-Fahrsystem für sich ein Einzelstück darstellt – generiert aus einem Serien-Baukasten mit 1600 möglichen Varianten. Für Schaeffler Lineartechnik ergab sich die Herausforderung, trotz der hohen Varianz, dem Umfeld einer Baustelle und dem gesteckten Kostenrahmen eine Serienlösung zu entwickeln. „Am Schaeffler-Standort in Homburg haben wir beste Voraussetzungen, solch komplexe Projekte zu realisieren. Hier verfügen wir über das notwendige Know-how in allen Bereichen, angefangen von der Produktentwicklung, der Validierung, über den Einkauf, den Customer Service, dem Supply Chain Management bis zur Produktion vor Ort“, so Ralf Moseberg, Geschäftsleitung Lineartechnik.

Entlastung für den Hersteller

Die konstruktive aber auch logistische Aufteilung in das Kernprodukt des Maschinenherstellers und ein funktionsfertiges Linearsystem ist auch ein Modell für andere Maschinentypen. Es entlastet den Maschinenhersteller wesentlich von der Handhabung, Vormontage und Einstellung der Linearsystem-Komponenten im eigenen Werk, entlastet den Warenein- und -ausgang und vereinfacht den Versand. Für den Projektleiter vor Ort reduziert sich die Logistik auf ein Minimum – er kann sich auf den termingerechten Aufbau der vormontierten Subsysteme konzentrieren. (ud)

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