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Wärmemanagement

Schäden durch Schwingungen an Ventilatoren vermeiden

| Autor/ Redakteur: Hartmut Messerschmidt / Sandra Häuslein

Ein typischer Schaden bei Ventilatoren für Luft-, Kälte- und Klimatechnik sind zerstörte Motorlager. Ursache dafür sind oft Schwingungen, bedingt durch die Einbausituation. Wie Anwender diese vermeiden, lesen sie hier.

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Um den Ventilator von Schwingungen in der Umgebung zu entkoppeln, helfen Schwingelemente, also entsprechend ausgelegte Federn oder Gummibauteile.
Um den Ventilator von Schwingungen in der Umgebung zu entkoppeln, helfen Schwingelemente, also entsprechend ausgelegte Federn oder Gummibauteile.
(Bilder: EBM-Papst)

Das Herz schlägt, Flügel vibrieren, Musik wird erzeugt und empfangen – das Leben ist ohne Schwingungen kaum denkbar. Obwohl Schwingungen allgegenwärtig und nutzbringend angewendet werden, wirken sie an anderer Stelle zerstörerisch. Eine Unwucht an den PKW-Rädern lässt das Lenkrad wackeln und Vibrationen können Schraubverbindungen lösen oder Kugel- und Wälzlager beschädigen.

Vor resonanzbedingten Schäden sind auch Ventilatoren nicht gefeit, obwohl sie von den Herstellern bei der Fertigung nach allen Regeln der Kunst präzise ausgewuchtet werden, wie die Radipac-Baureihe von EBM-Papst. Eine entscheidende Rolle spielt die Einbausituation in der Anwendung und die lässt sich leider weder vorhersehen noch berücksichtigen. Durch den Einbau eines Ventilators in eine Anlage entsteht immer eine neue schwingfähige Anordnung mit einer spezifischen Strukturresonanzfrequenz.

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Des Weiteren ändert sich bei fester Einbauweise das Resonanzverhalten des Ventilators. Durch den mittlerweile verbreiteten Drehzahlregelbetrieb steigt die Wahrscheinlichkeit eines zeitweisen Betriebes in Resonanz deutlich. Weitere Einflüsse sind Transport und Handhabung. So darf das Laufrad nicht durch Stöße, ungeeignete Hebevorrichtungen usw. beschädigt, und die Ventilatoren nur auf geeigneten Unterlagen abgelegt werden. Nicht selten werden während des Betriebs Schwingungen von externen Anlagenteilen auf den Ventilator übertragen, z. B. von einem Kompressor. Im Betrieb können zudem noch Verschmutzungen am Laufrad zu einer Unwucht oder strömungsbedingte Oszillationen zu Schwingungen führen, z. B. wenn der Abstand zwischen Laufrad und Wand zu gering ist oder durch ungünstige Ansaugverhältnisse Verwirbelungen entstehen.

Ventilator von Schwingungen der Umgebung entkoppeln

Um den Ventilator von Schwingungen der Umgebung zu entkoppeln, helfen Schwingelemente, also entsprechend ausgelegte Federn oder Gummielemente. Allerdings gilt es bei ihrer Auswahl einiges zu beachten. Zusätzlich zur Eigenfrequenz des Ventilatoraufbaus selbst entsteht durch den Anbau von Schwingelementen ein weiteres Feder-Massen-System mit eigener Resonanzfrequenz. Beim Hochlauf werden drei schwingungstechnisch relevante Bereiche durchfahren: Im Bereich unter der Resonanzfrequenz liegt die Schwingstärke unterhalb des zulässigen Grenzwertes von 3,5 mm/s (gemäß ISO 14694). Ein Betrieb des Ventilators ist in diesem Bereich möglich, allerdings sind die Schwingelemente hier physikalisch bedingt wirkungslos.

Im daran anschließenden Resonanz-Drehzahlbereich liegt die Schwinggeschwindigkeit teilweise deutlich über dem zulässigen Grenzwert. Das Gerät nimmt zwar nicht unmittelbar Schaden, aber ein längerer Betrieb in diesem Bereich reduziert die Gesamtlebensdauer. Außerdem kommt es zu einer starken Geräuschentwicklung. Dieser Drehzahlbereich ist also so schnell wie möglich zu durchfahren und ein dauerhafter Betrieb sollte unbedingt vermieden werden.

Die richtigen Schwingelemente auswählen

In ausreichendem Abstand zur Resonanzspitze beginnt dann der Drehzahlbereich, in dem der Schwingungspegel deutlich unterhalb des Grenzwertes liegt. Nur in diesem Bereich, oberhalb der Mindestdrehzahl, können die Schwingelemente den Ventilator von der Anlage bzw. dem Gebäude schwingungstechnisch isolieren. Um die richtigen Schwingelemente auszuwählen, muss also die Betriebsdrehzahl des Ventilators in der Anwendung bekannt sein. Im Katalog findet man für jeden Ventilator bereits richtig dimensionierte Schwingelemente und die zugehörige Mindestdrehzahl.

Wie geschildert, gibt es eine ganze Reihe von Gründen und Einflüsse, welche zu überhöhten Schwingungspegeln führen können, die aber weder alle vorhersehbar und oft nicht vermeidbar sind. Deshalb sollte nach dem Einbau des Ventilators in die Anwendung immer eine Schwingungsmessung, bzw. Resonanzstellensuche im ganzen Drehzahlregelbereich durchgeführt werden. Auf diese Weise erhält man einen Gesamteindruck vom Schwingungsverhalten der Anlage und erkennt dabei alle unvorhersehbaren Einflüsse und auch eventuelle Fehler, die bis zur Inbetriebnahme unbeabsichtigt eingeflossen sind. Im Blick auf das Erreichen einer langen Lebensdauer ist dies notwendig, denn die Folgen einer zu hohen Schwingstärke z. B. in Folge einer Strukturresonanz oder ungeeigneter Schwingelemente können verheerend sein. Falsch dimensionierte Schwingelemente verhindern zudem die Übertragung von Körperschall nur unzureichend. Dies kann die gesamte Lüftungsanlage in Vibration versetzen, was zu einem hohen Geräuschpegel und durch Rückkopplungseffekte zu einer Beschädigung des Ventilatorlagersystems führt.

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Regelmäßige Schwingungsüberprüfung

Wegen der möglichen Einflüsse während des Betriebes, z. B. Anlagerung von Staub, muss man diese Schwingungsüberprüfung immer wieder durchführen, mindestens innerhalb den in der Betriebsanleitung geforderten Zeitabständen.

Die Experten von EBM-Papst stehen den Kunden beratend zur Seite, denn schwingungstechnische Aspekte beim Ventilatoreneinbau zu beachten lohnt sich. Richtig installierte Ventilatoren arbeiten über die gesamte Betriebszeit zuverlässig, unerwartete Ausfälle werden vermieden und der Anwender profitiert von einer geringen Geräuschemission.

Schwinganalyse der Radipac-Radialventilatoren

Für die Schwinganalyse der Radipac-Radialventilatoren empfiehlt EBM-Papst beispielsweise die Messung der Vibration in allen drei Achsen, zumindest jedoch in zwei Achsen radial zur Drehachse bzw. axial, mit einem üblichen Schwingungsmessgerät. Werden bei den Messungen Bereiche mit zu hohen Schwingungen festgestellt, kann der Ventilator z.B. mobil nachgewuchtet werden. Im Idealfall unterstützt das Schwingungsmessgerät auch eine mobile Wuchtung. Reicht diese Maßnahme nicht aus, lässt sich die Anlage durch konstruktive Maßnahmen, z.B. durch Verstärkungsstreben modifizieren.

Prüfen kann man auch, ob die Schwingelemente korrekt arbeiten und die Mindestdrehzahl nicht unterschritten ist. Sind mehrere Ventilatoren im Einsatz, sollte man zudem auf ausreichend Abstand zueinander achten und dafür sorgen, dass sie sich nicht gegenseitig beeinflussen. Alternativ lassen sich die bei der Messung ermittelten Bereiche zu hoher Schwingwerte durch die Drehzahlsteuerung der Anlage meiden.

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* Hartmut Messerschmidt ist Abteilungsleiter Anwendungsentwicklung bei EBM-Papst in Mulfingen

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