Robotik Bühne frei für die humanoiden Roboter

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Jetzt hat sie geschlagen – die Stunde der menschenähnlichen Roboter. Die „Humanoiden“ haben kürzlich auf World Artificial Intelligence Conference (WAIC) in Shanghai allen anderen Robotern die Show gestohlen.

Die jüngsten Fortschritte auf dem Feld der künstlichen Intelligenz könnten eine völlig neue Epoche für humanoide Roboter einleiten, glaubt man in China.(Bild:  Tatiana - stock.adobe.com)
Die jüngsten Fortschritte auf dem Feld der künstlichen Intelligenz könnten eine völlig neue Epoche für humanoide Roboter einleiten, glaubt man in China.
(Bild: Tatiana - stock.adobe.com)

Selbstbewusst wie ein Fashion-Model lief der pechschwarze Zweibeiner „GR-1“ des chinesischen Start-ups Fourier Intelligence auf seinen zwei schlanken Beinen über die Flure der Messe. Der 1,65 Meter große Roboter wiegt selbst 55 Kilo, kann Gewichte von bis zu 50 Kilo tragen und läuft mit einer Geschwindigkeit von bis zu 6,5 km/h.

Die jüngsten Fortschritte auf dem Feld der künstlichen Intelligenz, vor allem von Large Language Models (LLM) wie Chat-GPT, könnten eine „völlig neue Epoche“ für humanoide Roboter einleiten, glaubt der Erfinder des GR-1, Alex Gu. „LLM wird Robotern die die Fähigkeit zum logischen Denken geben und sie viel menschenähnlicher machen,“ sagte Gu in einem Interview mit der South China Morning Post.

Zeitnahe Serienfertigung geplant

Bis Ende dieses Jahres will Gu mit der Serienfertigung seiner Roboter beginnen und hofft, nächstes Jahr bereits Tausende davon auszuliefern. Mit diesem Zeitplan hätte er dann sogar Elon Musk geschlagen, der seinen humanoiden Prototypen „Optimus“ vergangenes Jahr auf der Bühne tanzen ließ. Mögliche Anwendungen für den Humanoiden sieht der chinesische Erfinder in der Altenpflege, im Erziehungswesen und beim Gästeempfang an der Rezeption.

Das Start-up Fourier Intelligence, benannt nach dem französischen Mathematiker und Physiker Joseph Fourier aus dem 19. Jahrhundert, hatte eigentlich mit dem Bau von Computer-gesteuerten medizinischen Prothesen begonnen, die es Patienten ermöglichen, ihre paralysierten Arme und Beine wieder zu bewegen. Diese Erfahrung erwies sich als nützlich, als Alex Gu, der an der Jiatong-Universität in Shanghai Maschinenbau studiert hat, seinen Traum vom zweibeinigen Roboter zu verfolgen begann. „Viele Technologien, die in Rehabilitationsrobotern angewendet werden, sind im Wesentlichen auch für humanoide Roboter geeignet,” sagt Gu. „Humanoide Roboter brauchen sehr gute Motoren, die ebenso leistungsstark wie leicht sind,“ sagt der Erfinder.

Alex Gu erinnert sich noch gut an den Moment, als sein GR-1 nach mehrjährigen Experimenten in einem kleinen Workshop in Shanghai erstmals aufstand. Es war eine bewegende Erfahrung für das ganze Team von Ingenieuren:

Es fühlte sich an, als ob man ein neugeborenes Baby aufzieht.

Roboter werden immer smarter

Auch auf der World Robot Conference (WRC 2023) in Peking waren Mitte dieses Monats mehr als ein Dutzend humanoide Roboter zu bewundern. Zum Beispiel der 1,80 Meter große, mit Laser-Radar ausgestattete Humanoid „Unitree H1“. Er kann einen Tritt antizipieren und entsprechend ausweichen. Wird er umgestoßen, so findet er sehr schnell wieder auf die Beine. Unitree H1 war so beeindruckend, dass der Messebesucher Andrej Karpathy, ein Mitgründer von Open-AI, dem Entwickler von Chat-GPT, ihn gleich mit nach Hause nehmen wollte.

Ich will einen. Oder zwei. Ein paar davon!

Karpathy zu einem Reporter der Nachrichtenagentur Xinhua

Der chinesische Tech-Konzern Xiaomi zeigte auf der Pekinger Messe seinen „Cyberone“, einen 1,70 Meter großen Humanoiden, der die Gefühle seines Gegenübers entdecken kann. Der Hersteller von Handys und Elektrogeräte plant, ihn in seinen Fabriken bei der Fertigung einzusetzen. Das ist eine ähnliche Vision wie die von Elon Musk. Sein Optimus soll den Menschen auch bei „langweiligen, repetitiven oder gefährlichen Aufgaben“ helfen.

Doch dank der neuen Large Language Models werden die Roboter nun auch immer smarter, was das Interesse an ihrer Entwicklung und auch das Interesse von Investoren neu belebt hat.

Sollte es Fourier Intelligence in Shanghai tatsächlich beginnen, ab Ende dieses Jahres oder im nächsten Jahr Tausende von humanoiden Robotern zu fertigen, dann wäre dies nach jetzigem Stand der Beginn der industriellen Kommerzialisierung dieser Spezies, die bislang nur als Prototyp oder in Science-Fiction-Filmen unterwegs war.

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

(ID:49684227)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung