Motoren Präzision ist unser Antrieb

Redakteur: Karl-Ullrich Höltkemeier

Mit hoher Qualität, Hartnäckigkeit und einer Prise Heimatliebe schaffte es ein norddeutsches Familienunternehmen in zehn Jahren, zu einem anerkannten Hersteller von Antriebstechnik weltweit zu werden. konstruktionspraxis machte einen Jubiläumsbesuch in Bremerhaven

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1 Die Verwendung von einheitlichen Komponenten ermöglicht 30.000 verschiedene Produktkombinationen für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen. (Bild: Bilder: ROTEK)
1 Die Verwendung von einheitlichen Komponenten ermöglicht 30.000 verschiedene Produktkombinationen für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen. (Bild: Bilder: ROTEK)

Erfolgsgeschichten verlaufen nicht geradewegs aufwärts und am Ende hat der Erfolg meist mehrere Väter. Der Aufstieg des Bremerhavener Elektromotorenherstellers ROTEK zu einem anerkannten Spezialisten für individuell gefertigte hochwertige Synchron-Kleinmotoren und Getriebemotoren für spezifische Einsatzgebiete ist ein gutes Beispiel dafür.

Seit seiner Gründung im Jahr 2000 wuchs das Unternehmen jährlich mit deutlich zweistelligen Raten und produziert mittlerweile viermal so viele Motoren wie zu Beginn. Zugleich stieg die Mitarbeiterzahl auf das Dreifache. Höhen und Einbrüche wechselten sich ab, vor allem in den letzten drei Jahren. Das flexible Familienunternehmen hat es in dieser Zeit gelernt, mit Unwägbarkeiten umzugehen. Heute liefert das Unternehmen seine energieeffizienten Motoren in viele Länder Europas und sogar nach China.

Start mit Hindernissen

Am Anfang jedoch standen jahrelange vergebliche Versuche, einen örtlichen Motorenhersteller zu übernehmen, erinnern sich die Firmengründer Wilfried Treusch und seine beiden Söhne Rolf und Klaus. Der 73-jährige Wilfried Treusch, Elektrotechnikingenieur und ehemaliger Professor für Mess-, Regelungs- und Steuertechnik an der Hochschule Bremerhaven, hatte in den 70er-Jahren bei einem Motorenhersteller in Süddeutschland gearbeitet und traf etwa 20 Jahre später einen seiner ehemaligen Kollegen wieder. Als dieser ihn ansprach, ob er nicht in sein Unternehmen einsteigen wolle, das er inzwischen in Bremerhaven gegründet hatte, schien das Angebot sehr verlockend. Wenn, dann wollte er das aber nicht allein tun.

Sohn Rolf hatte damals gerade sein Wirtschaftsstudium beendet und suchte nach einem interessanten Aufgabengebiet. Als dritter im Bunde sollte zudem sein Bruder Klaus einsteigen, der als studierter Elektrotechniker sein technisches Fachwissen einbringen konnte. „Das hätte sicher gut gepasst“, ist Klaus Treusch überzeugt. Doch als man sich auch nach fünf langen Jahren nicht mit dem Eigentümer einig werden konnte, gaben die drei ihr Projekt zunächst auf.

Doch Aufgeben war für die Familie Treusch langfristig keine Option. Weiter auf der Suche trafen die Jungunternehmer in spe im Jahr 1999 auf den Inhaber eines anderen lokalen Motorenherstellers, der sein Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben wollte, Paul Hasselbach. Dieser hatte 1984 begonnen, in einer leer stehenden kleinen Halle selbst entwickelte Motoren zu bauen, und war 1998 mit sieben Fertigungs-Mitarbeitern in das ehemalige Bank- und Postgebäude US-Garnison Bremerhaven umgezogen. Die Amerikaner wurden 1993 aus der Carl-Schurz-Kaserne im Norden von Bremerhaven abgezogenen, danach wurden die Liegenschaften gewerblich genutzt.

Zwei Jahre später besichtigten die Treuschs dieses Firmengebäude sowie die Geschäftsunterlagen – und schon innerhalb einer Stunde besiegelte ein Handschlag den Firmenübergang.

Starke Grundlage

Paul Hasselbach sei einer der Väter des heutigen ROTEK-Erfolgs, so Rolf Treusch, der in der Führungs-Troika des Unternehmens für das Kaufmännische zuständig ist: „Er hat die technischen Grundlagen geschaffen, die Maschinen zusammengestellt und laufend überholt“, erklärt er weiter „auch das Baukastensystem bestand schon. Wir haben es gestrafft und neuen Markterfordernissen angepasst.“ Viele Mitarbeiter blieben dem Unternehmen nach der Übernahme treu und fertigen heute noch Motoren für ROTEK. „Auch Paul Hasselbach kam bis zu seinem 75. Geburtstag im letzten Jahr regelmäßig in die Firma und stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite“, berichtet Rolf Treusch. Allerdings musste das Firmengebäude an der Coloradostrasse mittlerweile zum dritten Male erweitert werden.

Bis es soweit kommen konnte, mussten die neuen Firmeninhaber jedoch zunächst die Fertigungsabläufe neu organisieren, kontinuierlich den Maschinenpark erweitert, die kaufmännische Abwicklung der Geschäfte modernisieren, zahlreiche Produktdetails neu entwickeln und die Kommunikation auf eine neue Basis stellen. Dazu gehörten auch die Entwicklung einer Corporate Identity, die der hohen Qualität des Produktes entspricht und Investitionen in die Marke.

Extraschnelle Sonderfälle

Das Baukastensystem mit inzwischen mehr als 60.000 Standardvarianten lässt kaum Wünsche offen. Brauchen Kunden aber etwas ganz Besonderes, sind sie bei ROTEK garantiert an der richtigen Adresse.

„Eine Spezialität des Unternehmens sind individuelle Sonderausführungen in kleinen Mengen“, erzählt Klaus Treusch, der den Bereich Technik verantwortet: „Jeder Kunde bekommt den Motor, den er braucht. Wenn zum Beispiel jemand einen Antrieb für 127 Volt bei 60 Hertz benötigt oder einen Drehstrommotor für 24 Volt, dann machen wir eben die passende Wicklung.“ ROTEK produziert die Motoren mit größter Fertigungstiefe selbst, bis hinab zur eigenen Magnetisierung der einzelnen Rotormagnete, der Verzahnung von Motorwellen und der Bearbeitung der Druckgussteile. „Diese hohe Flexibilität, unbürokratische Abwicklung und kurze Lieferzeiten wissen unsere Kunden zu schätzen,“ ist Rolf Treusch sich sicher.

Die Motoren zeichnen sich besonders durch konstante Drehzahl, kurze Start- und Stoppzeiten sowie ein Selbsthaltemoment im stromlosen Zustand aus. Ein wichtiger Kundenkreis sind die Hersteller von Holzpelletheizungen. Ein weiteres Drittel des Umsatzes macht das Unternehmen mit Herstellern von Stellantrieben für Ventile und Klappen, den Rest mit zahlreichen Kunden in ganz Europa, etwa mit Herstellern von industriellen Teile-Reinigungsanlagen, Dosiergeräten oder Supermarktschranken.

(Teil 2 mit weiteren Infos)

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