Faszination Technik Mit intelligentem Hydrogel gegen Mikroplastik

Quelle: Leibniz Universität Hannover 2 min Lesedauer

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In unserer Rubrik „Faszination Technik“ stellen wir Konstrukteuren jede Woche beeindruckende Projekte aus Forschung und Entwicklung vor. Heute: wie ein intelligentes Material Kunststoffpartikel aus Gewässern sammelt und abbaut.

Ein Forschungsteam der Leibniz Universität Hannover arbeitet an einer umweltfreundliche Technologie, um Kunststoffpartikel mit intelligentem Material abzubauen. (Bild: ©  PSergey - stock.adobe.com)
Ein Forschungsteam der Leibniz Universität Hannover arbeitet an einer umweltfreundliche Technologie, um Kunststoffpartikel mit intelligentem Material abzubauen.
(Bild: © PSergey - stock.adobe.com)

Meere, Seen und Flüsse sind voll davon: Mikroplastik ist mittlerweile in nahezu allen Gewässern zu finden. Forschende der Leibniz Universität Hannover (LUH) haben nun ein neuartiges Material entwickelt, das potenziell Mikroplastikpartikel in Gewässern selbstständig aufnehmen und abbauen kann – ganz ohne externe Steuerung.

Ein Schwimmkörper mit Köpfchen

Die Belastung von Umwelt und Organismen durch Mikroplastik gilt als eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit. Die winzig kleinen Kunststoffpartikel können in lebenden Organismen Entzündungen und oxidativen Stress verursachen. Bisherige Verfahren zur Entfernung dieser Partikel beruhen häufig auf stationären Filtersystemen, deren Einsatz mit hohem Kosten- und Energieaufwand verbunden ist.

Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Sebastian Polarz am Institut für Anorganische Chemie (ACI) der LUH hat nun ein intelligentes Material entwickelt, das neue Wege in der Umweltsanierung eröffnet: ein Hydrogel, das wie ein selbstregulierendes Shuttle Mikroplastikpartikel aufnimmt, an die Wasseroberfläche transportiert und dort unter Lichteinwirkung abbaut – und das in einem wiederholbaren, autonomen Zyklus.

Das Grundprinzip ist einfach: Das Hydrogel wird in das verunreinigte Wasser gegeben, sinkt zu Boden, sammelt dort die Mikroplastik-Partikel ein und steigt wie ein Shuttle wieder nach oben an die Wasseroberfläche. Dort werden die Kunststoffteilchen – unter anderem durch die Einwirkung der Sonne – zersetzt:

  • Das neu entwickelte Shuttle-Gel vereint ein thermoresponsives Polymer, poröse Organosilikatpartikel und einen Photokatalysator.
  • Bei niedrigen Temperaturen am Gewässerboden quillt das Polymer auf und nimmt Mikroplastik sowie Glukose, die in geringen Konzentrationen in Gewässern vorhanden ist, auf.
  • Ein eingebettetes Enzym wandelt die Glukose in Sauerstoff um, der in den Poren gespeichert wird und dem Gel Auftrieb verleiht. Wird genug Gas gebildet, steigt es an die Oberfläche. „Das funktioniert ein bisschen wie bei einem Heißluftballon unter Wasser“, erklärt Kollofrath.
  • An der Oberfläche erwärmt sich das Hydrogel, schrumpft und gibt die Gasblasen wieder frei – der Auftrieb verschwindet, und das Gel sinkt ab.
  • Gleichzeitig produziert der Photokatalysator unter Lichteinwirkung reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die das Mikroplastik zersetzen.
  • Durch diesen selbsttätigen Wechsel zwischen Auf- und Abstieg reinigt das Gel das Wasser kontinuierlich.
Im Idealfall wären nur noch Wasser und CO₂ übrig.

Dr. Dennis Kollofrath vom ACI, Erstautor der Studie

Ein flexibles Werkzeug für die Umwelttechnik

Bislang ist das Gel ein Prototyp, die ersten Tests im Labormaßstab seien jedoch vielversprechend.

„Unser System vereint mehrere Funktionen in einem einzigen Material: ein autonomes Antriebsystem sowie die Aufnahme und gezielte Zersetzung von Schadstoffen – und das alles ohne externe Steuerung“, erklärt Kollofrath. In der aktuellen Studie wurde stellvertretend die Zersetzung von Polystyrol untersucht. Besonders hervorzuheben sei die hohe Anpassungsfähigkeit des Konzepts: Die eingesetzten Nanopartikel lassen sich prinzipiell so verändern, dass sich auch andere Schadstoffe – wie Polyethylen oder PET – gezielt entfernen lassen.

Der Beitrag wurde jüngst in Nature Communications veröffentlicht: Kollofrath, D.; Kuhlmann, F.; Requardt, S.; Krysiak, Y.; Polarz, S. A Self-Regulating Shuttle for Autonomous Seek and Destroy of Microplastics from Wastewater. Nat Commun 2025, 16 (1), 6707. doi

(ID:50524316)

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