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Nachgefragt bei Michel Martinel: „Störquellen ermitteln und eliminieren.“

Michel Martinel ist Territory Application Business Development Manager Energy Efficiency für Deutschland, Österreich, Schweiz bei Socomec.
Michel Martinel ist Territory Application Business Development Manager Energy Efficiency für Deutschland, Österreich, Schweiz bei Socomec.
(Bild: Bild: Socomec)

Welche Daten kann Socomecs Messlösung Diris Digiware konkret liefern?

Als Basisfunktionalität erfasst unsere Messlösung kontinuierlich Spannung, Strom und Leistung aller einphasigen und dreiphasigen Verbraucher. Zudem werden Strom und Spannung überwacht und deren Qualität analysiert. Für alle Werte können dann beispielsweise Lastkurven, Trends oder Durchschnittswerte ermittelt, Schwellwerte und Grenzwerte definiert und Alarmierungen für Über- und Unterschreitungen eingerichtet werden. Damit übernimmt Diris Digiware über das reine Zählen und Erfassen bei der Versorgung der Verbraucher hinaus auch eine Bediener-Schutzfunktion vor gefährlichen Spannungen.

Wie geht es weiter, wenn die Daten vorliegen?

Nach dem Zählen und Erfassen der Datenbasis werden die Daten von einem Webbrowser oder von DCIM-Softwaresystemen dargestellt und für die weitere Analyse durch den Anwender vorbereitet. In unserem Fall geschieht das zum Beispiel mit dem bereits integrierten Webbrowser Vertelis Webview und dem optionalen Softwaresystem Vertelis Hyperview.

Wie lässt sich mit Hilfe der Daten letztendlich Energie sparen?

Grundsätzlich geht es für den industriellen Anwender beim Einsatz eines Messsystems darum, die kontinuierliche Energieversorgung der Verbraucher zu gewährleisten. Mit den Überwachungs- und Analysefunktionen schafft das Messsystem aber auch die Voraussetzungen, um weitere Ziele im Unternehmen zu erreichen, die immer wichtiger werden. Dazu gehört beispielsweise, dass Transparenz beim Verbrauch geschaffen werden muss, dass Stromkosten reduziert und Strafzahlungen für Blindenergie vermieden werden sollen. Ein anderes Ziel kann sein, in Netzen mit vielen Oberwellen die Lebensdauer der Verbraucher zu erhöhen. Oder es sollen Störquellen ermittelt und eliminiert werden.

Können Sie ein konkretes Beispiel aus der Praxis nennen, bei dem Diris Digiware dazu beigetragen hat, eine Maschine/Anlage energieeffizienter zu machen?

In einem Industriebetrieb in Deutschland mit mehr als 80 Standorten und mehr als 1000 Messpunkten wurde Diris Digiware für die Erweiterung der Messinfrastruktur eingesetzt. Dabei wurden an einem der Standorte knapp 40 neue Messpunkte innerhalb eines Arbeitstages ohne Abschaltung der Last und damit ohne Unterbrechung oder Störung des Produktivbetriebes installiert. Mit diesen neuen Messpunkten konnte das Unternehmen innerhalb von nur drei Monaten nach der Inbetriebnahme den Verbrauch um 10 % senken, weil die Analyse gezeigt hat, dass Verbraucher im Betrieb und an der Peripherie zeitweise abgeschaltet werden können. Die Daten für die Produktion sind noch in der Auswertung, aber auch hier zeichnen sich Einsparmöglichkeiten ab, beispielsweise durch die Verschiebung von Lastspitzen. Industrieverbände gehen davon aus, dass das Potenzial je nach Branche bei bis zu 30 % liegt.

Im Text geht es darum, Bestandsanlagen mit Messsystemen nachzurüsten. Wie sieht es bei neuen Maschinen und Anlagen aus – sind diese standardmäßig mit solchen Messstellen ausgestattet?

Die einzelnen Maschinen und Systeme enthalten in der Regel keine Messstellen ab Werk, sie müssen bei der Konzeption einer neuen Anlage auf Grundlage eines Messstellenkonzeptes mit eingeplant oder, in Bestandsanlagen, nachgerüstet werden. Unsere Lösung eignet sich für beide Vorgehensweisen, wobei beim Neubau das Einsparpotenzial noch höher liegt, da bereits von vorne herein die normgerechte Positionierung und die Anzahl der Messstellen bei der Montage im Werk berücksichtigt werden können. Beim Retrofit helfen dann teilbare und flexible Sensoren, dass das Ergebnis optimal ausfällt.

Was ist bei der Konzeption einer Anlage zu beachten, wenn sie mit solchen Messstellen ausgestattet werden soll?

Die richtige Planung ist ausschlaggebend für den Erfolg der Analyse und die Höhe der Einsparungen, die am Ende erreicht werden können. Je nach Industrie fallen die Planungen unterschiedlich aus, dafür gibt es auch branchenspezifische Informationsquellen und Hilfestellungen. Als Grundlagen für die Auditierung eines im Industriebetrieb eingesetzten Energiemanagementsystems sollte die DIN EN ISO 50001 und zur Verbesserung der Energieeffizienz die DIN EN 16247-1 herangezogen werden.

Vielen Dank, Herr Martinel.

* Steffen Breiter ist Marketing Manager Deutschland/Österreich bei der Socomec GmbH

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