Robotik

Mensch-Roboter-Zusammenarbeit für Industrie und Pflege

| Redakteur: Lilli Bähr

Unter welchen Bedingungen Mensch-Roboter-Kollaboration ein Gewinn für die Beschäftigten sein kann, demonstrieren zwei Forschungsprojekte.
Unter welchen Bedingungen Mensch-Roboter-Kollaboration ein Gewinn für die Beschäftigten sein kann, demonstrieren zwei Forschungsprojekte. (Bild: Ludmilla Parsyak, Fraunhofer IAO)

Wie Mensch-Roboter-Arbeitsplätze mitarbeiterzentriert gestaltet werden können, stellten nun zwei Forschungsprojekte vor. Mensch-Roboter-Arbeitsplätze für schwerbehinderte Produktionsmitarbeitende und Serviceroboter zur Unterstützung von Pflegekräften zeigen, wie das Gestaltungsziel „Robotik für den Menschen“ konkret umgesetzt werden kann.

Die beiden Forschungsprojekte Serodi und Aquias stellten in ihrer gemeinsamen Abschlusstagung vor, wie Mensch-Roboter-Arbeitsplätze mitarbeiterzentriert gestaltet werden können. Demonstratoren für die stationäre Pflege sowie die Industrierobotik zeigen, wie das Gestaltungsziel „Robotik für den Menschen“ konkret umgesetzt werden kann. Die gemeinsame Abschlusstagung der Forschungsprojekte Serodi und Aquias fand am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart statt.

Mensch-Roboter-Kollaboration gestalten – Aufgaben des Menschen erhalten

Während im Projekt Aquias Mensch-Roboter-Arbeitsplätze für schwerbehinderte Produktionsmitarbeitende in der Montage und Qualitätskontrolle gestaltet wurden, entwickelte das Projekt Serodi Serviceroboter zur Unterstützung von Pflegekräften in Krankenhäusern und Altenheimen. Beide Projekte konnten das Ziel umsetzen, dass Roboter den Menschen in seiner Arbeit wirkungsvoll unterstützen. Nur körperlich oder psychisch belastende Aufgaben wandern vom Menschen zum Roboter. Alle weiteren Aufgaben verbleiben beim Menschen und sichern so den Erhalt abwechslungsreicher Arbeitsanforderungen sowie den Erhalt der Tätigkeit als solcher.

Projekt Aquias – Teilhabe in der Produktion durch MRK

Um breiten Beschäftigtengruppen die Teilhabe an attraktiver Arbeit in der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) zu erschließen, ging das Projekt Aquias einen besonderen Weg:

Im ersten der beiden Pilotbereiche wurde der mobile Produktionsassistent „Apas Assistant“ der Bosch-Gruppe in der Integrationsfirma Isak gGmbH eingesetzt. In diesem Unternehmen arbeiten schwerbehinderte Produktionsmitarbeiter mit sehr individuellen Leistungseinschränkungen in der Montage. „Ziel war es, den MRK-Arbeitsplatz so zu gestalten, dass nur ergonomisch belastende Aufgaben vom Mitarbeiter zum Roboter wandern. Alle anderen Aufgaben bleiben beim Menschen“, erklärt David Kremer, der das Projekt Aquias koordiniert.

BUCHTIPPDas Buch „Industrieroboter“ ist ein Handbuch für KMU mit Tipps und Tricks zum Thema Robotereinsatz. Es werden die wichtigsten Grundlagen der Robotertechnik vermittelt und Methoden erläutert, wie bewertet werden kann, ob sich ein Produkt oder Prozess durch Robotereinsatz automatisieren lässt.

Im zweiten Pilotbereich setzte Bosch den mobilen Produktionsassistenten „Apas Assistant“ in der eigenen Produktion ein. Hier unterstützte der Roboter die anspruchsvolle Handhabung und Qualitätsprüfung schwerer Aluminiumblöcke. Zielgruppe waren Mitarbeiter mit und ohne Leistungseinschränkungen. Die Erfahrungen aus dem ersten Pilotbereich der Firma Isak flossen hier ein.

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10.05.17 - Dem Menschen attraktive Aufgaben geben, statt ihn durch Roboter zu ersetzen - das ist die Devise des Forschungsprojektes Aquias. In einer kleinen Firma nahe Stuttgart wurde jetzt der erste Mensch-Roboter-Arbeitsplatz vorgestellt, der das konkret umsetzen will – und sogar auf die Bedürfnisse behinderter Mitarbeiter eingeht. lesen

Projekt Serodi – Servicerobotik zur Unterstützung in der Pflege

Die stationäre Pflege leidet unter den Folgen des demographischen Wandels. Immer mehr älteren und pflegebedürftigen Menschen stehen immer weniger potenzielle Nachwuchskräfte gegenüber. Langzeiterkrankungen und eine hohe Fluktuation des Personals sind laut Institut bereits heute die Folgen. Im Rahmen des Projekts „Servicerobotik zur Unterstützung bei personenbezogenen Dienstleistungen (Serodi)“ wurde deshalb an neuen Service-Roboterlösungen gearbeitet, die Mitarbeiter aus dem Pflegebereich körperlich und informatorisch entlasten sollen.

Zu diesem Zweck entwickelten die Projektpartner zwei neue Roboterlösungen, die in jeweils zwei mehrwöchigen Testphasen in einem Krankenhaus sowie zwei Altenheimen getestet wurden. Der „intelligente Pflegewagen“ navigiert autonom, das heißt, die Pflegekraft kann ihn per Smartphone an den gewünschten Einsatzort bestellen und er fährt dann selbstständig dort hin. Über den integrierten Touchscreen soll das Personal einfach dokumentieren können, welche Pflegeutensilien entnommen wurden.

Ebenfalls getestet wurde der „robotische Service-Assistent“. Er kann mit verschiedenen Snacks und Getränken befüllt werden und diese Bewohnern oder Patienten anbieten. Dies soll nicht nur das Pflegepersonal entlasten, sondern auch die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen fördern.

Wie die zwei Roboterlösungen das Personal entlasten können, zeigt das Fraunhofer IPA in folgendem Video:

Zukunftspotenzial der Mensch-Roboter-Zusammenarbeit

Am 25. September 2018 fand die gemeinsame Abschlusstagung der Forschungsprojekte Serodi und Aquias am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart statt. Neben den Vorführungen mehrerer Demonstratoren für Mensch-Roboter-Arbeitsplätze vermittelten Vorträge aus beiden Projekten, unter welchen Bedingungen Mensch-Roboter-Kollaboration ein Gewinn für die Beschäftigten sein kann. In einer Podiumsdiskussion bewerteten Experten die Zukunftsszenarien beider Projekte und diskutierten die Potenziale, die der Robotereinsatz in Industrie und stationärer Pflege für Beschäftigte, Arbeitgeber und die Gesellschaft bietet.

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