Safety Neue Sicherheitstechnologien für MRK

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Forschende am Fraunhofer IFF mit PARU und Computer-Aided Safety (CAS) erstmals Sicherheitstechnologien und Planungstools für die enge Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) vor, die auch KI-generierte Bewegungen von Robotern absichern können.

Die patentierte PARU-Sicherheitstechnologie erzeugt sichtbare Lichtvorhänge um den Arbeitsraum des Roboters. Die blau beleuchteten Sicherheitslinien passen sich dynamisch an die Bewegungen der Maschine an und ermöglichen eine sichere Interaktion zwischen Mensch und KI-gesteuerten Robotern.(Bild:  Fraunhofer IFF)
Die patentierte PARU-Sicherheitstechnologie erzeugt sichtbare Lichtvorhänge um den Arbeitsraum des Roboters. Die blau beleuchteten Sicherheitslinien passen sich dynamisch an die Bewegungen der Maschine an und ermöglichen eine sichere Interaktion zwischen Mensch und KI-gesteuerten Robotern.
(Bild: Fraunhofer IFF)

Mit neuen KI-basierten Lösungen verleihen Forschende am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF Robotern die notwendigen kognitiven Fähigkeiten, um in unstrukturierten, sich verändernden Umgebungen autonom zu agieren und um komplexe Prozesse wie die Montage und Demontage im industriellen Umfeld oder die Handhabung von Objekten im Pflegebereich zu automatisieren. Projektions- und kamerabasierte Sicherheitstechnologien ermöglichen es Robotern mit KI-basierter Bewegungssteuerung, zuverlässig auf Veränderungen zu reagieren, sich an neue Aufgaben anzupassen und die Anwendung sicher zu betreiben. Damit eröffnet sich ein breites Spektrum neuer Anwendungsfelder, die bisher der konventionellen, auf spezifische, eng definierte Aufgaben beschränkten Robotik verschlossen blieben.

Überwachung von Arbeitsräumen

Doch noch steht die kognitive Robotik vor einer Herausforderung: Aktuell gibt es keine Möglichkeit, KI-generierte Bewegungen von Robotern unter Einhaltung der Sicherheitsnormen abzusichern. Damit KI-basierte Roboter mit Menschen in einer sicheren Umgebung interagieren können, haben die Forschenden am Fraunhofer IFF mit PARU eine neue, patentierte Technologie zur Überwachung von Arbeitsräumen entwickelt.

PARU nutzt moderne Projektor- und Kameratechnik, um sichtbare Warn- und Schutzfelder direkt um die Maschine herum zu projizieren und das Eindringen von Personen in die Sicherheitszonen zu erkennen. „Nach der Kalibrierung des Projektors und der beiden Kameras werden zunächst virtuelle Erwartungsbilder generiert. Anschließend projiziert der Projektor einen sichtbaren Lichtvorhang um den Roboter und das zu greifende Bauteil gemäß der Abstandsformel aus der relevanten Norm ISO/TS 15066. Dieser Lichtvorhang visualisiert als Sicherheitslinie den Mitarbeitenden den Schutzraum, der nicht vom Menschen verletzt werden darf“, erklärt Prof. Dr. Norbert Elkmann, Leiter der Abteilung Robotersysteme am Fraunhofer IFF. „Kommt ein Körperteil des Arbeiters mit der Linie in Kontakt, wird sie unterbrochen. Die Kameras erkennen, dass sich das Erwartungsbild und das reale Bild unterscheiden – je nach Bedarf stoppt der Roboter sofort in seiner Bewegung oder er verlangsamt seine Geschwindigkeit.“

Sichtbare Sicherheitslinien schaffen Vertrauen

Die Sicherheitsbereiche werden dynamisch an die Bewegungen der Maschine angepasst, da PARU immer den aktuellen Zustand des Roboters betrachtet – eine ideale Voraussetzung für den Einsatz in der kognitiven Robotik. „Unsere Technologie ist weltweit einzigartig. Kein anderes System lässt unter Einhaltung der normativen Vorgaben einen geringeren Abstand zwischen Mensch und Roboter zu und hat zugleich einen so geringen Platzbedarf. Dies gelingt, da Kameras und Sensorik nicht nur Rumpf, Arme und Köpfe, sondern sogar Finger erkennen“, so Elkmann.

Ein weiterer Vorteil: Die Projektion kann dem Arbeiter zudem anzeigen, wohin sich der Roboter im nächsten Schritt bewegen wird und erhöht somit das Vertrauen in die Zusammenarbeit mit Maschinen. Die zusätzlich codierten sichtbaren Sicherheitslinien funktionieren unabhängig vom Einfall des Umgebungslichts. Fallen Kameras oder Projektoren aus, wird das komplette System automatisch abgeschaltet.

Intelligente Softwarelösungen für adaptive Robotersysteme

Computer-Aided Safety unterstützt bei der Planung, Risikobeurteilung und Sicherheitsabnahme von MRK-Applikationen.(Bild:  Fraunhofer IFF)
Computer-Aided Safety unterstützt bei der Planung, Risikobeurteilung und Sicherheitsabnahme von MRK-Applikationen.
(Bild: Fraunhofer IFF)

Mit Computer-Aided Safety (CAS) präsentiert das Fraunhofer IFF zudem digitale Sicherheitslösungen auf der automatica 2025, mit denen wirtschaftliche und sichere Mensch-Roboter-Kollaborations-Applikationen (MRK) effizient gelingen. Zur Verfügung stehen produktreife Softwaremodule für die effiziente Berechnung von sicheren Abständen und Geschwindigkeiten. Digitale Assistenten unterstützen bei der Risikobeurteilung und Sicherheitsabnahme, und erleichtern es insbesondere Einsteigern, allen Pflichten gemäß der Europäischen Maschinenrichtlinie korrekt und effizient nachzukommen.

Das Tool für die Sicherheitsabnahme funktioniert im Gegensatz zur Kollisionsmessung vollständig digital. Es berücksichtigt beispielsweise Parameter wie Kollisionskraft und Schmerzeintrittsschwelle und bestimmt daraufhin die maximal erlaubte Geschwindigkeit des Roboters. Die Module lassen sich wahlweise in beliebige Robotersteuerungen oder auch vorhandene Simulationsumgebungen für Planungszwecke integrieren, um wirtschaftliche Vorgaben präzise auf geltende Sicherheitsanforderungen abzustimmen. Das verhindert Planungsfehler und spart Kosten beim Engineering.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Entwickelt wurde CAS auf der Datenbasis von jahrelangen, weltweit einmaligen Probandenversuchen, aus denen neue Grenzwerte und weitere biomechanische Kenndaten für eine sichere MRK hervorgehen. Mithilfe systematisch eingestellter Stoß- und Klemmbelastungen wurde die Schmerzseintrittschwelle an mehr als 100 Probandinnen und Probanden ermittelt. Die Ethikkommission und die Klinik für Unfallchirurgie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hatten das Fraunhofer IFF während der Studien begleitet.

Automatica 2025: Halle A4, Stand 319

(ID:50442881)