Konstruktionsleiter-Forum 2023 Zukunftsweisende Einblicke in die Produktentwicklung

Von Ute Drescher 4 min Lesedauer

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Das Konstruktionsleiter-Forum war ein voller Erfolg. Im Mittelpunkt standen Methoden, Tools und Lösungen, die das Potenzial haben, den komplexen Prozess der Produktentwicklung zu vereinfachen.

Ute Drescher, Chefredakteurin der konstruktionspraxis, begrüßte die Teilnehmer des  Konstruktionsleiter-Forums 2023. (Bild:  Stefan Bausewein)
Ute Drescher, Chefredakteurin der konstruktionspraxis, begrüßte die Teilnehmer des Konstruktionsleiter-Forums 2023.
(Bild: Stefan Bausewein)

Konstruktionsleiter bei der Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben zu unterstützen, war Ziel des Konstruktionsleiter-Forums. Im Fokus der Veranstaltung, die am 19. Oktober 2023 in Würzburg parallel zum Produktionsleiter-Forum stattfand, standen Methoden, Tools und Lösungen, mit denen der komplexe Prozess der Produktentwicklung vereinfacht werden kann. Dabei ist das Programm den Megatrends der Industrie gefolgt: Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

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Die Referenten präsentierten wegweisende Ansätze und Methoden, um die Herausforderungen der Produktentwicklung im 21. Jahrhundert zu bewältigen. Rund 160 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt.

Den Auftakt machte Dr. Ingo Schulz. Der Senior Expert Product Innovation bei SKF eröffnete die Veranstaltung mit dem viel beachteten und praxisorientierten Vortrag „Wie der smarte digitale Zwilling anwendungsspezifische Präzisions-Getriebe möglich macht“. Schulz zeigte, wie die SKF-Entwickler ein Hoch-Präzisionsgetriebe entwickelt haben, das sich auf Basis seines digitalen Zwillings individuell anpassen und optimieren lässt. Dieser Ansatz ermöglicht darüber hinaus die virtuelle Validierung und automatische Datengenerierung für Kosten, Qualität und Fertigung.

Digitale Zwillinge und agile Entwicklungsmethoden

Mit der Vorstellung des „Digital Twin Value Framework“ griffen Dr. Sebastian Schweigert-Recksiek und Dr. Marcus Krastel von der :EM Engineering Methods AG sowie Jakob Trauer von der Technischen Universität München das Thema digitaler Zwilling ebenfalls auf. Dieses Framework unterstützt Unternehmen dabei, den Nutzen digitaler Zwillinge klar zu definieren und zu quantifizieren. Indem das Modell konkrete Maßnahmen und Metriken zur Verfügung stellt, fördert es darüber hinaus die Zusammenarbeit und Innovation in Unternehmen.

Neben dem Konzept des digitalen Zwillings werden agile Entwicklungsmethoden zunehmend für die Entwicklung von Hardware eingesetzt. Prof. Dr.-Ing. Alexander Koch von der Universität der Bundeswehr präsentierte die Ergebnisse einer aktuellen Studie, zu der Unternehmen über den Einsatz dieser Methode bei der Hardwareentwicklung befragt wurden. Dabei nannten sie die wesentlichen Erfolgsfaktoren agiler Teams und Organisationen in der technischen Entwicklung. Diese empirische Betrachtung ergänzte Anja Wegert, Coach für den Einsatz agiler Entwicklungsmethoden, um Erfahrungen und Lösungskonzepte aus der täglichen Praxis in ihrer Arbeit mit Organisationen und Entwicklungsteams.

Um den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in digitalen Wissensplattformen ging es in dem gemeinsamen Vortrag von Jonas Steiling von Optimate sowie Steffen Wagner von Trumpf. Sie zeigten die Vorteile der Verbindung von Konstruktion und Produktion über digitale Wissensplattformen auf und betonten die Bedeutung von KI-basierten Lösungen, um ungenutzte Optimierungspotenziale zu identifizieren und effizientere Prozesse zu ermöglichen.

Design minimal optimieren, Kosten maximal reduzieren

Alexander Brunner von der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik erläuterte am Flipchart, wie die „1-Prozent-Design-Optimierung“mit kleinen Designänderungen signifikante Kosteneinsparungen erzielen kann. Praktische Beispiele verdeutlichten das große Potenzial dieses Ansatzes vor allem beim Einsparen von Material.

Ein geringerer Materialeinsatz spart nicht nur Kosten, sondern auch Ressourcen, ein Ziel, das zunehmend in den Fokus von Konstruktion und Entwicklung rückt. Daniel Alexander von Simus Systems erläuterte in seinem Vortrag „Product Carbon Footprint: Was gefordert wird und wie die Berechnung anhand des 3D-Modells gelingt, welche Bedeutung der Product Carbon Footprint in Zukunft gewinnen wird und wie er sich anhand von 3D-Modellen berechnen lässt. Die vorgestellte Software Simus Classmate unterstützt Unternehmen dabei, Emissionen bei der Produktentwicklung zu identifizieren und Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten.

Nachhaltigkeit gehört auch bei der BMW Group zu den Top-Themen. Der Automobilbauer verfolgt mit Nachdruck das „Design for sustainability“. Stefan Könsgen, Projektleiter für Circular Economy bei BMW, zeigte, wie der Automobilhersteller an der Verwendung von Strukturbauteilen aus Holz im Interieur arbeitet. Könsgen betonte die Bedeutung von nachhaltigem Design und der Verbindung von Natur und Technik im Fahrzeugbau.

Die Kosten liegen in der Toleranz

Zu den Kostentreibern bei der Herstellung von Baugruppen gehören Prototypen, Nacharbeit und Angsttoleranzen. Sie machen Groß- und Kleinserien unnötig teuer und reduzieren die Wertschöpfung komplexer Produkte. Michael Kellers von Enginsoft erklärte in seinem Vortrag „Toleranzmanagement – Fluch oder Segen“ wie das Toleranzmanagement als Bindeglied zwischen Produktentwicklung und Produktionsplanung in einer frühen Phase die Wechselwirkung von Entwicklung und Fertigung berücksichtigt und so u.a. die Rentabilität durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Produktqualität und Herstellungskosten verbessert.

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Im Abschlussvortrag erklärte Tilman Steininger, Teamleiter Generative Engineering bei RLE, die effiziente Konstruktion mithilfe der Engineering-Plattform Synera. Durch den smarten Engineering-Ansatz und die Nutzung dieser Plattform lassen sich Engpässe entlang des Produktentstehungsprozesses eliminieren. Das Ergebnis: eine beschleunigte Time-to-Market und reduzierte Kosten.

In zwei Workshops konnten die Teilnehmer ihr Wissen vertiefen. Applikationsmanagerin Dr. Maria Iuga-Römer und Geschäftsführer Dr. Thorsten Koch von Comsol ermöglichten einen Schnelleinstieg in die Multiphysik-Simulation, während Cadenas-Geschäftsführer Jürgen Heimbach in die Suchmaschine 3D-Findit mit visueller Suche nach unternehmensspezifischen Eigen-, Norm- und Kaufteilen einführte. In der parallel stattfindenden Ausstellung konnten sich die Teilnehmer bei Anbietern und Herstellern über Produkte und Lösungen informieren.

Die Teilnehmer waren begeistert von dem breiten Einblick in die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen bei der Konstruktion und Entwicklung von Maschinen, Anlagen und Geräten. Die präsentierten Lösungsansätze, Anregungen und Ideen tragen zweifellos dazu bei, die Produktentwicklung im 21. Jahrhundert effizienter und nachhaltiger zu gestalten.

Das Konstruktionsleiter-Forum 2024 findet am 17. Oktober 2024 statt. Ab sofort sind Blind-Tickets erhältlich.

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