Suchen

Hydraulik Kein Respekt vor Extremen: Sieben Rekorde mit Hydraulik

| Redakteur: M.A. Bernhard Richter

Hydraulik verblüfft seit Jahrzehnten immer wieder, wenn es um die Grenzen des technisch Möglichen geht. Sieben Beispiele zeigen die Fluidtechnologie auf Rekordkurs.

Firmen zum Thema

Hydrauliksysteme können sogar auf dem Meeresboden eingesetzt werden – diese und weitere sechs Rekorde stellen wir vor.
Hydrauliksysteme können sogar auf dem Meeresboden eingesetzt werden – diese und weitere sechs Rekorde stellen wir vor.
(Bosch Rexroth AG)

Mitte der 1980er-Jahre drohten die miteinander verbundenen Plattformen des norwegischen Öl- und Gasfelds Ekofisk in der Nordsee zu versinken. Ein internationales Team, darunter Offshore-Spezialisten von Rexroth, setzt eine kühne Idee in die Tat um: 122 Hydrozylinder werden an den Pfeilern der Inseln angebracht. Sie stemmen die 40.000 t schwere Plattform um 6,5 m nach oben und verhindern so den drohenden Untergang der Plattform. Ekofisk fördert bis heute Erdöl und Erdgas.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 7 Bildern

Schubkraft von 100 Düsentriebwerken

Die größten Richtanlagen für Stahlwerke des Spezialisten für Hydraulikpressen MAE Götzen aus Erkrath richten 30 m lange und 80 cm dicke Walzen aus massivem Stahl. Dazu drückt Hydraulik mit einer Kraft von bis zu 25.000 kN auf den Stahl. Dieser Wert entspricht der Schubkraft von einhundert Düsentriebwerken für Verkehrsflugzeuge. Trotz der hohen Kräfte korrigiert die Anlage Krümmungen feinfühlig auf unter 0,1 mm Abweichung.

Wissen ist Wettbewerbsvorteil!

Bleiben Sie auf dem Laufenden: Mit unserem Newsletter informiert Sie die Redaktion der konstruktionspraxis immer Dienstag und Freitag zu Themen, News und Trends aus der Branche. Jetzt abonnieren!

Panamakanal-Schleusen

Mit Hydraulikzylindern von Bosch Rexroth betätigte Verschlüsse regeln den Wasserhaushalt der Schleusen des erweiterten Panama-Kanals. Obwohl die neuen Schleusen erheblich größer sind als die bisherigen, verbrauchen sie bei jeder Schleusung weniger Frischwasser. Jeder Schleuse sind drei Wassersparbecken zugeordnet, die 60 % des eingespeisten Wassers für den nächsten Vorgang wiederverwerten. Insgesamt 156 Hydraulikaggregate nahm das internationale Spezialistenteam von Bosch Rexroth 2016 teilweise gleichzeitig an der Atlantik- und der Pazifik-Küste in Betrieb.

Kommunikation ins All

Auch für die Raumfahrt kommt Hydraulik zum Einsatz, so zum Beispiel, wenn die Nasa-Mission Juno einige der bestgehüteten Geheimnisse des Jupiters erkundet. Eine ununterbrochene Kommunikation mit der Raumsonde wird durch die Bodenstationen des Deep Space Network (DSN) der NASA gewährleistet. Die drei 70-Meter-Parabolantennen befinden sich über die Erde verteilt, empfangen Daten und Bilder und senden Steuerbefehle an Juno. Hochleistungs-Hydraulikmotoren von Bosch Rexroth ermöglichen die Feinpositionierung dieser Antennen.

Arbeit am Meeresgrund

Die Erkundung und Erschließung von Metallen, Erdöl und Erdgas, aber auch die Erzeugung erneuerbarer Energien oder das Verlegen von Kabeln für das Internet oder für Offshore-Wind-Parks erfordern Arbeiten in den Tiefen der Ozeane. Solche Unterwasser-Arbeiten verlangen komplexe und hochtechnologische Systeme. Dabei kommt ein breites Spektrum an elektrohydraulischen Systemen zum Einsatz. Standard-Hydrauliksysteme, die eigentlich für den Einsatz an Land entwickelt wurden, können nach der richtigen Anpassung auch dem Druck und den korrosiven Umgebungsbedingungen am Meeresboden standhalten und effizient arbeiten.

12 Tonnen Schweröl pro Tag gespart

Frachtschiffe verbrauchen je nach Größe und Geschwindigkeit zwischen 100 t und 350 t Treibstoff pro Tag. Das entspricht dem Verbrauch von mehr als 30.000 Autos auf 100 Kilometer. Mitsui Engineering & Shipbuilding Co. Ltd. (MES) hat gemeinsam mit Bosch das Turbo Hydraulic System (THS) für Großmotoren entwickelt. Es reduziert den Treibstoffverbrauch je nach Motorlast um bis zu 4 %. Das entspricht einer Einsparung von bis zu 12 t pro Tag und Schiff.

Ruckfrei im Bolschoi

Gegründet zur Zeit Katharinas der Großen, war das Bolschoi ein Haus der Superlative. Heute beeindrucken vor allem die sieben große Bühnenpodien: Jedes Podium hat zwei Ebenen und ist 22 m lang, 3 m breit und 10 m hoch. Das Eigengewicht liegt bei rund 70 t. Hydraulische Antriebe bewegen sie ruckfrei mit bis zu 0,7 m/s über einen Hub von 16 m auf- und abwärts. Von all dem hören die Zuschauer nichts: Das Aggregat ist sehr leise und wurde in maximaler Entfernung zum Publikum am niedrigsten Punkt des Kellers platziert.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46105126)