Energieeffizienz IE3-Motoren: Wie der Markt auf die gesetzlichen Bestimmungen reagieren sollte
Der 1. Januar 2015 brachte große Veränderungen für die Nutzer von Elektromotoren. Seit diesem Tag müssen neu auf den Markt eingeführte Elektromotoren die Anforderungen der Energieeffizienzklasse IE3 erfüllen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette, angefangen bei den Motorkonstrukteuren über die Systemintegratoren bis zu den Endnutzern.
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Der 1. Januar 2015 markiert einen wichtigen Tag für alle, die Motoren als Bestandteil von Maschinen oder integrierten Systeme spezifizieren. Seit diesem Zeitpunkt werden IE3-Motoren (Internationale Energieeffizienzklasse 3) Pflicht. Gemäß Verordnung (EG) Nr. 640/2009 und Änderung der Verordnung (EG) Nr. 4/2009 müssen alle neu auf dem Markt eingeführten eintourigen, dreiphasigen Asynchronmotoren mit einer Nennleistung zwischen 7,5 und 375 kW mindestens Effizienzklasse IE3 aufweisen. IE2-Motoren dürfen weiter betrieben werden, vorausgesetzt sie sind mit einer elektronischen Drehzahlregelung, insbesondere mit einem Frequenzumrichter ausgerüstet.
Ab dem 1. Januar 2017 wird die häufig auch als EU-Meps (European Minimum Energy Performance Standard) bezeichnete Norm auch für Motoren mit einer Nennleistung von 0,75 bis 7,5 kW verpflichtend. Voraussichtlich werden aufgrund von EU-Meps allein in Europa schrittweise rund 30 Millionen in Betrieb befindlicher Industriemotoren ersetzt werden. Das wird zu einer jährlichen Stromeinsparung von 5,5 Mrd. kWh führen und die CO2-Emissionen um 3,4 Mio. t senken.
Was ergibt sich hieraus für Motorenhersteller, Erstausrüster (OEMs), Maschinen- und Anlagenbauer, Systemintegratoren und Endnutzer, um den Übergang in die neue Welt der IE3-Motoren erfolgreich zu meistern?
Mehrkosten für Motorenhersteller
Die Einführung der verpflichtenden Energieeffizienzklasse IE3 setzt völlig neue Maßstäbe für Motorenhersteller. Es könnte der Eindruck entstehen, dass für den Bau von Motoren ab jetzt nur noch sehr hochwertige Materialien verwendet werden. Dies ist jedoch nicht immer der Fall.
Für renommierte Hersteller ist es eine Gelegenheit, sich z. B. durch hohe Zuverlässigkeit, ein umfassendes Wartungs- und Instandhaltungsangebot sowie kompetenten technischen Support über ihr eigentliches Motorenangebot hinaus vom Markt abzugrenzen. Die neue Regelung hat auch Auswirkungen auf die Kosten. Die Umstellung auf IE3 erfordert von Motorenherstellern erhebliche Investitionen. Auch wenn Produktionsprozesse sich nicht signifikant verändern werden, entstehen Kosten für Konstruktionsänderungen, neue Werkzeuge und den verstärkten Einsatz teurerer Materialien.
Single-Source-Lieferant bietet Vorteile
Obwohl die EU-Meps vorwiegend Motorenhersteller betrifft, hat sie Auswirkungen auf die Produktpalette, die ein OEM von seinem Zulieferer angeboten bekommt. OEMs sollten gerüstet sein, IE3-Motoren in ihren Maschinen oder Anwendungen einzusetzen und ihren Zuliefern präzise Vorgaben geben, was sie erwarten. Für Anwendungen mit konstantem Drehmoment beispielsweise, die keine Drehzahlregelung erfordern, ist ein IE2-Motor mit Frequenzumrichter unter Umständen keine kostengünstige Lösung.
Darüber hinaus sollten sich OEMs auch mit den Auswirkungen dieser Änderung auf ihre Logistik und die Lieferkette befassen. IE3-Motoren können größer als vergleichbare IE2-Motoren sein, was eine Überarbeitung der Produkte im Hinblick auf die neuen Baugrößen und Abmessungen sowie die Montage haben kann. Hersteller wie ABB haben beispielsweise darauf geachtet, dass der IE3-Standardmotor die gleiche Achshöhe wie der IE2- Standardmotor aufweist, was den Austausch enorm vereinfacht.
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