Recycling Geschlossener Kreislauf: Automobile Kunststoffe wiederverwenden

Redakteur: Juliana Pfeiffer

Kunststoffbauteile werden in zahlreichen Autos verbaut. Diese zu recyceln war bisher nicht möglich. Forscher am KIT und Audi wollen dies mit einem Verfahren für chemisches Recycling nun ändern.

Firmen zum Thema

Mit Pyrolyseöl aus gemischten Abfällen wollen die Partner das Recycling von technischen Kunststoffen im Automobilbau möglich machen.
Mit Pyrolyseöl aus gemischten Abfällen wollen die Partner das Recycling von technischen Kunststoffen im Automobilbau möglich machen.
(Bild: Markus Breig, KIT)

Sortenreine Kunststoffe können oft mechanisch recycelt werden. Bei gemischten Kunststoffabfällen ist das Recycling eine große Herausforderung. Bisher ist chemisches Recycling die einzige Methode, mit der es möglich ist, solche gemischten Kunststoffabfälle wieder in Produkte mit Neuwarenqualität umzuwandeln.

Im Pilotprojekt „Chemisches Recycling von Kunststoffen aus dem Automobilbau“ entwickeln Wissenschaftler des Thinktanks Industrielle Ressourcenstrategien am KIT gemeinsam mit Audi ein Verfahren für chemisches Recycling, um diese Kunststoffmischfraktionen zurück in einen ressourcenschonenden Kreislauf zu führen.

Pyrolyseöl anstatt Erdöl

Die geheime Zutat dabei ist Pyrolyseöl: „Wenn Kunststoffbauteile ohne Qualitätsverlust anstatt aus Erdöl aus Pyrolyseöl hergestellt werden können, wäre es möglich, den Anteil an nachhaltig hergestellten Teilen im Auto signifikant zu erhöhen. Auf lange Sicht kann dieses Verfahren auch im Altfahrzeugrecycling eine Rolle spielen“, sagt Marco Philippi, Leiter Beschaffungsstrategie bei Audi.

Im Pilotprojekt soll dazu zunächst die technische Machbarkeit des chemischen Recyclings getestet und das Verfahren auf Wirtschaftlichkeit und Umweltauswirkung bewerten werden.

Audi stellt dafür nicht mehr benötigte Kunststoff-Bauteile aus Audi-Modellen zur Verfügung wie:

  • Kraftstofftanks
  • Radzierblenden oder
  • Kühlerschutzgitter

Verfahren soll industrialisiert werden

Es soll systematisch untersucht werden, was mit der Pyrolyse erreicht werden kann und wie Pyrolyseverfahren in großem Maßstab konzipiert werden müssen, damit Abfälle möglichst weitgehend rohstofflich verwertet werden können. Mittelfristig können Bauteile aus Pyrolyseöl erneut in Automobilen verwendet werden. Gelingt es, die technische Machbarkeit nachzuweisen, will Audi das Verfahren industrialisieren und dann sukzessive auf mehr und mehr Teile anwenden.

Buchtipp

Das Buch "Kunststoffe auswählen" bietet eine praktische Anleitung für die Materialauswahl in der industriellen Produktion. Im Fokus steht eine ganzheitliche Betrachtung aller Faktoren, die auf den Kunststoff einwirken und für die Auswahl entscheidend sind.

Mehr erfahren bei Vogel Fachbuch

(ID:47031786)