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Systematische Variation der Parameter

Je mehr Einflussgrößen das Produktverhalten bestimmen und je stärker die Wechselwirkungen zwischen den physikalischen Produkteigenschaften sind, desto anspruchsvoller ist die Bewertung von Maßnahmen zur Verbesserung eines Designs. Zur Verdeutlichung diese Phänomens wird im Folgenden am Beispiel einer Schmelzsicherung die parametrische Variation bei einer elektrisch-thermisch-mechanisch gekoppelten Analyse mit temperaturabhängigen Materialeigenschaften genutzt, um eine Lebensdauerabschätzung (HCF – High Cycle Fatigue) durchzuführen.

Eine Schmelzsicherung, wie sie im Automobilbereich häufig eingesetzt wird, basiert auf einem metallischen Leiter sowie einem gekapselten Kunststoffgehäuse. Der Strompfad des Leiters beinhaltet verschiedene Querschnittlimitationen und begrenzt so den Strom. Das Material des Leiters weist eine temperaturabhängige elektrische und thermische Leitfähigkeit sowie mechanische Steifigkeit auf. Die Wechselwirkungen von Stromfluss, Temperatur und Deformation erfordern für eine belastbare Ergebnisbewertung eine gekoppelte Betrachtung der verschiedenen physikalischen Domänen.

Als Randbedingungen für die Simulation werden das elektrische Potenzial und der Strom, die Wärmeabfuhr über die Wärmeleitung in das Kabel und die mechanischen Lagerbedingungen an den Kontakten definiert. Bei der Betrachtung der Stromdichte ist im Bereich der Sollbruchstelle eine starke Überhöhung zu erkennen.

Aufgrund der jouleschen Erwärmung ergeben sich Temperaturen, Deformationen und Spannungen, die durch wechselnde Strombelastungen zu thermischen und damit zu Spannungszyklen führen. Die im Material hinterlegten Wöhler­linien ermöglichen die Bewertung der Lebensdauer des Materials unter Berücksichtigung verschiedener Mittelspannungskorrekturen (Goodman, Gerber, Soderberg).

Wenn der Designentwurf die Spezifikation nicht erfüllt, ist es für den Entwicklungsingenieur aufgrund der komplexen Zusammenhänge und der Vielzahl von Einflussfaktoren sehr schwierig, den geeigneten Ansatzpunkt für eine Designverbesserung zu finden. Welchen Einfluss hat ein veränderter Strom? Wie stark wirkt sich eine modifizierte Dicke des Leiters oder eine veränderte Geometrie der Sollbruchstelle aus? Lassen sich durch ein alternatives Kunststoffgehäuse die Eigenschaften der Sicherung positiv beeinflussen?

Statt solche Fragen durch die manuelle Variation einzelner Parameter, die nur einzelne Ergebnisse liefern, beantworten zu wollen, verschafft eine Sensitivitätsstudie mit allen Parametern einen Überblick über das mögliche Produktverhalten. Damit wird der verfügbare Lösungsraum, der für die Produktentwicklung zur Verfügung steht, komplett und nicht nur schlaglichtartig ausgeleuchtet. (ud)

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