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Feinschneiden Entwicklungspartnerschaft senkt Kosten und erhöht Prozesssicherheit

Redakteur: Ute Drescher

Die Schiess AG aus Lichtensteig fertigt Feinstanzteile aus Metall. Für die Fertigung hat schon der Urgroßvater des heutigen Geschäftsführers ein spezielles Verfahren erfunden: das Feinschneiden, auch Feinstanzen genannt.

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Dieses Feinstanzteil der Schiess AG sorgt Im Ernstfall dafür, dass der Sicherheitsgurt im Fahrzeug sicher einrastet.
Dieses Feinstanzteil der Schiess AG sorgt Im Ernstfall dafür, dass der Sicherheitsgurt im Fahrzeug sicher einrastet.
(Bild: Schiess AG)

Was aussieht wie ein winziger linker Fuß mit drei Zehen, kann im Notfall Leben retten: „An den drei kleinen Zacken hängt im Crash-Fall das Leben der Fahrzeuginsassen“, erklärt Frederic Schiess, Geschäftsführer der Schiess AG, Lichtensteig. Das Sicherheitsteil sorgt nämlich dafür, dass der Sicherheitsgurt im Ernstfall einrastet. Es ist nur etwa 30 mm lang und 20 mm breit und wird aus 3,5 mm bis 4 mm starkem Blech feingestanzt. Gleichzeitig wird durch Verschieben von Material noch ein Pin herausgeblildet (durchgesetzt). Vor allem die Automobilindustrie verbaut solche Teile, die Sicherheitsaufgaben erfüllen und deshalb hochpräzise und völlig fehlerfrei sein müssen.

Feinschneiden spart Material und Kosten

Das für die Herstellung dieses „Indianerfußes“ (Bild) eingesetzte Verfahren hat Schiess' Urgroßvater Fritz erfunden: das Feinschneiden, auch Feinstanzen genannt. Dabei entstehen in einem Arbeitsgang gratfreie Werkstücke aus bis zu 14 mm starkem Stahlblech mit glatten, rechtwinkligen Schnittflächen, die sich ohne zusätzliche Bearbeitung als Funktionsflächen einsetzten lassen. Meist können die Teile direkt weiteren Arbeitsgänge zugeführt oder unmittelbar verbaut werden. Die Technologie ist heute in der industriellen Massenfertigung von Präzisionsteilen aus metallischen Werkstoffen nicht mehr wegzudenken.

Frederic Schiess (li.) ist Geschäftsführer der Schiess AG, die bereits 1920 gegründet wurde. An seiner Seite: Betriebsleiter Kurt Köppel.
Frederic Schiess (li.) ist Geschäftsführer der Schiess AG, die bereits 1920 gegründet wurde. An seiner Seite: Betriebsleiter Kurt Köppel.
(Bild: U.Drescher/konstruktionspraxis)

Die 1920 gegründete Fritz Schiess AG produziert Feinstanzteile mit über 50 Pressen, die etwa 170 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 25 Mio. €. Die Kunden kommen längst nicht nur aus der Automobilindustrie, sondern auch aus dem Maschinen- und Apparatebau sowie der Textilmaschinenindustrie. Häufig werden nach dem Stanzen weitere Arbeitsschritte durchgeführt wie Entgraten, Bohren, Fräsen, Drehen, Schleifen, Läppen sowie die Wärme- und Oberflächenbehanldung, um die Teile zeichungsgerecht fertig zu bearbeiten.

Konstruktion strategisch entscheidend

Unter dem Schlagwort „Simultaneous Engineering“ bietet Schiess seinen Kunden die Mitarbeit schon bei der Teileentwicklung an. „Die konstruktiven Lösungen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg“, weiß Frederic Schiess. „Werden wir in den Entwickklungsprozess frühzeitig mit eingebunden, entwickeln wir in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden, parallel zum Produkt, die Einzelteile, die später mit dem Feinstanzverfahren wirtschaflich produziert werden“, schildert Betriebsleiter Kurt Köppel den Prozess. So finden sich oft Lösungen, mit denen die Funktion nicht nur einfacher, sondern auch preiswerter erfüllt werden kann.

Kow-how steckt auch im Werkzeugbau

Eine weitere Kompetenz des Unternehmen liegt im Werkzeugbau, mit dem sich 24 der 170 Mitarbeiter intensiv befassen. Rund 2000 Werkzeuge sind zur Herstellung aktueller Teile aktiv. Dabei muss ein Kunde das Werkzeug erst bezahlen, wenn er die Mustterteile akzeptiert hat. „Das ist unser Beitrag, das Risiko für den Kunden zu minimieren“, erklärt Köppel. (ud)

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