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Elektromobilität Elektrische Antriebe für Bau-Teleskoplader und Co.

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Deutz hat einen modularen Baukasten aus konventionellen und elektrischen Antriebskomponenten für mobile Maschinen entwickelt, mit denen sich je nach Anwendung das passende Antriebssystem kombinieren lässt. Dass die hybriden und vollelektrischen Lösungen funktionieren, zeigt das Unternehmen an Bau-Teleskopladern, die als Prototyp mit neuer Antriebstechnik ausgestattet wurden.

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Der Manitou-MT-1135-Teleskoplader fährt als Prototyp mit vollelektrischem Antriebssystem aus dem neuen E-Deutz-Baukasten.
Der Manitou-MT-1135-Teleskoplader fährt als Prototyp mit vollelektrischem Antriebssystem aus dem neuen E-Deutz-Baukasten.
(Bild: S.Häuslein/konstruktionspraxis)

Die Deutz AG hat mit E-Deutz einen Elektrifizierungsbaukasten entwickelt, mit dem Kunden modular die optimale Kombination aus konventionellen und elektrischen Antriebskomponenten für ihre Anwendung wählen können. Die einzelnen E-Deutz-Komponenten sind hinsichtlich Leistung und Kapazität skalierbar. Neben den klassischen Verbrennungsmotoren bietet Deutz damit nun auch vollelektrische Antriebe und hybride Antriebstechnik.

Gemeinsam mit Manitou – OEM im Bereich von geländegängigen Teleskopladern – startete Deutz die Elektrifizierung des Antriebsstrangs und hat erstmals elektrifizierte Antriebs-Prototypen in zwei Manitou-Teleskoplader integriert – zum Einsatz kommen ein hybrider und ein vollelektrischer Antrieb.

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Vollelektrisches Antriebskonzept:

Für den vollelektrischen Manitou MT 1135 Teleskoplader kommt ein 360-Volt-Bordnetz und eine 60-kW-starke E-Maschine zum Einsatz. Die Batterie mit 30 kWh Kapazität sorgt für die nötige Energie. Neben der vollständigen Vermeidung von Abgasen, werden mit den E-Fahrzeugen auch Lärmemissionen gesenkt, was unter anderem bei innerstädtischen Baustellen von Vorteil ist.

Hybrides Antriebskonzept:

Der MT 1335 verfügt regulär über einen 75-kW-starken Deutz-TCD-3.6-Dieselmotor. Dieser wurde für den Hybrid-Prototypen durch einen Deutz TCD 2.2 mit 55 kW Leistung plus einer 20-kW-starken E-Maschine ersetzt. Das elektrische System arbeitet dabei mit einer Systemspannung von 48 Volt. Die mechanische Anbindung der E-Maschine an den Dieselmotor erfolgt mit einem Getriebe mit integrierter Trennkupplung. Damit kann der Dieselmotor vom elektrischen System abgekoppelt werden und das Fahrzeug auch rein elektrisch arbeiten. Die Energie dafür wird durch eine Lastpunktanhebung des Dieselmotors generiert und in einer Batterie mit 10 kWh Kapazität gespeichert. Grundsätzlich ist das Einsparpotenzial abhängig vom Lastzyklus und der jeweiligen Betriebsdauer der Applikation. In dieser Teleskoplader-Anwendung konnte laut Deutz eine Kraftstoffersparnis von bis zu 15 % erreicht werden.

„Mit unserer E-Deutz-Strategie sind wir im Herbst 2017 gestartet. Daher sind wir sehr stolz, bereits jetzt den nächsten Schritt mit Manitou in Sachen Elektrifizierung zu gehen“, erklärt Deutz-Vorstandsvorsitzender Dr. Frank Hiller.

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E-Antriebe für Off-Highway-Fahrzeuge

Im September 2017 ist Deutz mit der Übernahme der Torqeedo GmbH – Systemlösungsspezialist für integrierte elektrische sowie hybride Bootsmotoren – in die Elektrifizierung seiner Produktpalette eingestiegen. Das Know-how des neuen Partners soll dabei Grundlage für künftige Entwicklungen im Off-Highway-Kerngeschäft bei Deutz sein. „Ein interdisziplinäres Team von Torqeedo- und Deutz-Ingenieuren hat innerhalb von sechs Monaten unser Antriebskonzept erfolgreich in zwei Prototyp-Maschinen integriert“, sagt Hiller.

Deutz sieht vor allem bei kleinen und mittelgroßen Maschinen das Potenzial für hybride und vollelektrische Antriebe. Insgesamt plant Deutz im Geschäftsjahr 2022/2023 mit elektrifizierten Antrieben 5 % bis 10 % des Umsatzes zu erwirtschaften.

(ID:45517094)