3D-Metalldruck in der Veterinärmedizin

Ein neuer Schnabel für Papagei Gigi

| Autor / Redakteur: Guido Radig / Frauke Finus

Gigi nach der Operation mit neuem Schnabel.
Gigi nach der Operation mit neuem Schnabel. (Bild: Cicero Moraes)

Manche Geschichten aus der Welt des 3D-Druck klingen so unglaublich, dass man seinen Ohren nicht traut. Für einen Ara wurde nun erstmals eine Schnabelprothese aus Titan im 3D-Metalldruck hergestellt und implantiert. Diese ungewöhnliche Prothese rettete Gigi schlicht das Leben.

Der illegale Handel mit Wildvögeln ist ein trauriges Kapitel der Profitgier. Nicht nur in Brasilien. Die Opfer sind wunderschöne Kreaturen, denen genau diese Schönheit zum Verhängnis werden kann. Bei Gigi entstanden in der Gefangenschaft bei illegalen Wildvogelhändlern durch mangelhafte Haltungsbedingungen schwere Missbildungen am Schnabel.

Gigi konnte zwar letztendlich von der brasilianischen Polizei befreit werden, der wunderschöne, hellblau-gelb gefiederte Ara konnte jedoch ohne Schnabel nicht mehr gefüttert werden. Ein Team aus Tierärzten und den 3D-Druck-Experten aus dem Renato Archer Technology and Information Center (CTI) in Campinas, Brasilien, entwickelte eine Implantatlösung für den Vogel. Die erfolgreiche Operation von Gigi fand am Mitte Februar 2016 im Zentrum für Tierpflege in Ipiranga bei Sao Paulo statt.

Interdisziplinäre Teamleistung

In der Zusammenarbeit dreier Spezialisten entstand der künstliche Schnabel. Das Team, mit dem Namen „Avengers“, besteht aus dem Tierarzt Roberto Fecchio, dem 3D-Designer und Spezialisten für Gesichtsrekonstruktion Cicero Moraes und dem Veterinärzahnarzt Paul Miamoto. Die „Avengers“ gelten als Vorreiter bei der Verwendung von 3D-Drucktechnologie, um das Leben wilder Tiere zu retten. Zuvor hatten sie bereits eine neue Schale für Freddy, die Schildkröte, sowie einen Schnabel für einen verletzten Tukan gedruckt, allerdings aus Kunststoff.

Für Gigi war Kunststoff nicht geeignet. Aras benutzen ihre Schnäbel, um Samen zu öffnen und andere harte Schalen zu brechen. Das heißt, Araschnäbel müssen extrem langlebig und stark sein. Das Team entschied sich für das extrem harte Titan. Titan bot sich als perfekte Lösung an: Es ist biokompatibel, leicht und korrosionsbeständig. Viele menschliche Prothesen werden heute aus Titan hergestellt, warum also nicht versuchen, das Material für einen Wildvogel einzusetzen?

Erfolgreiche Operation

Zunächst machte Paul Miamoto eine Reihe von Fotografien des missgebildeten Schnabels. Daraus erstellte Cicero Moraes ein digitales 3D-Modell für die passgenaue Prothese. Dann wurde der Schnabel am Renato Archer Technology and Information Center (CTI) lasergeschmolzen. Auf einer Mlab cusing R von Concept Laser, mit welcher sich insbesondere filigrane Teile mit hoher Oberflächengüte herstellen lassen, entstand Gigis künstlicher Schnabel.

Das kleinste Anlagenmodell aus Lichtenfels erwies sich als richtige Wahl, um das Leben Gigis zu retten. Operiert wurde anschließend im Zentrum für Tierpflege in Sao Paulo. Beteiligt waren die Tierärzte Roberto Fecchio, Sergio Camargo, Rodrigo Rabello und Methus Rabello.

Die 3D-Druck-Prothese wurde mit Knochenzement und orthopädischen Schrauben befestigt. Bereits 48 Stunden nach der Operation konnte Gigi den Schnabel ausprobieren. Sie erholte sich wunderbar im Forschungszentrum für Wildtiere (CEPTAS) an der Unimonte University.

Derzeit wartet Gigi auf die Aufnahme in einen Zoo, wo Besucher dann staunen können, dass Gigi einen weltweit einzigartigen Schnabel hat. Dazu wurde der Schnabel mit bunten Schrauben befestigt, in einer Optik, die an Strass-Steine erinnert. Andere Vögel dürften ernsthaft neidisch werden.

Ende gut, alles gut. Beispiele wie Gigi zeigen, dass der 3D-Druck nicht nur in der Medizintechnik beim Menschen für mehr Lebensqualität sorgen kann. Die uneingeschränkte Geometriefreiheit des Verfahrens ermöglicht die Herstellung passgenauer Implantate zur optimalen Versorgung im jeweiligen Anwendungsfall. Letztendlich konnte so auch einem wunderschönen Wildvogel geholfen werden, Verletzungen oder Deformationen auszugleichen. Es gibt also auch gute Nachrichten in unserer oft so unwägbaren und manchmal verstörenden Welt.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44112986 / 3D-Druck)