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Lastenhefte analysieren und Pflichtenhefte erstellen - das macht oft jeder nach eigenem Gusto
Am Anfang der Produktentwicklung stehen naturgemäß die Anforderungen und Analyse von Lastenheften und Erstellung von Pflichtenheften sind in jeder der beteiligten Disziplinen bekannte Aufgabenstellungen – aber sehr oft mit spezifischer Ausprägung, die ein Verständnis durch andere Bereiche nicht immer fördern.
Genau dies ist aber bei der Entwicklung mechatronischer Produkte erforderlich: Anforderungen müssen so definiert werden, dass alle direkt und indirekt Beteiligten über die Anforderungen das gleiche Verständnis haben. Dazu ist in der Regel eine Neuformulierung der Anforderungen erforderlich, es muss mit dem Aufraggeber (das kann ein Kunde aber auch die eigene Marketingabteilung sein) offen Fragen und Details abgesprochen werden und die Anforderungen auf eineindeutige, für jeden verständliche Aussagen herunter gebrochen werden.
Das ist Mehraufwand verglichen mit der herkömmlichen Vorgehensweise und vielfach wird eingewendet, dass ein detailliertes Anforderungsmanagement nicht mehr Aufwand erfordern darf als die bisherigen Methoden der Bearbeitung von Lastenheften.
Die Definitionsphase entscheidet über den Erfolg der Entwicklung
Diese Auffassung ist leider unrealistisch. Die Komplexität mechatronischer Produkte lässt sich nur dann beherrschen, wenn in die Definitionsphase deutlich mehr personeller und zeitlicher Aufwand investiert wird. Beispiele zeigen, dass bei Neuentwicklungen bis zu 30 % des Entwicklungsaufwandes in das Anforderungsmanagement akzeptiert werden müssen, um eine erfolgreiche Entwicklung sicherzustellen.
Diese Diskussion erinnert an frühere Diskussionen im Zusammenhang mit PDM-Einführungen: auch hier wurde vielfach der Mehraufwand bei der Einführung als Gegenargument ins Feld geführt. Heute wird PDM nur selten in Frage gestellt. Aber es wäre zu einfach, das PDM-Beispiel als einziges Argument für ein detailliertes Anforderungsmanagement ins Feld zu führen, zumal andere Gründe bedeutender sind:
- Die detaillierte, allgemeingültige und gemeinsame Definition der Anforderungen stellt sicher, dass die beteiligten Bereiche eigene Entwicklungen jederzeit gegenüber „allen“ Anforderungen verifizieren können. Dadurch werden vor Allem Inkompatibilitäten mit anderen Komponenten deutlich schneller erkannt.
- Ferner werden die Konsequenzen eigener Entwicklungen transparenter und andere Bereiche können schneller reagieren, wenn sich Anforderungen verändert haben oder ergänzt werden müssen und dann entsprechenden Änderungen in der Entwicklung erforderlich sind.
Bereits vorhandene Lösungen erhöhen die Effizienz der Produktentwicklung
Darüber hinaus gibt es natürlich weitere, generelle Vorteile. Auf Basis vordefinierter Anforderungen können beispielsweise sehr schnell bereits vorhandene Lösungen und Lösungselemente ermittelt werden, was erheblich zur Effizienz bei der Produktentwicklung beiträgt. Voraussetzung ist natürlich, dass auch Anforderungen und deren Kontext mit den entwickelten Produkten die in geeigneter Weise verwaltet werden.
Was heißt in diesem Zusammenhang „geeignet“? Werkzeuge für das Anforderungsmanagement sind bereits etliche Jahre auf dem Markt und werden mehr oder weniger umfassend eingesetzt - überwiegend in der Softwareentwicklung. Dabei zeigen sich zunehmend spezifische Nachteile beim Management von Anforderungen, die in unterschiedlichen Bereichen definiert und anschließend synchronisiert und mit nachfolgenden Aufgabenstellungen (z.B. Test) in Beziehung gesetzt werden müssen. Viele der etablierten Werkzeuge zum Anforderungsmanagement können diese Anforderungen nur unzureichend bewältigen.
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