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Wälzlager

Die Legende lebt: Mit der Schwalbe auf Höhenflug

| Redakteur: Ute Drescher

Am 27. Juli findet in Zwickau das größte Simson-Treffen Deutschlands statt. Die Veranstalter erwarten mehrere Tausend Teilnehmer mit über 1.000 Mopeds. Dass der DDR-Kult auf zwei Rädern überhaupt noch läuft, verdanken die Simson-Fans nicht zuletzt der Meyer Zweiradtechnik GmbH (MZA): Mit Lagern von SKF sorgt das Unternehmen dafür, dass Schwalbe, Spatz & Co. nach wie vor mit 60 km/h über den Asphalt flitzen.

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(Bild: SKF)

Grund für das vergleichsweise flotte Tempo der Simsons ist eine Klausel im Wiedervereinigungsvertrag: Die räumt den Fahrzeugen aus Suhl eine Sonderstellung ein. „Anders als die meisten Roller dürfen die Simson-Mopeds mit 50 cm3 Hubraum nach wie vor 60 km/h fahren“, erklärt MZA-Geschäftsführer Falko Meyer. „Und deshalb haben sie auch heute noch eine sehr, sehr treue Fangemeinde.“

Zur Wendezeit dürften rund 500.000 Maschinen über die Straßen vieler ehemaliger Ostblock-Länder geknattert sein. Als der „Eiserne Vorhang“ fiel, wuchs die Simson-Fangemeinde rasch an – und deren Mitglieder setzten alles daran, ihre liebgewonnene DDR-Technik fahrbereit zu halten. „Unmittelbar nach dem Mauerfall waren auch noch genügend Ersatzteile vorhanden“, erinnert sich Falko Meyer, dessen Leidenschaft für Simson schon mit elf Jahren begann. „Ich brauchte ja selbst immer wieder mal ein paar Teile; und weil vielerorts Restbestände auftauchten, bin ich irgendwann in den Ersatzteilhandel eingestiegen.“

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Aus dem Hobby sollte sich bald ein Geschäft entwickeln, denn der Bedarf wuchs stetig – und mit ihm Meyers „Start-up-Unternehmen“: Aus einem kleinen Stand auf Oldtimer-Börsen wurde zunächst ein bescheidener Lagerraum, der schon wenig später aus allen Nähten platzte und von einer 250 m2 großen Scheune in Ahnatal abgelöst werden musste. Mitte der 90er-Jahre wurden die Originalteile allerdings langsam zur Mangelware. „Also gingen wir dazu über, die dringend benötigten Ersatzteile von Partnern nachproduzieren zu lassen“, so Meyer.

Kurz nach der Jahrtausendwende zählte MZA bereits 17 Mitarbeiter und hatte in Vellmar ein neues Logistikzentrum für ein umfassendes Teilesortiment errichtet. Zur gleichen Zeit ging die Suhler Fahrzeugwerke GmbH als Simson-Nachfolgeunternehmen in die Insolvenz. Damit bot sich Falko Meyer die Gelegenheit, Simson vollständig zu ersteigern – inklusive der Produktionsstätte in Suhl, den Markenrechten, Konstruktionszeichnungen, etc.

Mit dem Zuschlag 2003 entwickelte sich MZA vom reinen Teilelieferanten zu einem echten Serviceanbieter. Heute, genau zwanzig Jahre nach seiner Gründung, versorgt das 70-Mann-Unternehmen seine Kunden mit äußerst praktischen Reparaturkits. Diese beinhalten alles, was man zur Instandhaltung der Maschinen benötigt: vormontierte Bauteile, Werkzeuge und Anleitungen. Das Angebot reicht inzwischen sogar bis zum kompletten Ersatz-Zweitaktmotor, den MZA nach Originalzeichnungen konstruiert und fertigt. Auch darin verbaut das Unternehmen ausschließlich Lager von SKF. „Simson galt schon immer als robust und langlebig. Diesem Ruf wollen wir natürlich treu bleiben. Und deshalb haben wir uns für Lösungen aus dem Hause SKF entschieden“, betont Falko Meyer.

Inzwischen stecken über 80 verschiedene SKF-Produkte in den Systembaugruppen von MZA. Die MZA-Kunden benötigen im Grunde nur noch handwerkliches Geschick, um auf Basis der Originalpapiere und mit Hilfe der komfortablen Bausätze aus quasi schrottreifen Überresten ein komplett neues, originalgetreues Fahrzeug zusammenzuschrauben. Dadurch überdauert eine Simson in der Regel drei bis vier Fahrzeugleben – mit allen Vorteilen der Klausel im Wiedervereinigungsvertrag.

So trägt Falko Meyer auch dank der Unterstützung von SKF dazu bei, dass der DDR-Kult weiterrollt: weit über ein einziges Fahrzeugleben hinaus. Und das unterscheidet die Marke Simson deutlich vom Gros der Produkte, die in unserer heutigen „Wegwerfgesellschaft“ auf zwei Rädern unterwegs sind.

Wer sich die quicklebendigen Legenden aus der Nähe anschauen möchte, kann dies am 27. Juli auf dem Simson-Treffen Zwickauer Flughafen tun. (ud)

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