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Faszination Technik Die Entwicklung des Hubschraubers

Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Der Hubschrauber.

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Bei uns in Deutschland den Älteren noch bekannt als „Teppichklopfer“ – Bell UH-1B im Einsatz im Vietnam-Krieg.
Bei uns in Deutschland den Älteren noch bekannt als „Teppichklopfer“ – Bell UH-1B im Einsatz im Vietnam-Krieg.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Ein Hubschrauber ist ein Fluggerät, dass durch eine vertikal gerichteten Luftstrom das Fluggerät zum fliegen bringt – seine Luftschraube hebt das Fahrzeug quasi an.

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Andere Bezeichnungen sind die deutsche Übersetzung des altgriechischen Helikopter (helikos "Windung oder Schraube" und pteron "Flügel") Drehflügler, sowie Trag- oder Flugschrauber.

Spielzeug für chinesische Kinder

Seit etwa 400 v. d.Z. spielen chinesische Kinder mit fliegenden Spielzeugen aus Bambus – dem sogenannten chinesischen Luftkreisel. Das Spielzeug bestand aus zwei angestellten Vogelfedern am Ende eines Stockes, der schnell zwischen den Händen gesponnen und dann losgelassen wurde. Die Drehung erzeugt Auftrieb, und das Spielzeug fliegt.


Testflug eines Hubschraubers von Raúl Pateras-Pescara auf dem Flugplatz von Issy-les-Moulineaux, Paris (1922)

Leonardos Hubschrauber

Leonardo da Vinci beschäftigte sich im 15. Jahrhundert mit dem Hubschrauber und zeichnete ein Fluggerät, das einen Antrieb nach Art der archimedischen Wasserschraube erhalten sollte. Seine Notizen deuteten darauf hin, dass er kleine Flugmodelle baute – allerdings gab es keine Hinweise auf eine Mechanik, die verhindern sollte, dass das Fluggerät sich um die Rotationsachse dreht.

Leonardo da Vincis Konzept für einen Hubschrauber aus dem Jahr 1480.
Leonardo da Vincis Konzept für einen Hubschrauber aus dem Jahr 1480.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Im Laufe der Jahrhunderte nahmen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu, fanden immer mehr Akzeptanz und die Idee des vertikalen Fluges wurde immer weiterverfolgt, bis Anfang des 20 Jahrhunderts Energiequellen (Verbrennungsmotor) und Werkstoffe (Aluminium) verfügbar waren, die leistungsfähig genug waren, ein Gefährt in die Luft zu heben.

Ján Bahýľ, ein slowakischer Erfinder, nutzte 1901 einen Verbrennungsmotor, um sein Hubschraubermodell anzutreiben. Es erreichte eine Flughöhe von 50 Zentimetern. Am 5. Mai 1905 erreichte sein Hubschrauber eine Höhe von 4 Metern und flog über 1500 Meter weit.

Erste Einsätze

Die ersten flugfähigen Modelle entstanden in den 1920er und 1930er Jahren wobei der 1935 von Heinrich Focke entwickelte Focke-Wulf Fw 61 als der erste praktischgebrauchsfähige Hubschauber gilt. Der Versuchshubschrauber nutzte zwei gegenläufige Rotoren um das ungewollte Rotieren zu vermeiden und hielt bis dato alle Hubschrauber-Weltrekorde.

Der Versuchshubschrauber Fw 61 gilt als der erste wirklich nutzbare Hubschrauber.
Der Versuchshubschrauber Fw 61 gilt als der erste wirklich nutzbare Hubschrauber.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Mit der Entwicklung der turbinengetriebenen Hubschrauber ab 1951 gewann der Hubschrauber ein Maß an Zuverlässigkeit und Versatilität das alle anderen Fluggeräte in den Schatten stellte. Im Unterhalt ist ein Hubschrauber im Vergleich zu einem Flächenflugzeug mit vergleichbarer Zuladung deutlich teurer. Dennoch ergeben sich durch seine Fähigkeit, beinahe überall landen, starten oder darüber schweben zu können, eine Reihe bedeutender Vorteile.

Typische Einsatzgebiete

Einsatzgebiete ziviler Hubschrauber sind meist Arbeitsflüge, wie das Überwachen von Gas- und Stromleitungen, Vermessung oder Notarzteinsätze und Rettungshubschrauberflüge. In Deutschland sind im Jahr 2019 nach Aussage des Luftfahrbundesamts 729 Hubschrauber zugelassen.

Militärische Nutzung umfasst die Panzerabwehr, Truppentransport oder sogenannte Luftunterstützungseinsätze. Luftrettungseinsätze durch den SAR-Dienst der Bundeswehr werden in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur durchgeführt. Allerdings wurde der Dienst aus Sparmaßnahmen seit 2009 immer weiter zurückgefahren – auch weil kein adäquater Ersatz für die in die Jahre gekommen Bell UH1 „Huey“ gefunden wurde.

Rettungshubschrauber des ADAC übernehmen vielerorts die Aufgaben der Bundeswehr.
Rettungshubschrauber des ADAC übernehmen vielerorts die Aufgaben der Bundeswehr.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Hubschrauber an SAR-Kommandos sollten generell 24 Stunden am Tag ganzjährig einsatzbereit sein. De facto war eine Einsatzbereitschaft im Jahr 2015 von lediglich einem Hubschrauber für die deutsche Ost- und Nordsee gegeben, da zu wenig Klarstand in der Truppe herrschte - Hinzu kommt, dass der ADAC vielerorts den SAR-Dienst vom Bund übernommen hat.

Luft-Taxi für jedermann?

In Zukunft sollen Hubschrauber wesentlich kleiner und leiser werden und möglicherweise durch die Nutzung von Elektromotoren als „Flugtaxi“ Pendlern den Weg zur Arbeit erleichtern. Eine erste Vorstellung eines solchen Projektes fand bereits in Manching bei München statt.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht