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Technik kurz erklärt

Die Entwicklung des ersten deutschen Forschungssatelliten

| Redakteur: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Der erste deutsche Forschungssatellit.

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Vor genau 50 Jahren startete der erste deutsche Forschungssatellit Azur – und diente als Einstieg in die Weltraumforschung für Deutschland.
Vor genau 50 Jahren startete der erste deutsche Forschungssatellit Azur – und diente als Einstieg in die Weltraumforschung für Deutschland.
(Bild: DLR)

Vor genau fünfzig Jahren, am 8. November 1969, startete der erste deutsche Satellit Azur an Bord einer amerikanischen Scout-Rakete von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien. Heute starten hier die wiederverwendbaren Raketen von Elon Musks Space X.

Damit stieg die Bundesrepublik Deutschland in die Riege der Nationen auf, die über einen eigenen Satelliten verfügten wie zuvor bereits die USA, die Sowjetunion, Großbritannien, Italien, Frankreich, Kanada, Japan und Australien.

Die Mission Azur – auch als GRS A oder GRS 1 für German Research Satellite bekannt – wurde von der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt, dem heutigen Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, in Kooperation mit der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA durchgeführt.

Azur – ein Erfolg mit Rückschlägen

Der Erdtrabant war für eine Lebenszeit von einem Jahr ausgerichtet. Die wissenschaftliche Zielsetzung des Projekts stellte erhebliche Anforderungen an die elektronische Ausstattung des Satelliten. Die Mission war technisch hochkomplex und erwies sich auch in der Durchführung als anspruchsvoll.

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Fünf Wochen nach Start fiel das Magnetband-Speichergerät aus, so dass die Messwerte und Kontrolldaten vorerst nur als Echtzeit-Informationen übertragen wurden. Durch die zahlreichen kleinen Bodenstationen konnten dennoch rund 80 Prozent der Daten empfangen werden.

Am 29. Juni 1970 brach dann die Verbindung zu Azur aus ungeklärten Gründen ab. Mit einer Betriebszeit von rund acht Monaten wurde der erste deutsche Satellit zwar nicht allen Erwartungen gerecht, dennoch werteten Politik, Forschung und Industrie die Durchführung des ersten deutschen Langzeitunternehmens im All als großen Erfolg.

Abenteuerstimmung in Oberbayern

Zeitzeuge und ehemaliger DLR-Mitarbeiter Dieter Sundermann erinnert sich zurück: „Rund um Azur herrschte eine unglaublich enthusiastische Stimmung. Es war ein Abenteuer, das wir alle zum Erfolg bringen wollten – und wir haben es geschafft. Wir konnten zeigen, dass auch Deutschland zu einer Satellitenmission fähig ist.“ Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er für den Aufbau, Test und die Inbetriebnahme der Polaren Deutschen Bodenstation von Azur zuständig.

Kerndaten des ersten deutschen Forschungssatelliten Azur

Start: 8. November 1969
Startbasis: Vandenberg AFB (USA)
Träger: Scout-B
Masse: 72 kg
Experimente: 7
Orbit-Neigung: 103 Grad gegen den Äquator (fast polar)
Orbit-Höhe zwischen 380 km und 3150 km
Missionsende: 29. Juni 1970
Kosten: 80 Millionen DM (deutscher Anteil ca. 41 Mio. Euro)

Der Forschungssatellit sollte den Wissenschaftlern die Möglichkeit geben, die Naturvorgänge auf der Erde sowie in der Umgebung unseres Planeten besser zu untersuchen und zu verstehen. Insgesamt wurden sieben Experimente ausgewählt, um die kosmische Strahlung, den Sonnenwind und deren Wechselwirkung mit der Magnetosphäre, sowie die Polarlichter zu untersuchen. Ebenso war es Ziel der Mission, die notwendigen technischen Fähigkeiten in Deutschland auszubauen, um an weiteren nationalen und internationalen Weltraumvorhaben teilzunehmen.

80 Millionen DM Kosten

Die Gesamtkosten für die Entwicklung des Satelliten, den Betrieb und das zugehörige Bodensystem beliefen sich auf rund 80 Millionen D-Mark. Der Partner USA trug die Kosten für die Trägerrakete, den Start sowie die NASA-Bodenstationen, die bis zur Übernahme durch das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) die frühe Phase der Mission überwachten.

Deutschland als Raumfahrtnation

Die aus der Mission gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse waren wesentlich für die weitere Entwicklung Deutschlands als Raumfahrtnation: Azur eröffnete der Wissenschaft in Deutschland neue Horizonte und schuf neue Wege in der Weltraumforschung.

Auch die deutsche Industrie konnte erstmals an einem nationalen Raumfahrtprojekt mitwirken und ihr Wissen im Management von Weltraummissionen weiter ausbauen. Azur bildete außerdem den Grundstein für eine bis heute anhaltenden Zusammenarbeit zwischen der deutschen und amerikanischen Weltraumforschung. Die USA schätzten die Zuverlässigkeit der bundesdeutschen Industrie und die wissenschaftliche Exzellenz der deutschen Forschungslandschaft. Sie nutzten die Zusammenarbeit ferner dazu, ihr positives, offenes Image auszubauen und sich damit in Zeiten des Kalten Krieges klar von der Sowjetunion abzugrenzen.

70 Missionen seit Azur

Als hochkomplexe Mission hat Azur die beteiligten Forschungseinrichtungen und Unternehmen immer wieder bis an die Grenzen gefordert – und somit solide für künftige Aufgaben vorbereitet. In den folgenden Jahrzehnten erarbeitete sich Deutschland einen Spitzenplatz in der Raumfahrt. Entsprechend ist das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum GSOC in Oberpfaffenhofen heute auch die zentrale Einrichtung für den Betrieb von nationalen und internationalen Raumfahrtmissionen und kann auf über 70 Missionen seit dem Azur-Start zurückblicken.

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