Technik kurz erklärt Die Entwicklung der Kugelschreibermine

Von Jan Vollmuth

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: die Kugelschreibermine.

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Metallkugel im Mini-Format: Die Spitze eines Kugelschreibers ist dünner als 1 Millimeter.
Metallkugel im Mini-Format: Die Spitze eines Kugelschreibers ist dünner als 1 Millimeter.
(Bild: Macro Biro tip / Daniel Schwen / CC BY-SA 2.5)

Eines Tages in den 1920-er Jahren sah der Ungar László József Bíró spielenden Kindern zu. Als dabei eine Murmel durch eine Pfütze rollte und anschließend eine feuchte Spur auf den Boden zeichnete, soll dem Journalisten die Idee für eine tintengefüllte Mine mit einer kleinen Metallkugel als Spitze gekommen sein – der Kugelschreiber war erfunden.

Diese Idee wäre wohl nicht auf fruchtbaren Boden gefallen, hätte sich Bíró (1899–1985) bei seiner täglichen Arbeit nicht immer wieder über die damals üblichen Schreibgeräte geärgert, die Kleckse auf Papier und Fingern hinterließen und stets ein Tintenfass in Reichweite erforderten.

18 Jahre Entwicklungsarbeit

Insgesamt 18 Jahre tüftelte László zusammen mit seinem Bruder György an der Umsetzung seiner Idee. Im Jahr 1938 war es endlich soweit: Er meldete einen nachfüllbaren Kugelschreiber mit drehbarem Kolben in Ungarn zum Patent an. An der Spitze einer mit Spezialtinte gefüllten Mine saß eine rotierende Kugel, die die Tinte aufs Papier übertrug. Die Tinte trat über kleine Kanäle in der Lagerung der Kugel aus und benetzte so die Kugel. Mit diesem Patent legte Bíró den Grundstein für den heutigen Kugelschreiber.

Im Dezember 1938 ließ der Journalist das Patent in den USA als „Fountain Pen for Pulpy Ink“ (später „Ball Pen“) erneuern. Im Jahr 1940 flüchtete Bíró vor den Judenverfolgungen nach Argentinien, wo er zusammen mit seinem Bruder György ein Unternehmen für Schreibgeräte gründete. In Buenos Aires erhielt er 1943 ein weiteres Patent.

Schreibspitzen von 0,2 mm bis 1,4 mm

Moderne Kugelschreiberminen bestehen aus einem Kunststoff- oder Metallröhrchen, das mit einer Tintenpaste gefüllt ist, und einer Schreibspitze aus Messing oder rostfreiem Stahl. In der Spitze sitzt die Kugel, entweder aus Hartmetall oder einem sehr harten keramischen Material, um den Verschleiß zu minimieren. Im Handel sind Minen mit unterschiedlicher Strichstärke erhältlich: Es gibt Schreibspitzen mit Kugeln von 0,2 bis 1,4 mm Durchmesser.

Damit die Tinte deshalb nicht eintrocknet, schwimmt auf der Tinte eine Dichtungsmasse, die keine Luft durchlässt.

Das Röhrchen der Mine ist meist nach oben offen oder besitzt einen luftdurchlässigen Verschluss, denn das Volumen der verbrauchten Tinte wird durch Luft ausgeglichen. Damit die Tinte deshalb nicht eintrocknet, schwimmt auf der Tinte eine Dichtungsmasse, die keine Luft durchlässt. Beim Schreiben mit einem Kugelschreiber bekommt die Kugel Kontakt mit dem Papier und beginnt sich durch die Reibung zu drehen. Dabei nimmt sie Tintenpaste aus der Mine auf und transportiert sie kontinuierlich aufs Papier.

Mine unter Druck

Diese Art Kugelschreiber funktionieren mithilfe der Schwerkraft, durch die die Tintenpaste zur Kugel gelangt. Daher kann man mit einem derartigen Kugelschreiber auch nicht dauerhaft über Kopf schreiben. Dazu braucht es spezielle Minen, die mit Stickstoff gefüllt sind und unter Druck stehen. Diese Minen sind dementsprechend luftdicht verschlossen. Anstelle einer Dichtungsmasse wie bei einer herkömmlichen Mine sitzt hier ein Metallplättchen auf der Tintenpaste, das aufgrund des in der Mine bestehenden Drucks wie ein Kolben die Paste in Richtung der Schreibspitze schiebt.

Seinen großen Durchbruch verdankt der Kugelschreiber dem britischen Geschäftsmann Henry George Martin, der die besonderen Vorteile dieser Schreibgeräte für Piloten und Flugbesatzungen erkannte: Kugelschreiber funktionieren auch in großen Höhen, ohne dabei zu klecksen. Er kaufte Bíró die Patentrechte ab und gründete einem Partner im Jahr 1944 in Reading (Berkshire, England) die erste Kugelschreiberfabrik der Welt – und lieferte bereits im ersten Geschäftsjahr 30.000 Kugelschreiber an Royal Air Force.

Quellen:
Wikipedia: Kugelschreiber
Der Tagesspiegel: Wie der Kugelschreiber erfunden wurde
KalenderBlatt.de: 10.6.1943: Kugelschreiber patentiert

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