Technik kurz erklärt Die Entwicklung der elektrischen Lichterkette

Von Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler 4 min Lesedauer

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In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir regelmäßig Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: die elektrische Lichterkette.

Bevor elektrische Lichter erfunden wurden, schmückten Menschen ihre Weihnachtsbäume mit Kerzen – eine Praxis, die oft zu Bränden führte. (Bild:  Anastassiya - stock.adobe.com)
Bevor elektrische Lichter erfunden wurden, schmückten Menschen ihre Weihnachtsbäume mit Kerzen – eine Praxis, die oft zu Bränden führte.
(Bild: Anastassiya - stock.adobe.com)

Die Geschichte der elektrischen Weihnachtsbaumbeleuchtung ist eine Entwicklung, die von Innovationen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt ist. Bevor elektrische Lichter erfunden wurden, schmückten Menschen ihre Weihnachtsbäume mit Kerzen – eine Praxis, die oft zu Bränden führte. Thomas Edison machte 1880 den ersten Schritt in Richtung sicherer Beleuchtung, als er ein Außendisplay mit Glühbirnen schuf, das einige als die ersten Lichterketten der Welt bezeichnen.

80 handverkabelte Glühbirnen Rot, Weiß und Blau

Zwei Jahre später stellte Edward H. Johnson, ein enger Mitarbeiter und Vizepräsident von Thomas Edisons Edison Electric Light Company, in seinem Haus in New York den ersten Baum mit elektrischen Lichtern vor. Johnson handverkabelte 80 kleine Glühbirnen in Rot, Weiß und Blau und brachte sie in einer Kette an den Ästen seines Weihnachtsbaums an – zur damaligen Zeit ein echter Hingucker. Diese Glühbirnen waren mit der Stromversorgung seines Hauses verbunden, das an das von Edison entwickelte elektrische Netz angeschlossen war. Zusätzlich war der Baum auf einer motorisierten Basis montiert, sodass er sich drehen konnte, was den visuellen Effekt noch verstärkte.

Sicher entwickelte Johnson die elektrische Weihnachtsbaumbeleuchtung nicht nur aus technischer Neugier. Dahinter steckte auch das strategische Interesse, die Vorteile der Elektrizität und Edisons Erfindungen zu bewerben und vornazutreiben. Als Vizepräsident der Edison Electric Light Company war er ein Verfechter der Elektrifizierung und wollte die noch skeptische Öffentlichkeit von den praktischen und ästhetischen Vorzügen elektrischer Beleuchtung überzeugen. Schon ein Jahr später stellte er ähnliche beleuchtete Bäume auf öffentlichen Veranstaltungen aus, etwa auf der Mechanic’s Hall in Boston, was zur Popularisierung dieser Technik beitrug.

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Die elektrische Weihnachtsbaumbeleuchtung auf dem Weg zur Kommerzialisierung

Der erste öffentlich bekannte Weihnachtsbaum mit elektrischen Lichtern im Weißen Haus wurde 1895 während der Präsidentschaft von Grover Cleveland präsentiert. Zu dieser Zeit waren elektrische Lichter bereits eine technische Möglichkeit, aber sie waren noch sehr teuer und komplex.

Bis 1903 waren elektrische Weihnachtslichter vor allem wohlhabenden Haushalten vorbehalten, da die Installation eines beleuchteten Baumes die Hilfe von Experten erforderte und erheblich teurer war als herkömmliche Kerzen. Die tatsächliche Popularisierung durch bezahlbare Technologien begann ab 1903 dank vorgefertigter Lichterketten von General Electric. Zuvor mussten elektrische Lichter manuell verkabelt werden, oft mit der Unterstützung eines Elektrikers. General Electric vereinfachte dies, indem sie „festoons“, also vorverkabelte Sets mit Glühbirnen, auf den Markt brachten. Diese Innovation machte elektrische Weihnachtslichter für breitere Bevölkerungsschichten zugänglicher, auch wenn sie noch nicht für jeden erschwinglich waren.

Wie es weiterging

  • 1917, nachdem ein Brand durch Kerzen auf einem Weihnachtsbaum in New York City ausgelöst wurde, begann die Famiie Sadacca, elektrische Lichterketten zu produzieren, um eine sicherere Alternative zu den traditionellen Kerzen zu bieten. Sie gründeten die Noma Electric Company, die zu einem der führenden Hersteller von Weihnachtslichtern wurde. Die Sadaccas brachten viele Innovationen auf den Markt, darunter bunte Lichterketten, die eine breitere Öffentlichkeit ansprachen, und trugen so zur weit verbreiteten Nutzung von elektrischen Lichtern bei.
  • 1924 ließ sich Lester Haft den sogenannten Tachon-Anschluss patentieren. Dieser Anschluss war eine technologische Innovation, die es ermöglichte, mehrere Lichterketten sicher und bequem miteinander zu verbinden. Der Tachon-Anschluss trug dazu bei, die Handhabung von Lichterketten zu vereinfachen und machte sie sicherer, was eine breite Nutzung von elektrischen Lichtern zu Weihnachten weiter förderte.
  • 1946 brachte die Noma Electric Company die schnell sehr beliebten Bubble Lights auf den Markt. Diese Lichter zeichneten sich durch ein Design aus, das flüssige „Blasen“ in Bewegung brachte und so einen leuchtenden, fast magischen Effekt erzeugte. Jedes Bubble Light besteht aus einer kleinen Glasröhre, die mit einer speziellen Flüssigkeit gefüllt ist. Eine Glühbirne in der Basis des Lichts erhitzt die Flüssigkeit, was dazu führt, dass sich Blasen bilden und in der Röhre aufsteigen. Die Blasen erzeugen einen auffälligen visuellen Effekt, während die Lichter gleichzeitig den Baum erleuchten. Wenn die Glühbirne leuchtet, erwärmt sie die Flüssigkeit, wodurch die Blasen beginnen zu steigen. Dies verleiht den Lichtern eine „lebendige“ Bewegung und einen hypnotisierenden Glanz, der besonders in dunklen Umgebungen beeindruckend wirkt.
  • In den 1960er Jahren wurden fluoreszierende Lichter eine beliebte Wahl. Diese Lichter hatten eine auffällige, neonartige Leuchtkraft und waren in vielen verschiedenen Farben erhältlich. Sie erzeugten eine starke, helle Beleuchtung und wurden zu einem Highlight der Weihnachtsdekorationen in dieser Zeit.
  • Mit der Einführung von Kunststoff-Lichtern in den 1970er Jahren und fortschrittlicheren LED-Technologien wurde die Weihnachtsbeleuchtung zunehmend langlebiger und energieeffizienter.
  • Mini-LED-Lichter wurden ab den 1990er Jahren besonders beliebt. Diese kleinen Lichter sind ideal für den Einsatz auf Weihnachtsbäumen, da sie weniger Platz benötigen und in großen Mengen verwendet werden können, ohne den Baum zu überwältigen. Die Einführung von LEDs in den 1990er Jahren revolutionierte die Weihnachtsbaumbeleuchtung erneut. LEDs sind energieeffizient, langlebig und erlauben kreative Lichteffekte wie Farbwechsel und Musik-Synchronisation.

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