China hat seinem ersten Thorium-AKW eine Betriebserlaubnis erteilt. Dieser Typ von Atomreaktor gilt als Weiterentwicklung existierender Nukleartechnologien. China soll Medienberichten zufolge selbst genügend Thorium-Reserven besitzen, um das gesamte Land 20.000 Jahre lang mit Elektrizität zu versorgen.
Chinas erster Thorium-Reaktor in der Wüste Gobi darf jetzt mit Brennstoff beladen werden.
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Chinas nukleare Aufsichtsbehörde, die „National Nuclear Safety Administration“, habe dem „Thorium Molten Salt Reactor“ (TSMR) im Juni die Betriebserlaubnis erteilt, heißt es auf einer Regierungs-Website. Damit dürfe der nahe der Stadt Wuwei in der Wüste Gobi erbaute Thorium-Salzschmelzen-Reaktor jetzt erstmals mit Brennstoff beladen werden, hieß es. Anschließend müssen dem Wortlaut der Genehmigung zufolge eine Reihe von Sicherheitstests ausgeführt werden, unter anderem Beobachtungen beim Erreichen der „Kritikalität“ des Reaktors – also dem Punkt, an dem die sich selbst erhaltende Kettenreaktion der Kernspaltung einsetzt.
Experimenteller Reaktor mit 2 MW Leistung
Der kleine, experimentelle Reaktor mit einer Kapazität von zwei Megawatt ist vom „Shanghai Institute of Applied Physics“ an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften entwickelt worden, das ihn nun auch betreiben darf. Die Erlaubnis dafür sei ein „bemerkenswerter Meilenstein für Chinas Suche nach fortgeschrittenen Nukleartechnologien“, kommentierte die „South China Morning Post“ in Hongkong.
Technisch gesehen, ist Thorium eine zukunftsfähige Alternative, da es sich um ein leistungsfähiges Spaltmaterial handelt, das weniger unerwünschte Abfallprodukte als Uran produziert.
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Schon im Sommer 2021 hatten chinesische Medien voller Nationalstolz berichtet, ihre Forscher hätten eine Reihe von technischen Problemen gelöst, die Teams in anderen Ländern der Erde zur Aufgabe eigener Experimente mit Thorium-Reaktoren veranlasst haben sollen (wir berichteten).
Zuerst waren TSMR in den 40er Jahren in den USA entwickelt worden. Versuche am Oak Ridge National Laboratory in Tennessee waren jedoch 1976 wieder eingestellt worden, unter anderem aus Kostengründen und weil man andere Prioritäten setzte. Auch in der früheren Sowjetunion und in Japan hatte es ähnliche, nicht sonderlich langlebige Experimente gegeben.
Immer wieder gibt es Berichte, denen zufolge Thorium-Reaktoren weniger gut für die Entwicklung von Atomwaffen-fähigem Spaltmaterial geeignet seien als andere Typen von Kernkraftwerken. Und immer wieder gab es daraufhin offizielle Dementis, dies sei nicht der Grund für die Entwicklungs-Stopps gewesen.
Welche Vorteile der Thorium-Salzschmelzen-Reaktor haben soll
Der Klimawandel, der in China in diesem Sommer schon zu extremen Hitzewellen führt, liefert nun aber ein neues Motiv, an der TSMR-Technologie weiter zu arbeiten. Seit China sich das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2060 gesetzt hat, haben die Forschungen am „TSMR-LF1“, wie der Thorium-Reaktor in Wuwei offiziell heißt, erneut Auftrieb erhalten.
Aus Sicht chinesischer Wissenschaftler und auch der kommunistischen Parteikader des Landes hätte dieser Reaktortyp eine ganze Reihe von Vorteilen nicht nur gegenüber den vielen Kohlekraftwerken des Landes, sondern auch gegenüber anderen Brütern der gegenwärtigen AKW-Generation – sofern er die nun anstehenden Sicherheitstests besteht:
Der Thorium-Salzschmelzen-Reaktor wäre wie alle Atomreaktoren emissionsfrei – China betrachtet diese Weiterentwicklung als einen Teil seiner Bemühungen um eine Versorgung der Volkswirtschaft mit klimafreundlicheren Energien.
Die relativ gute Verfügbarkeit von Thorium im eigenen Land wäre zudem ein Vorteil, was Chinas Bestreben angeht, eine größere Unabhängigkeit seiner Energieversorgung von importierten, fossilen Brennstoffen zu erreichen.
Auch könnte die kommerzielle Nutzung von Thorium-Reaktoren eine günstige Variante der Energieversorgung für China werden, was die globale Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrien weiter verbessern dürfte. Schon jetzt sind die Strompreise in China viel geringer als beispielsweise in Deutschland.
Thorium fällt derzeit in China als „Abfall“ bei der Gewinnung von Seltenen Erden an.
TSMR gelten zudem als eine relativ sichere Variante von Atomreaktoren. Als Treibstoff werden geschmolzene, mit Thorium versetzte Salze eingesetzt, deren Verbrennung keine großen und aufwändig gesicherten Reaktorkuppeln erfordert. Bei einem Störfall könnten die flüssigen Salze einfach in unter dem Reaktor gebaute Sicherheitstanks abfließen. Eine Kernschmelze und eine mögliche Verbreitung radioaktiver Strahlung in der weiteren Umgebung seien daher weniger wahrscheinlich als bei den momentan verbreiteten AKWs, schreiben verschiedene Medien in Asien unter Berufung auf Experten.
Was Kritiker zum Thorium-Salzschmelzen-Reaktor sagen
Allerdings gibt es auch Kritiker der Thorium-Reaktor-Technologie, wie etwa Roland Desbordes, ein Atomkraftgegner bei der französischen Nichtregierungs-Organisation CRIIRAD. Er argumentiert, dass erst noch bewiesen werden müsse, ob Thorium-Reaktoren wirklich sicherer seien und weniger radioaktiver Abfall entstehe. Außerdem seien auch die Prozesse zur Gewinnung und Weiterverarbeitung von großen Mengen an Thorium eine Belastung für die Umwelt, ähnlich wie bei Uran, so der französische Kritiker.
Welche Bedeutung TSMR für China hat
Aus chinesischer Sicht aber ist es vor allem ein technisches Detail, das Thorium-Reaktoren besonders interessant macht: Wie schon die Standortwahl des ersten Testreaktors in der Wüste Gobi verrät, kommen solche Salzschmelze-Reaktoren mit sehr wenig Kühlwasser aus.
Der westliche Teil Chinas ist sehr wasserarm, was den Einsatz von TSMR dort besonders erstrebenswert macht. Auch gebe es in der chinesischen Regierung schon jetzt Pläne, Thorium-Reaktoren mit großen Solar- und Windfarmen zu kombinieren, die gerade in den Wüstenregionen des Landes entstehen, schreiben chinesische Fachmedien.
Salzschmelze-Reaktoren wie der TSMR könnten trotz ihrer relativen Sicherheit „Output“-Temperaturen von mehr als 700 °C erzeugen. Diese Temperatur sei nicht nur ausreichend für die Energieerzeugung, sondern auch für „industrielle Hitze-Anwendungen, die Wasserstoff-Produktion bei hohen Temperaturen, die Wasserstoff-Absorption zur Erzeugung von Methanol, und so weiter,“ schreibt die chinesische Zeitung Pengpai Xinwen.
Stand: 08.12.2025
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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.