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Kunststoff Bis zu 45 % weniger Studenten in der Kunststofftechnik

| Autor: Katharina Juschkat

Der Verband Technischer Kunststoff-Produkte schlägt Alarm: Erstsemester der Kunststoffverarbeitung gehen drastisch zurück. Professoren und Verband fordern zum Handeln auf und wollen u.a. das negative Image von Kunststoffen verbessern.

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Immer weniger Studenten interessieren sich für Kunststofftechnik und -verarbeitung.
Immer weniger Studenten interessieren sich für Kunststofftechnik und -verarbeitung.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der GKV/Techpart – Verband Technischer Kunststoff-Produkte – ist alarmiert: In den vergangenen drei Jahren sind die Anmeldungen von Erstsemesterstudenten im Bereich Kunststofftechnik/-verarbeitung um bis zu 45 Prozent zurückgegangen. Dafür befragte der Verband 33 Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland.

Hintergrund

Kunststofftechnik an den Hochschulen und in der Ausbildung

In Deutschland kann man Kunststofftechnik bzw. -verarbeitung an wenigen Hochschulen als eigenständigen Studiengang studieren. Alternativ wird Kunststofftechnik/-verarbeitung an vielen Hochschulen als Vertiefungsrichtung etwa innerhalb des Maschinenbaus angeboten. Vor allem der eigenständige Studiengang Kunststofftechnik bzw. -verarbeitung ist von den Rückgängen betroffen.
Neben der Hochschulausbildung gibt es auch eine Ausbildung als Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Hier sind die Zahlen minimal rückläufig – 2018 gab es laut GKV 0,9 Prozent weniger Auszubildende als im Vorjahr.

Kritik kommt von Professoren wie dem Verband – es seien zu wenige Studiengänge repräsentiert, der Studiengang habe einen zu schlechten Ruf.

Kritikpunkt: Kunststoffbezogenen Studiengänge sind unterrepräsentiert

Prof. Thomas Seul von der Hochschule Schmalkalden sieht kunststoffbezogene Studiengänge deutlich unterrepräsentiert im Vergleich mit der Hochschullandschaft. Handlungsbedarf liege bei den Hochschulen: „Es ist ein großer Unfug, diesbezüglich regionale Wettbewerbsstrukturen der Hochschulen untereinander auszuleben. Die Branche braucht jede verfügbare Lehr- und Forschungsinstitution, um die Bedarfe zu decken. Gefragt sind hier nicht partikulare, regionale Interessen, sondern die kooperative Zusammenarbeit im Sinne der Studierendengewinnung.“

Den Fokus auf die klassische Metallverarbeitung zu legen ist nicht mehr zeitgemäß und entspricht nicht mehr der Marktsituation.

Prof. Thomas Seul

Um die Studienwahl in Richtung Kunststofftechnik/-verarbeitung zu lenken, müssten jungen Menschen attraktive Karrieremöglichkeiten aufgezeigt werden, resümiert der Professor weiter. „Wer bei Kunststofftechnik und -verarbeitung nur in chemischen Strukturen denkt, hat die Vielfältigkeit der Branche nicht verstanden. Chemie liegt nicht jedem, Technik und Ingenieurbegeisterung jedoch dagegen vielen. Das ist ein Ansatz. Und auch ein Argument der Überzeugung.“

Forderung: Studiengang muss attraktiver werden

Verbandsgeschäftsführer Michael Weigert fordert unter anderem, dass sich die Kunststoffbranche besser organisieren müsse, um den Studiengang attraktiver zu machen, zu wenige Unternehmen der Branche unterstützen ein positives Image finanziell.

Auch deshalb hat der GKV, die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und Plastics Europe ein Sonderbudget für eine Imagekampagne beschlossen, um Kunststoffprodukte positiv darzustellen. Kunststoffe würden vor allem für die CO2-Reduzierung eine große Rolle spielen, betont Weigert und kritisiert die seiner Aussage nach höheren CO2-Emmissionen von Alternativprodukten.

Das Thema Kunststoffmüll sieht Weigert demnach als weniger wichtig an, denn „das Klima ändert sich wegen höherer CO2-Emissionen, nicht wegen mehr Kunststoffmüll.“ Kunststoffmüll sei ein Wertstoff, „was wir in Deutschland täglich durch eine Verwertungsquote von 99 Prozent und steigende Rezyklatanteile in den Produkten nachweisen.“

Müllproblem Kunststoff

So viel wird wirklich recycelt

Von den 99 Prozent verwerteten Kunststoffmülls wird allerdings nur ein Bruchteil recycelt. Laut dem Faktenfinder der Tagesschau werden 60 Prozent „energetisch verwertet“, also verbrannt, was Kohlendioxid verursacht und Giftstoffe, die aufwändig gefiltert werden müssen.
Ein Drittel der verbleibenden 40 Prozent wird zum Recycling ins Ausland exportiert und nicht weiterverfolgt – deutscher Müll wird immer wieder auf wilden ausländischen Müllkippen gefunden.
Vom restlichen Müll muss erneut knapp ein Drittel aussortiert und verbrannt werden, da er nicht recycelt werden kann, etwa da er aus untrennbar verschmolzenem Kunststoff besteht. Rund 17 Prozent werden am Ende wirklich recycelt – oft entstehen daraus aber nur minderwertige Kunststoffe, aus denen keine hochwertigen Produkte mehr gefertigt werden können.

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group