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Neues VDE-Brandprüfzentrum

Auf Herz und Nieren geprüft: Brandsicherheit von Kabel und Leitungen

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Das VDE-Institut hat ein neues Brandprüfzentrum eröffnet, in dem Kabel und Leitungen auf ihre Feuerbeständigkeit und Rauchgasentwicklung getestet werden. Damit reagiert das Institut auf die hohe Nachfrage der Industrie, denn neue Normen und verschärfte Verordnungen lassen die Sicherheitsanforderungen hinsichtlich des Brandschutzes erheblich ansteigen, was entsprechende Zertifizierungen erfordert.

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(Bild: gemeinfrei / CC0)

Wie lange brennt ein Kabel und welche Rauchgase entwickeln sich dabei? Das sind Fragen, denen Detlef Staemmler mit seinem fünfköpfigen Team im neuen Brandprüfzentrum des VDE-Instituts nachgeht. Denn die Sicherheitsanforderungen hinsichtlich des Brandschutzes sind erheblich gestiegen. Eine verschärfte Bauproduktenverordnung (BauPVO), eine neue Norm für den Brandschutz in Schienenfahrzeugen sowie hohe Prüfanforderungen bei Elektroautos lassen die Industrie aufhorchen. Hersteller von Kabel und Leitungen benötigen entsprechende Zertifizierungen, bevor sie auf den Markt gehen können. Die Nachfrage nach Brandprüfungen ist daher hoch.

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Daher hat das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut in Offenbach ein neues hochmodernes Testzentrum für das Brandverhalten von Kabeln und Leitungen eröffnet. 3 Mio. Euro wurden investiert, um Kabel und Leitungen künftig hinsichtlich des Brandschutzes auf Herz und Nieren prüfen zu können. „Wir möchten im Bereich Kabel und Leitungen ein zuverlässiger Partner für die Industrie sein. Mit dem neuen Brandprüfzentrum bauen wir diese Kompetenz noch weiter aus“, sagt Wolfgang Niedziella, Geschäftsführer des VDE-Instituts.

Hohe Ansprüche an die Sicherheit und Umweltschutz

Mit dem neuen Labor will das VDE-Institut sowohl die BauPVO, – also die Prüfung von allen in Bauwerken verlegten Kabeln – wie auch die Prüfung von Kraftfahrzeugleitungen und Bahnleitungen sowie vielen weiteren Anwendungsbereichen abdecken. Aufgrund einer hocheffektiven Abgasreinigung ist zudem die Prüfung halogenhaltiger Kabel und Leitungen möglich. „Beispielsweise ist die Prüfung der Rauchdichte wichtig, deren Ergebnis vor allem im Zusammenhang mit der Rettung von Menschenleben im Brandfall eine entscheidende Rolle spielt. Diese bieten wir nach mehreren Normen an“, erklärt Niedziella. Das VDE-Institut ist von der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS akkreditiert, worauf auch die Notifizierung als Prüf- und Zertifizierungsstelle im Rahmen der BauPVO basiert.

Beim Bau des Brandprüfzentrums hat das VDE-Institut hohe Maßstäbe an die Sicherheit und den Umweltschutz gesetzt. Eine hochmoderne Abgasreinigung soll die Freisetzung von möglichen Schadstoffen in die Atmosphäre verhindern. Die Sicherheitsmaßnahmen setzen sich zusammen aus einem System aus Filtern und Wäschern zur Reinigung der Abluft, einer automatischen Temperaturüberwachung und einer Gasmeldeanlage. Hinzu kommt ein speziell entwickeltes Brandschutzkonzept mit einer automatischen Brandmeldeanlage.

Das Leistungsangebot des neuen Brandprüfzentrums umfasst unter anderem:

  • Einzelbrandprüfungen nach EN 60332 (auch Automotive-Prüfungen nach ISO 6722)
  • Bündelbrandprüfungen nach EN 50399 (im Rahmen der BauPVO) sowie nach VDE- und IEC- Normen, z.B. IEC/EN 60332-3-21 bis -25 oder VDE 0472-804
  • Ermittlung der Rauchdichte nach EN 61034 und EN 50399
  • Prüfung zum Isolationserhalt nach EN 50200 und EN 50362 sowie des Funktionserhalts nach IEC 60331
  • Ermittlung von giftigen Gasen, z. B. Bestimmung des Gehalts an Halogenwasserstoffsäure oder der Azidität nach EN 60754-1/-2
  • Feststellung der Halogenfreiheit und des Toxizitätsindex nach verschiedenen Normen
  • Prüfungen an Schienenverteilersystemen und Kunststoffrohren

Im VDE-Prüf- und Zertifizierungsinstitut in Offenbach arbeiten 530 Mitarbeiter. Die Brandprüfung ist nur ein kleiner aber zunehmend wichtiger Teil des Prüfumfangs im Bereich der Kabel und Leitungen. Im neuen Brandprüfzentrum des VDE-Instituts arbeiten Laborleiter Detlef Staemmler und fünf Mitarbeiter. Pro Tag können circa 5 Bündelbrandtests und 3 Rauchentwicklungstests durchgeführt werden. (sh)

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