Internationaler UNESCO-Tag World Engineering Day for Sustainable Development würdigt Ingenieure

Von Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler 4 min Lesedauer

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Technik verändert die Welt seit Jahrtausenden – neue, schnell aufkommende Technologien sind eine Chance für eine positive Transformation. Der UNESCO-Welttag des Ingenieurwesens für nachhaltige Entwicklung am 4. März unterstreicht die Leistungen von Ingenieuren und die Notwendigkeit dieses Berufs für eine nachhaltige Entwicklung.

Ingenieure spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien, Produkte und Systeme, die das tägliche Leben verbessern und nachhaltiger gestalten.(Bild:  Drobot Dean - stock.adobe.com)
Ingenieure spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien, Produkte und Systeme, die das tägliche Leben verbessern und nachhaltiger gestalten.
(Bild: Drobot Dean - stock.adobe.com)

Bereits frühe Jäger und Sammler aus der Mittleren Steinzeit im südlichen Afrika wählten bereits vor mehr als 60.000 Jahren das jeweils geeignetste verfügbare Steinmaterial für Werkzeuge und Speerspitzen aus, wie eine aktuelle Studie von Dr. Patrick Schmidt, Universität Tübingen, ergeben hat. „Unsere Vergleiche zeigen, dass die Jäger und Sammler von Diepkloof aus allen Gesteinsmaterialien, die ihnen zur Verfügung standen, die mit der besten Eigenschaftenkombination für ein bestimmtes Werkzeug auswählten“, fasst Schmidt die Ergebnisse zusammen.

Eine fein gearbeitete Still-Bay-Spitze aus der Fundstätte Diepkloof Rock Shelter in der Provinz Westkap im südlichen Afrika zeigt, dass bereits die Jäger und Sammler aus allen Gesteinsmaterialien, die ihnen zur Verfügung standen, die mit der besten Eigenschaftenkombination für ein bestimmtes Werkzeug auswählten.(Bild:  Guillaume Porraz)
Eine fein gearbeitete Still-Bay-Spitze aus der Fundstätte Diepkloof Rock Shelter in der Provinz Westkap im südlichen Afrika zeigt, dass bereits die Jäger und Sammler aus allen Gesteinsmaterialien, die ihnen zur Verfügung standen, die mit der besten Eigenschaftenkombination für ein bestimmtes Werkzeug auswählten.
(Bild: Guillaume Porraz)

Als Beispiel nennt er die sogenannten Still Bay Points, beidseitig bearbeitete Spitzen, die dünn sind wie ein Blatt. Diese seien aus einem Steinmaterial gefertigt worden, das bei der Herstellung nur relativ geringen Kraftaufwand erfordert; wenn es aber als Speerspitze bei der Jagd genutzt werde, erst bei sehr großen Kräften breche. „Grund dafür sind die verschiedenen Volumina, in denen die Bruchphänomene stattfinden. Beim Herstellen erzeugt man Brüche in relativ kleinen Volumina nahe der Kante der Werkstücke. Beim Einschlag der fertigen Spitze verteilt sich die aufkommende Kraft im gesamten Volumen der Spitze.“

So hat also bereits der frühe Mensch Ingenieursleistung erbracht und sich das Leben etwas leichter gemacht. Ohne Zweifel hat die Ingenieurskunst uns dorthin geführt, wo wir heute stehen: In einer industrialisierten, globalisierten und fortschrittlichen Welt, die aber vor zahlreichen Herausforderungen steht.

Es gibt viel zu tun

Der World Engineering Day for Sustainable Development, der seit 2020 jährlich am 4.März begangen wird, will Ingenieure und ihre Leistungen würdigen. Er will zeigen, wie das Ingenieurwesen die Welt zum Besseren verändern kann. Denn es gibt noch viel zu tun, insbesondere um die UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung in den Entwicklungsländern zu erreichen und sicherzustellen, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen, zuverlässiger Energie und anderen menschlichen Grundbedürfnissen haben. Auch die Auswirkungen des Klimawandels und der Ressourcenschutz, wachsende Städte und die Herausforderungen der neuen Technologien, einschließlich der künstlichen Intelligenz, gilt es zu bewältigen.

Der World Engineering Day würdigt die Leistung der Ingenieure und will Bewusstsein schaffen für die Bedeutung des Berufs.(Bild:  WED)
Der World Engineering Day würdigt die Leistung der Ingenieure und will Bewusstsein schaffen für die Bedeutung des Berufs.
(Bild: WED)

Im September 2015 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution 70/1, in der sie die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ankündigte, die einen integrierten Ansatz für die künftige Entwicklung verfolgen und Fortschritte bei wirtschaftlichem Wohlstand, sozialer Inklusion und ökologischer Nachhaltigkeit miteinander verbinden. Ingenieure und Ingenieurwesen sind entscheidend für die Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung:

  • Ingenieure und Ingenieursprojekte sind für eine friedliche Welt unverzichtbar, denn es sind die Ingenieure, die Technologien und Systeme entwickeln und umsetzen werden, die die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Wasser, Energie, Umwelt, nachhaltige Städte, Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen und in anderen Bereichen voranbringen werden.
  • Ingenieure sind unverzichtbar für die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel und für die Planung und Entwicklung einer widerstandsfähigen Infrastruktur, die den zunehmenden wetterbedingten Ereignissen - Überschwemmungen, Wirbelstürmen und Buschbränden – standhält, insbesondere in Entwicklungsländern, die diesen Risiken am stärksten ausgesetzt sind.
  • Ingenieure sind für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung unverzichtbar, da sie das Wachstum und die Entwicklung wichtiger Infrastrukturen wie Straßen, Eisenbahnbrücken, Dämme, Abfallwirtschaft, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Energie und digitale Netze sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern unterstützen müssen.
  • Ingenieure werden gebraucht, um integrative Technologien und Innovationen zu entwickeln, die den Menschen zu besserer Lebensqualität verhelfen, gleichzeitig unseren Planeten schützen und niemanden zurücklassen.

Ingenieurstudierendenzahlen stark rückläufig

Der Welt-Ingenieur-Tag für nachhaltige Entwicklung ist eine Gelegenheit, diese Themen zu diskutieren und die breitere Öffentlichkeit für die Beiträge der Ingenieure und des Ingenieurwesens sowie für die Arbeit zu sensibilisieren, die geleistet werden muss, um die UN-Agenda 2030 zu erreichen und für den Ingenieurberuf werben. Denn, so eine aktuelle Studie des VDI, in den kommenden Jahren wird durch Demografie, Digitalisierung und Klimaschutz der Bedarf an Beschäftigten in Ingenieur- und Informatikerberufen deutlich zunehmen. Die Zahl der offenen Stellen in den Ingenieurberufen ist trotz konjunktureller Eintrübung hoch.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamt vom Januar 2024 dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2023 um 0,3 Prozent gesunken sein. Diese starke konjunkturelle Eintrübung hat auch (kurzfristige) Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in den Ingenieur- und Informatikerberufen: So ist im dritten Quartal 2023 die Gesamtzahl an offenen Stellen im Vorjahresvergleich um 4,7 Prozent auf 165.200 gesunken. Damit ist das Niveau der Vor-Corona-Zeit immer noch deutlich übertroffen (2019: 128.900). Es zeigt sich angesichts dieser Zahlen, dass der Ingenieurberuf weiterhin attraktiv ist.

Von der Batterieproduktion bis zur Windkraft – überall werden Ingenieurinnen und Ingenieure gebraucht, wenn wir den Standort Deutschland aktiv und lebenswert gestalten wollen. Die immer noch hohe Zahl an offenen Stellen ist für mich unbefriedigend. Der Ingenieurberuf ist der Zukunftsjob überhaupt. Sinnhaftigkeit und Mehrwert für die Gesellschaft stehen seit jeher im Fokus.

VDI-Direktor Adrian Willig

Der Ingenieurmonitor beleuchtet zudem die Entwicklungen an den Hochschulen. Die Zahl der Studienanfänger ist im ersten Hochschulsemester in den Fächern Ingenieurwissenschaften und Informatik um besorgniserregende 12,5 Prozent gesunken. In den vergangenen zehn Jahren haben dabei die Studienbereiche Maschinenbau/Verfahrenstechnik und Elektrotechnik stark an Studienanfängern verloren, während die Informatik deutlich zulegen konnte. Diese Entwicklung steht im starken Gegensatz zu den zunehmenden Anforderungen der sich wandelnden Gesellschaft. „Dieser Trend sollte uns alarmieren, da wir dringend qualifizierte Fachkräfte in diesen Berufsfeldern benötigen, um den zukünftigen Anforderungen Deutschlands gerecht zu werden“, warnt VDI-Direktor Adrian Willig.

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