Digitale Druckanzeige Wie Luftschiff Theo stets in Form bleibt

Ein Gastbeitrag von Michaela Wassenberg* 5 min Lesedauer

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Theo ist eines von drei aktuell in Deutschland zugelassenen Luftschiffen. Damit der Pilot alle Informationen über den anliegenden Druck im Inneren des mit Gas gefüllten Luftschiffs hat, sind im Cockpit digitale Anzeigen des Messspezialisten Althen verbaut.

Wenn Theo nachts beleuchtet ist, kann man die drei Luftkammern, auch Ballonettes genannt, genau erkennen. Deren Inhalt ist variabel, um die Druckschwankungen des großen Innenraums auszugleichen.(Bild:  WDL Luftschiffgesellschaft mb)
Wenn Theo nachts beleuchtet ist, kann man die drei Luftkammern, auch Ballonettes genannt, genau erkennen. Deren Inhalt ist variabel, um die Druckschwankungen des großen Innenraums auszugleichen.
(Bild: WDL Luftschiffgesellschaft mb)

Theo ist ein Prall-Luftschiff: Anders als bei einem Zeppelin ergibt sich die Form dieses Typs allein aus dem Gas, mit dem die Hülle gefüllt ist – und nicht durch ein bespanntes Gerüst. Konstruiert wurde Theo 1972 von der WDL Luftschiffgesellschaft, die ihn 2015 neu aufbaute und aktuell gerade einen neuen Hangar für ihn errichtet. Theo misst in der Länge 59,5 Meter und besitzt einen Durchmesser von 15 Metern an der voluminösesten Stelle. Das Luftschiff ist am Flughafen Essen/Mühlheim zuhause und regelmäßig für Gästefahrten und als Werbefläche im Einsatz.

Druck im Innenraum muss konstant bleiben

Bei einem Prall-Luftschiff ergeben sich für den Flugbetrieb aus dieser Konstruktion ganz besondere Anforderungen an die Stabilität der Druckverhältnisse. Prall gefüllt reagiert der Flugkörper sensibel auf Ruderbewegungen und lässt sich sehr präzise steuern. Jeder Druckverlust hingegen macht das Luftschiff schwerfälliger und schwerer zu manövrieren – und damit potenziell weniger sicher. Oberste Priorität für den gefahrlosen Betrieb jedes Luftschiffs ist daher, den Druck im Innenraum konstant zu halten.

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Damit dies funktioniert, sind im Innenraum drei Ballonetts untergebracht, kleinere Ballons, die in diesem Fall mit Luft gefüllt sind und deren Inhalt variabel ist, um die Druckschwankungen des großen Innenraums auszugleichen. In den Ballonetts herrscht immer ein Druck, der über dem äußeren Luftdruck liegt. Dies stellt sicher, dass der gesamte Körper stets prall gefüllt ist. Dieser Überdruck beträgt nur wenige Millibar, woran sich zeigt, wie wichtig im gesamten Luftschiffbetrieb eine präzise Druckmessung ist. Das Prinzip der Ballonetts stammt bereits aus dem 18. Jahrhundert – dank digitaler Anzeigen haben es heutige Piloten allerdings deutlich leichter, ihr Luftschiff sicher zu steuern.

Drucküberwachung ist vorgeschrieben

Für jedes Luftschiff muss eine Drucküberwachung vorhanden sein. Wie diese umgesetzt wird, ist allerdings nicht im Detail vorgeschrieben. Bei Theo und bei den anderen Luftschiffen von WDL wurde zunächst ein einfaches mechanisches Zeigerinstrument (Manometer) eingesetzt.

1988 entwickelte der Messtechnikspezialist Althen im Auftrag von WDL für Theo und die anderen Luftschiffe den Triple Press Indicator. TPI ist ein dreikanaliges System aus Differenzdruckaufnehmern und einer Anzeigeeinheit mit Grenzwertüberwachung. In der Außenhülle und in jedem der drei Ballonetts ist jeweils ein Sensor angebracht, der über ein Kabel mit dem Display verbunden ist und so den Messwert darstellen kann. Anhand dieser Anzeigen bedient der Pilot die Ventile der einzelnen Druckkammern und steuert damit das Luftschiff.

Alle Druckverhältnisse auf einem Display

Jede Luftkammer wird mit einem Messkanal überwacht. Alle Anzeigen sind in einem kompakten Display zusammen untergebracht, sodass der Pilot auf einen Blick die Druckverhältnisse im gesamten Luftschiff im Blick hat und schnell auf Veränderungen reagieren kann. Hinzu kommt ein weiterer Messkanal als Einkanalsystem. Mit diesen beiden Geräten sind alle Drücke in den Kammern permanent unter Beobachtung.

Ein Luftschiff ist ja immer etwas Besonderes, jeder schaut ihm nach.

Holger Piscator ist in der Produktentwicklung bei Althen beschäftigt und war am Triple Press Indicator beteiligt. Er hat Theo in bester Erinnerung: „Ein Luftschiff ist ja immer etwas Besonderes, jeder schaut ihm nach. Deshalb wird mir diese Entwicklung im Gedächtnis bleiben. Außerdem arbeitet das Gerät nun seit über 30 Jahren ohne Ausfall fehlerfrei. Im KfZ-Bereich hätte unsere Entwicklung schon ein H-Kennzeichen verdient.“

Besondere Anforderungen an die eingesetzten Druckaufnehmer

Damals wie heute entwickelt Althen kundenspezifisch zur Anwendung passende Sensorlösungen. „Auf dem Markt gab es seinerzeit kein System, das unsere Anforderungen erfüllen konnte“; beschreibt Hans Peter Gomolzig, vom Luftfahrtbundesamt anerkannter Accountable Manager für die Technik bei WDL, die damalige Situation. „Mit Althen haben wir einen Partner gefunden, der ein für uns passendes Dreikanalsystem entwickelt konnte.“

Buchtipp

Die Sensortechnik ist eine Schlüsseltechnologie für das Messen, Steuern und Regeln von mechatronischen Systemen in der Automatisierung. Das Buch „Industriesensorik“ beschreibt anwendungsbezogene Fehleranalysen von Messsystemen, Sensoren und Sensorsystemen, jeweils ergänzt durch vollständig durchgerechnete Anwendungsbeispiele. Techniker und Ingenieure finden hierin Ideen und Lösungsansätze für ihre tägliche Arbeit.

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Die Differenzdruckaufnehmer von Althen verfügen über einen extrem kleinen Messbereich von nur 125 mm Wassersäule, das entspricht etwa 12,3 Millibar. Der statische Systemdruck bei Theo beträgt 14 bar. Dass der Messbereich verglichen mit dem Systemdruck sehr klein ist, stellt besondere Anforderungen an die eingesetzten Druckaufnehmer, die auf dem LVDT-Prinzip (LVDT = Linear Variable Differential Transformer) basieren. Dieses ist präzise und robust und wird bis heute in verschiedenen Anwendungen eingesetzt. Ein verschleißfrei arbeitender LVDT-Wegaufnehmer misst hierbei die Verformung einer Druckmembran. Das Aufnehmersignal wird dann elektronisch in ein industrielles Normsignal umgesetzt.

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Bewährtes Messprinzip

Die kleinen Druckdifferenzen, die bei Theo die Flugeigenschaften beeinflussen, sind umso schwerer zu messen, weil der umgebende Systemdruck so hoch ist. Dies zeichnet die Aufnehmer, die Althen für WDL geliefert hat, aus. In Verbindung mit der hochauflösenden Digitalanzeige ermöglicht diese Druckmessung und -anzeige im Vergleich zur zusätzlich vorhandenen mechanischen Anzeige eine deutlich präzisere manuelle Regelung der zur Steuerung nötigen Ventile des Luftschiffs. Das Messprinzip hat sich bewährt und wird heute noch angewendet. Holger Piscator: „Heute würde man ein solches System zwar mit einem Touch-Display ausstatten und controllergesteuert programmierbar realisieren, aber das Funktionsprinzip bliebe identisch.“

In der Industrie wird die Differenzdruckmessung häufig bei Leckagemessungen eingesetzt. Auch in den Bereichen Klimatisierung und Energiemanagement ist das Prinzip wertvoll, beispielsweise um Verschmutzungsgrade von Filtern zu messen. Die Anforderungen an die Genauigkeit sind hier zwar etwas geringer als beim Luftschiff, aber das Prinzip ist vergleichbar. Auch in Reinräumen wird Differenzdruckmessung genutzt, um zu überwachen, ob konstanter Überdruck herrscht.

Neben den kleinen Messbereichen im Millibarbereich misst Althen zum Beispiel auch Kräfte von bis zu mehreren 100 Tonnen, wie sie etwa an Schleusen- oder Hangartoren auftreten. Die Bandbreite der kundenspezifischen Lösungen ist groß, und für nahezu jede Anwendung zu Land, zu Wasser oder in der Luft findet sich aus dem breiten Portfolio die passende Messtechnik(jv)

* Michaela Wassenberg ist freie Journalistin

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