Klemmelemente und Bremsen Wie innovative Klemm- und Bremselemente mit Kreativität und Erfahrung neue Märkte erschließen

Autor / Redakteur: Ute Drescher, Redakteurin, konstruktionspraxis / Ute Drescher

Klemm- und Bremselemente sprühen nicht gerade vor Charme. Weit gefehlt. Wenn Konstrukteure Kreativität und Erfahrung in die Produktentwicklung fließen lassen, können dabei Produkte entstehen, die ganz neue Märkte erschließen. So wie bei Zimmer Technische Werkstätten.

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Was haben Küchenschubladen mit Automatisierung zu tun? Von außen betrachtet zunächst wenig. Doch die Technologie und die Erfahrung, die ein Unternehmen mit Stoßdämpfern gesammelt hat, gepaart mit Kreativität, können plötzlich zu Produkten führen, die dann in einer für das Unternehmen völlig fremden Branche reißenden Absatz finden. So geschehen mit den Dämpfungselementen, welche die Zimmer Technischen Werktstätten heute von einem eigens gegründete Schwesterunternehmen für die Möbelindustrie produzieren lässt.

Die ersten Produkte kamen aus der „Garage“

Die Geschichte beginnt wie viele Gründungsgeschichten im deutschen Mittelstand. „Wir haben die ersten Produkte in einem Garagenbetrieb gefertigt“, erzählt Günther Zimmer. Das war 1986. Heute beschäftigen Zimmer Technische Werkstätten, die Günther Zimmer gemeinsam mit seinem Bruder Martin führt, etwa 400 Mitarbeiter und stellen jährlich etwa 70 Mitarbeiter ein. Sie erwirtschaften einen Umsatz von über 40 Millionen Euro. Die Wachstumsraten sind seit Jahren zweistellig.

Firmenverbund im Aufwärts-Trend

Doch die Technischen Werkstätten sind nur die Keimzelle. Zum Firmenverbund gehören außerdem die Zimmer Kunststofftechnik, die Zimmer Dämpfungssysteme (die die Dämpfungselemente für die Küchenschubladen vertreiben), die erst 2007 übernommene Benz Werkzeugsysteme sowie die Sommer Automatic. Insgesamt erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von über 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Obwohl sich das Unternehmen seit der Gründung etwa alle zwei Jahre vergrößert hat, platzt es aus allen Nähten. Ein weiterer Neubau entsteht derzeit auf einem Gelände von 10 000 m2. Dorthin sollen die Dämpfungssysteme und die Kunststoffsysteme ziehen, außerdem möglicherweise Teile der Montage. „Dann können wir uns so richtig austoben“, freut sich der Geschäftsführer Günther Zimmer.

Eigentlich wollte Günther Zimmer in die Landwirtschaft gehen. Als er die Gelegenheit bekam, ein altes Bauernhaus zu kaufen, griff Zimmer zu. Um das zu finanzieren, besann er sich auf die Kontakte, die er noch aus Schul- und Zivildienstzeiten hatte, als er sich sein erstes Geld in der Metallverarbeitung verdiente.

Es war aber schließlich der Kontakt zu Friedhelm Sommer 1983, der den Durchbruch brachte: Sommer hatte die Idee, standardisierte Greifelemente zu entwickeln, die es bis dahin nicht gab. Das Geschäft kam schnell in Schwung, heute vertreibt Sommer ein breites Spektrum an standardisierten und kundenspezifischen Handhabungskomponenten.

Klemm- und Bremselemente von der Stange und kundenspezifisch

Bis Zimmer 1999 Sommer übernahm, produzierte das Unternehmen Komponenten für Sommer, erweiterte das Spektrum aber gleichzeitig um Klemm- und Bremselemente sowie Industriestoßdämpfer. Heute umfasst das Portfolio in erster Linie Klemm- und Bremselemente für Profilschienen und Rundführungen, Industrie-Stoßdämpfer mit hoher Leistungsdichte sowie Systeme für spezielle Anwendungen.

Reine Klemmelemente halten eine bestimmte Position in einer Werkzeugmaschine. Dabei wird eine bestimmte Position angefahren, das System wird - mit Luft- oder Federkraft - aktiviert und an einer Stelle hochgenau fixiert. Darüber hinaus gibt es Bremselemente, die sich sowohl zum Positionieren als auch zum Bremsen nutzen lassen. Etwa, wenn bei im Falle einer Störung der NOT-AUS aktiviert wird.

Hier bremsen die Zimmer-Bauteile die Bewegung energielos über Federspeicher, ohne die Profilschiene oder das System zu beschädigen. Lieferbar sind Not-Stopp-Elemente für pneumatische oder hydraulische Anwendungen.

Entwicklungsfreude und Kreativität sind der Schlüssel zum Erfolg

Innovation und Kreativität stehen dabei im Mittelpunkt. „Kreativität ist unser Schlüssel zum Erfolg“, bestätigt Günther Zimmer. Mit der Entwicklung und Konstruktion neuer Produkte und kundenspezifischer Anwendungen sind allein bei den Technischen Werkstätten 60 Mitarbeiter beschäftigt.

Unbedingt vermeiden möchte Günther Zimmer betriebsbedingte Kündigungen: „Keiner, der hier arbeitet, sollte wegen Management-Fehlern entlassen werden müssen“, sagt der Geschäftsführer. Und: „Mit Angst vor dem Arbeitsplatzverlust kann man nicht kreativ arbeiten“.

Außerdem gelte es, die Wünsche der Kunden nicht nur zu erfüllen, sondern noch besser zu übertreffen. So fährt der Chef noch heute hin und wieder selber zum Kunden. Und kümmert sich dann um die dritte Säule für den Erfolg: „Die Dinge müssen auch schnell umgesetzt werden“.

Außerdem solle das Unternehmen nicht nur auf einem Bein stehen, sondern „lieber auf mehreren“, wie Günther Zimmer betont.

Aus den Stoßdämpfern heraus entstanden daher u.a. die Dämpfungssysteme, die heute kaum noch etwas mit Industriestoßdämpfern gemein haben.

Dämpfungselemente, die mit Luft arbeiten

„Mit den Dämpfungs-elementen haben wir in ein Wespennest gestochen“, weiß Günther Zimmer heute. Sie arbeiten mit Luft, was sich positiv sowohl auf die Umweltverträglichkeit als auch auf die Kosten auswirkt. Gleichzeitig sind sie robust, immerhin werden Schub-laden etwa 80 000 mal im Laufe ihres Lebens auf- und zugezogen. Eine Reihe von Patenten soll den Nachbau erschweren. Aus dieser Produktentwicklung sind die beiden Schwesterfirmen Zimmer Kunststofftechnik und die Zimmer Dämpfungselemente entstanden.

Problemlösung: Dübel für Leichtbauplatten

Ein weiteres Produkt zeigt die Innovationskraft des Unternehmens: Dübel für Leichtbauplatten. Leichtbauplatten werden in der Möbelindustrie aus Gründen sinkender Ressourcen sowie aus logistischen Überlegungen heraus zunehmend eingesetzt. Gefragt sind heute breite Möbel, die sich bisher nicht kostengünstig mit Leichtbauplatten bauen ließen. Ein weiterer Hinderungsgrund war die fehlende Befestigungstechnologie. Mit ihren Dübeln haben die Technischen Werkstätten dieses Problem gelöst.

Wettbewerbsprodukte werden einfach in den Klebstoff gesteckt. Bei Taktzahlen von 16 Dübeln/s kann diese Vorgehensweise zu Problemen mit dem Klebstoff führen. „Das kann man von Hand machen, aber nicht automatisieren“, erklärt Günther Zimmer. Die Erfahrung mit Automatisierungsprozessen hat bei den Technischen Werkstätten zu einem anderen Lösungsweg geführt. Die neuen Dübel kombinieren die konventionelle Verarbeitung wie bei herkömmlichen Holzdübeln mit dem Einsatz von Klebstoff. Der Klebstoff befindet sich im Dübel, wird durch das Eindrücken freigesetzt und verteilt sich gleichmäßig. Zudem verspreizt sich der Düber, so dass umgehend z.B. ein Scharnier montiert werden kann. Günther Zimmer beschreibt das so: „Loch bohren, Dübel `reinstecken, draufschlagen - fertig“. So einfach ist das.

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